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So findet Pawternity Leave den Weg nach Deutschland

  • Verfasst von: Diana Tran
  • Letzte Aktualisierung: 21 Mai 2026
In dem Bild wird ein Beitrag auf LinkedIn und Instagram gezeigt, der die Einführung von Pawternity Leave in einem Unternehmen ankündigt, um Mitarbeitern zu ermöglichen, Zeit mit ihren neuen Haustieren, wie Welpen oder Kätzchen, zu verbringen. Der Post betont die Bedeutung dieser Möglichkeit für die Bindung zwischen Haustiereltern und ihren Tieren in der modernen Arbeitswelt.

Stell dir vor, einer deiner Mitarbeitenden bittet dich um ein oder zwei Urlaubstage, um einen neuen Welpen einzugewöhnen oder ein krankes Tier zum Tierarzt zu bringen. Klingt nach einer kleinen Bitte mit großer Wirkung. Denn Haustiere sind für viele Menschen längst vollwertige Familienmitglieder. Seit der Pandemie hat sich diese Bindung noch einmal verstärkt: Mehr als 34 Millionen Haushalte in Deutschland besitzen ein Haustier (Statista, 2024).

In UK und USA ist Pawternity Leave in vielen Unternehmen bereits ein etablierter Benefit. Für dich als Arbeitgeber oder HR-Verantwortliche/r stellt sich die Frage: Lohnt sich das Konzept auch für Deutschland, und wie kannst du es sinnvoll einsetzen?

  •  Pawternity Leave ist Sonderurlaub für Haustiereltern, z.B. für die Eingewöhnung eines Welpen oder die Pflege eines kranken Tiers. In Deutschland gibt es keinen gesetzlichen Anspruch, aber du kannst ihn freiwillig als Benefit einführen. Er stärkt die Mitarbeiterbindung, verbessert dein Employer Branding und kostet dich oft weniger als erwartet. 

Was ist Pawternity Leave?

Pawternity Leave bezeichnet eine bezahlte oder unbezahlte Freistellung vom Job, die du als Arbeitgeber deinen Mitarbeitenden für bestimmte Situationen rund um ihr Haustier gewährst. Der Begriff ist ein Wortspiel aus dem Englischen: "Paw" (Pfote) ersetzt das "Pat" in "Paternity Leave" (Vaterschaftsurlaub).

Woher kommt der Begriff?

Entstanden ist das Konzept in den USA und UK, wo Haustierbesitzende schon länger als "Pet Parents" (Tiereltern) bezeichnet werden. Das indische Verlagshaus Harper Collins führte bereits 2017 fünf bezahlte Urlaubstage für neue Haustiereltern ein. Seitdem hat sich das Konzept international verbreitet und findet zunehmend auch in Europa Beachtung.

Für welche Situationen gilt Pawternity Leave?

Pawternity Leave kann verschiedene Anlässe abdecken:

  1. Eingewöhnung eines neuen Haustieres (Welpe, Kätzchen, Heimtier)
  2. Pflege eines akut kranken oder verletzten Tieres
  3. Begleitung des Tieres bei medizinischen Eingriffen
  4. Trauerzeit nach dem Verlust eines Haustieres

Laut einer Studie von SHRM (Society for Human Resource Management) ist emotionaler Stress nach dem Verlust eines Haustieres mit menschlicher Trauer vergleichbar. Ein oder zwei freie Tage können hier eine große Entlastung bedeuten.

Pawternity Leave in Deutschland: Rechtliche Grundlage

Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Sonderurlaub für Haustiere?

Nein. In Deutschland gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf Pawternity Leave. Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) regelt ausschließlich den gesetzlichen Mindesturlaub. Tiere gelten rechtlich nicht als Familienmitglieder, weshalb auch keine automatische Schutzwirkung greift.

Was erlaubt § 616 BGB?

