Rüstzeit

Rüstzeit ist die Zeit, in der Beschäftigte sich und ihren Arbeitsplatz für die Arbeit vorbereiten oder danach aufräumen, vom Umkleiden bis zum Hochfahren der Kasse.

Geschrieben von: Beke SchoustraAktualisiert am:

Was ist Rüstzeit?

Rüstzeit ist die Zeit, in der Beschäftigte sich und ihren Arbeitsplatz für die eigentliche Arbeit vorbereiten oder danach wieder aufräumen. Im Restaurant ist das die Mise en place vor dem Service, im Einzelhandel das Öffnen der Kasse und das Auffüllen der Regale vor Ladenöffnung, in Küche und Klinik das Anlegen der Dienstkleidung. Nach Schichtende gehören die Kassenabrechnung, das Putzen der Station und das Umziehen dazu.

Für Arbeitgeber in Gastronomie und Handel ist die wichtigste Frage, ob diese Minuten vor und nach der Schicht Arbeitszeit sind und bezahlt werden müssen. In der Produktion meint Rüstzeit dagegen meist etwas Engeres.

Rüstzeit in der Produktion berechnen

In Fertigung und Lebensmittelproduktion ist Rüstzeit die Zeit, eine Maschine für einen neuen Auftrag umzustellen, also Werkzeuge wechseln, einstellen, Probelauf. Die Rüstzeit fällt einmal pro Auftrag an, unabhängig davon, wie viel danach produziert wird. Die Zeit für den ganzen Auftrag setzt sich deshalb aus zwei Teilen zusammen: Rüstzeit plus Stückzahl mal Zeit pro Stück.

Ein Beispiel aus der Bäckerei: Die Teigteilmaschine wird von Brötchen auf Baguette umgestellt, das dauert 20 Minuten. Danach laufen 400 Baguettes mit je 0,1 Minuten durch, zusammen 40 Minuten. Der Auftrag braucht 60 Minuten, und ein Drittel davon ist Rüsten. Werden die Baguettes nur noch alle zwei Tage in doppelter Menge gebacken, fällt die Umstellung halb so oft an. Betriebe, die Rüstzeiten gezielt verkürzen, arbeiten oft mit dem SMED-Verfahren, bei dem möglichst viele Handgriffe erledigt werden, während die Maschine noch läuft.

Ist Rüstzeit Arbeitszeit?

Als bezahlte Arbeitszeit zählt Rüstzeit, wenn sie auf deine Anweisung und im Betrieb anfällt. Ein Gesetz, das Rüstzeit eigens regelt, gibt es nicht. Das Arbeitszeitgesetz zählt die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne die Ruhepausen (§ 2 Abs. 1 ArbZG). Was alles zur Arbeit gehört, hat das Bundesarbeitsgericht in mehreren Urteilen über Umkleide- und Wegezeiten entschieden.

Entscheidend ist, ob eine Tätigkeit allein deinem Betrieb dient. Das Umkleiden ist Teil der zu vergütenden Arbeitszeit, wenn du eine bestimmte Kleidung vorschreibst, die im Betrieb an- und abgelegt werden muss (BAG, Urteil vom 26. Oktober 2016, 5 AZR 168/16). Dazu kommen die Wege im Betrieb, die das Umkleiden verursacht, etwa von der Umkleide zum Arbeitsplatz. So hat es das Gericht schon 2012 für eine OP-Schwester im öffentlichen Dienst entschieden (BAG, 19. September 2012, 5 AZR 678/11).

Was ohnehin zur Aufgabe gehört, ist erst recht Arbeit: die Kasse öffnen und das Wechselgeld zählen, die Tische eindecken, das Gemüse für den Abend schneiden. Hier stellt sich die Frage nach der Rüstzeit gar nicht, denn das ist die Arbeit selbst. Lässt du sie vor dem geplanten Schichtbeginn erledigen, beginnt die Arbeitszeit eben früher, auch wenn im Dienstplan 9 Uhr steht.

Umkleidezeit: wann Umziehen Arbeitszeit ist

Nicht jede Dienstkleidung macht das Umziehen zur Arbeitszeit. Kann die Kleidung zu Hause angezogen und auf dem Weg zur Arbeit getragen werden, ohne besonders auffällig zu sein, ist das Umkleiden keine Arbeitszeit. Dasselbe gilt, wenn du erlaubst, auch auffällige Dienstkleidung schon auf dem Weg zu tragen, und sich jemand trotzdem lieber im Betrieb umzieht (BAG, Urteil vom 25. April 2018, 5 AZR 245/17).

Situation

Arbeitszeit?

Kochjacke und Kopfbedeckung, die du aus Hygienegründen nur in der Küche tragen lässt

ja, Umkleiden und Weg zur Küche

Schwarze Hose und weißes Hemd im Service, Anziehen zu Hause ist erlaubt

in der Regel nein

Dienstkleidung, die nach deiner Anweisung im Betrieb an- und abgelegt werden muss

ja, samt Weg zum Arbeitsplatz

Auffällige Dienstkleidung darf auf dem Weg getragen werden, eine Mitarbeiterin zieht sich trotzdem im Betrieb um

nein

Kasse hochfahren und Wechselgeld zählen vor Ladenöffnung

ja, das ist Arbeit

Kaffee im Pausenraum vor Schichtbeginn

nein

Der Weg von zu Hause zum Betrieb zählt in aller Regel nicht zur Arbeitszeit, auch wenn jemand schon umgezogen kommt. Wege während der Schicht sind ein eigenes Thema, etwa zwischen zwei Filialen oder zu Kunden. Wann sie zählen, erklärt der Beitrag zur Fahrzeit als Arbeitszeit.

Muss Rüstzeit bezahlt werden?