Paragraph 616 BGB regelt, dass Arbeitnehmer für eine "verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit" ihren Lohnanspruch behalten dürfen, wenn sie aus persönlichen Gründen unverschuldet an der Arbeitsleistung verhindert sind. Klassische Beispiele sind dringende Arzttermine oder ein Wohnungsbrand. Ob Tierpflege darunter fällt, ist rechtlich nicht eindeutig geregelt und hängt von der individuellen Auslegung ab.

Wichtig: § 616 BGB kann per Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag ausgeschlossen werden. Prüfe, was in eurem Unternehmen gilt.

Wie lässt sich Pawternity Leave betrieblich regeln?

Auch ohne gesetzliche Grundlage kannst du Pawternity Leave als freiwilligen Benefit einführen, zum Beispiel:

  • In der Betriebsvereinbarung mit dem Betriebsrat
  • Im individuellen Arbeitsvertrag als Zusatzregelung
  • In einer internen HR-Richtlinie oder einem Mitarbeiterhandbuch

Eine klare schriftliche Regelung schützt dich vor Missverständnissen und schafft Transparenz im Team. Mehr zu Sonderurlaubsregelungen findest du in unserem Lexikoneintrag zum Sonderurlaub.

Internationale Beispiele: So machen es UK und USA

Bezahlter Sonderurlaub: BrewDog, mParticle und Co.

Einige Unternehmen zeigen, wie Pawternity Leave in der Praxis aussieht:

  • BrewDog (UK): Eine Woche bezahlter Pawternity Leave bei Adoption eines Hundes.
  • mParticle (USA): Zwei Wochen bezahlter Pawternity Leave für neue Haustiereltern.
  • Trupanion (USA): Bezahlte Trauertage, wenn ein Haustier stirbt.
  • Rover (USA): Arbeitgeberleistungen rund um Haustierpflege und Trauerzeit.

Laut LeaveDates (2024) bieten bisher nur wenige europäische Unternehmen offizielle Pawternity-Leave-Regelungen an. Der Markt in Deutschland ist damit weitgehend unbesetzt, was dir als frühem Anbieter einen klaren Vorteil im Wettbewerb um Talente verschafft.

Vergleich: Bezahlt vs. unbezahlt vs. flexibles Arbeiten

Modell Beschreibung Vorteile Nachteile
Bezahlter Sonderurlaub 1-3 Tage bei vollem Gehalt für Eingewöhnung, Pflege oder Trauer Starke Bindungswirkung, positives Employer Branding Direkte Kosten, Vertretungsplanung nötig
Unbezahlter Sonderurlaub Zusätzliche freie Tage ohne Gehaltsfortzahlung Kaum Zusatzkosten, flexibel einsetzbar Weniger attraktiv für Mitarbeitende
Flexible Arbeitszeit / Homeoffice Anpassung der Arbeitszeiten oder Remote-Arbeit für Tierbetreuung Keine direkten Kosten, hohe Wertschätzung Nicht in allen Branchen umsetzbar

Praxis-Tipp: Starte mit einer Pilotphase. Ein bis zwei unbezahlte Urlaubstage oder eine Homeoffice-Option für neue Haustiereltern sind einfach einzuführen und helfen dir zu testen, wie das Angebot bei deinem Team ankommt.

Vorteile von Pawternity Leave für dein Unternehmen

Mitarbeiterbindung und Employer Branding stärken

Laut einer Auswertung des HR Executive Report achten 63 % der Gen-Z-Beschäftigten und 48 % der Millennials bei der Arbeitgeberwahl bewusst auf tierfreundliche Policies. Wer Pawternity Leave anbietet, signalisiert: Hier wird der Mensch als Ganzes gesehen, nicht nur als Arbeitskraft.

Das wirkt sich direkt auf deine Arbeitgebermarke aus, besonders in umkämpften Branchen, in denen Benefits den Ausschlag bei der Bewerbungsentscheidung geben können.

Produktivität und Wohlbefinden fördern

Ein Mitarbeitender, der weiß, dass sein Welpe gut eingewöhnt ist oder sein krankes Tier versorgt wird, kommt deutlich fokussierter zur Arbeit zurück. Haustiere haben laut SHRM und HR Dive nachweislich positive Auswirkungen auf die mentale Gesundheit. Stress rund um das Tier, der ungelöst bleibt, kostet dagegen Konzentration und Energie.