Gehört die Rüstzeit zur Arbeitszeit, musst du sie bezahlen. Für bezahlte Arbeitszeit gilt der gesetzliche Mindestlohn je Zeitstunde (§ 1 MiLoG). Arbeits- oder Tarifvertrag können für Umkleidezeiten eine eigene Vergütung festlegen, die von der für die eigentliche Tätigkeit abweicht (BAG, 5 AZR 245/17).

Ein Beispiel aus dem Restaurant: Acht Servicekräfte müssen sich im Betrieb umziehen und brauchen dafür vor und nach dem Dienst zusammen zwölf Minuten, den Weg zur Stempeluhr eingerechnet. Bei fünf Schichten pro Woche sind das 8 × 5 × 12 = 480 Minuten, also 8 Stunden. Bei einem Stundenlohn von 15 € kostet die Umkleidezeit 120 € pro Woche oder 6.240 € im Jahr. Taucht diese Zeit nicht in der Zeiterfassung auf, fehlt sie in der Lohnabrechnung, und genau um solche Beträge ging es in den Urteilen.

Rüstzeit im Dienstplan einplanen

Am einfachsten planst du die Rüstzeit gleich in die Schicht. Öffnet der Laden um 9 Uhr und brauchen Kasse und Auffüllen eine Viertelstunde, beginnt die Frühschicht um 8:45 Uhr und nicht um 9. Die Mise en place gehört in die Schicht vor dem Service und nicht in die halbe Stunde, die jemand freiwillig früher kommt. Dann stimmen Dienstplan und gestempelte Zeit überein, und niemand muss am Monatsende diskutieren, ob die Minuten davor bezahlt werden.

Hat dein Betrieb einen Betriebsrat, bestimmt er bei Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG). Ob die Schicht mit dem Umziehen beginnt und wo gestempelt wird, regelt ihr dann am besten in einer Betriebsvereinbarung.

Rüstzeit richtig erfassen

Erfassen musst du die Arbeitszeit ohnehin. Arbeitgeber sind verpflichtet, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit zu erfassen (BAG, Beschluss vom 13. September 2022, 1 ABR 22/21). Wo gestempelt wird, entscheidet mit, ob die Rüstzeit darin auftaucht: Hängt die Stechuhr hinter der Umkleide, fehlt das Umziehen in der Erfassung.

Dasselbe passiert, wenn Stempelzeiten zulasten der Beschäftigten abgerundet werden. Wer um 8:47 Uhr einstempelt und erst ab 9 Uhr bezahlt wird, verliert genau die Minuten, in denen er die Kasse vorbereitet hat. Warum das Runden heute heikel ist, zeigt der Beitrag zur Zeiterfassung im 15-Minuten-Takt.

In Shiftbase stempelt dein Team per App, am gemeinsamen Tablet oder an der Stempeluhr, und jede Stunde steht direkt neben der geplanten Schicht. Du legst fest, wo ein Stempeln zählt, zum Beispiel nur im Betrieb und nicht von zu Hause. Pausen und Rundung rechnet Shiftbase mit Regeln pro Abteilung und Vertragsart aus, welche Rundung gilt, entscheidest du selbst. In der Zeiterfassung siehst du so, wer regelmäßig vor Schichtbeginn einstempelt, und kannst die Rüstzeit in den Dienstplan übernehmen, statt sie jede Woche einzeln zu klären.

Häufig gestellte Fragen

Rüstzeit ist bezahlte Arbeitszeit, wenn sie auf Anweisung des Arbeitgebers und im Betrieb anfällt, etwa das Umkleiden in vorgeschriebene Dienstkleidung, die im Betrieb an- und abgelegt werden muss (BAG, 5 AZR 168/16). Ein eigenes Gesetz zur Rüstzeit gibt es nicht.

Rüstzeit muss bezahlt werden, wenn sie zur Arbeitszeit gehört, und für bezahlte Arbeitszeit gilt der gesetzliche Mindestlohn je Zeitstunde (§ 1 MiLoG). Arbeits- oder Tarifvertrag können für Umkleidezeiten aber eine eigene Vergütung festlegen (BAG, 5 AZR 245/17).

Umkleidezeit ist Arbeitszeit, wenn der Arbeitgeber eine bestimmte Kleidung vorschreibt, die im Betrieb an- und abgelegt werden muss. Dann zählen auch die Wege von der Umkleide zum Arbeitsplatz. Kann die Kleidung zu Hause angezogen und unauffällig auf dem Weg getragen werden, ist das Umziehen keine Arbeitszeit (BAG, 5 AZR 245/17).

Das Hochfahren der Kasse und das Zählen des Wechselgelds gehören zur Arbeitszeit, weil sie Teil der Arbeit an der Kasse sind und nur dem Betrieb dienen. Lässt der Arbeitgeber sie vor dem geplanten Schichtbeginn erledigen, beginnt die Arbeitszeit schon dann.

Im Arbeitszeitgesetz steht keine eigene Regel zur Rüstzeit. Es definiert Arbeitszeit als die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne die Ruhepausen (§ 2 Abs. 1 ArbZG). Ob Rüstzeit dazugehört, hat das Bundesarbeitsgericht in Urteilen zu Umkleide- und Wegezeiten entschieden.

Rüstzeit, die zur Arbeitszeit gehört, muss wie jede andere Arbeitszeit erfasst werden. Arbeitgeber sind verpflichtet, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit zu erfassen (BAG, 13. September 2022, 1 ABR 22/21).

Beke Schoustra
Beke SchoustraAccount Executive DACH

Beke schreibt für Shiftbase über Dienstplanung, Zeiterfassung und alles, was die Personalplanung leichter macht. Sie übersetzt den Alltag von Teamleitern in praktische Tipps, die sofort weiterhelfen.

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