Mögliche Kritikpunkte und wie du ihnen begegnest

Kritikpunkt Deine Antwort als Arbeitgeber
Missbrauchsgefahr Klare Definition der zulässigen Anlässe in der Richtlinie
Ungleichbehandlung Gleichwertige Alternativen für Mitarbeitende ohne Haustier anbieten
Zusatzkosten Unbezahltes Modell oder Homeoffice als kostenfreie Alternative starten
Teamakzeptanz Transparente Kommunikation und offene Diskussion im Team


So führst du Pawternity Leave in deinem Unternehmen ein

Schritt 1: Bedarf ermitteln

Finde heraus, wie viele Mitarbeitende Haustiere haben oder planen, eines anzuschaffen. Eine kurze anonyme Umfrage oder informelle Gespräche in 1:1-Meetings liefern dir schnell ein realistisches Bild.

Schritt 2: Modell und Rahmen festlegen

Entscheide dich für ein Modell (bezahlt, unbezahlt oder flexibel) und lege fest, welche Anlässe gelten sollen. Beispielsatz für deine Richtlinie:

"Mitarbeitende, die ein neues Haustier aufnehmen, können einmalig bis zu 2 bezahlte Urlaubstage für die Eingewöhnung beantragen. Bei Verlust eines Haustieres werden bis zu 1 bezahlter Trauertag gewährt."

Schritt 3: Interne Richtlinie formulieren

Halte die Regelung schriftlich fest: im Mitarbeiterhandbuch, in der Betriebsvereinbarung oder im Intranet. Kommuniziere sie aktiv im Team und bei neuen Stellenausschreibungen.

Schritt 4: Pilotphase starten und evaluieren

Teste die Regelung 6 bis 12 Monate. Sammle danach Feedback von Mitarbeitenden und Führungskräften. Prüfe, wie oft der Benefit genutzt wurde und ob er organisatorisch gut umsetzbar war. Passe ihn bei Bedarf an.

Tipp: Mit dem Shiftbase Urlaubsplaner behältst du alle Abwesenheiten, einschließlich Pawternity Leave, zentral im Blick und planst Vertretungen rechtzeitig.

Willst du wissen, was Pawternity Leave dein Unternehmen im Jahr tatsächlich kostet? Mit diesem einfachen Rechner siehst du auf einen Blick, wie hoch der finanzielle Aufwand für bezahlten Sonderurlaub für Haustiereltern in deinem Team ist, und kannst das Ergebnis direkt mit dem Nutzen für Mitarbeiterbindung und Employer Branding abwägen.

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Alternativen zu Pawternity Leave

Nicht jedes Unternehmen kann oder möchte sofort einen formellen Pawternity Leave einführen. Diese Alternativen funktionieren oft als erster Schritt.

Flexible Arbeitszeiten für Haustiereltern

Erlaube es Mitarbeitenden, ihre Arbeitszeiten in der Eingewöhnungsphase eines neuen Tieres flexibel zu verteilen. Die Gleitzeit eignet sich hier besonders gut, da Stunden einfach vor- oder nachgearbeitet werden können.

Homeoffice als Alternative

Wer von zu Hause aus arbeitet, kann gleichzeitig für sein Tier da sein. Das ist keine perfekte Lösung für jeden Job, aber in wissensintensiven Berufen oft einfach umzusetzen. 

Bestehende Sonderurlaubstage flexibel nutzen

Ergänze deine bestehende Sonderurlaubsregelung um einen Satz, der Haustieranlässe explizit einschließt. So brauchst du keine neue Struktur zu schaffen und profitierst trotzdem von den positiven Effekten. 

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Fazit: Lohnt sich Pawternity Leave für dein Unternehmen?

Pawternity Leave ist kein Luxus für große Konzerne, sondern ein erreichbarer Benefit, der selbst für kleine und mittlere Unternehmen umsetzbar ist. Er zeigt deinen Mitarbeitenden, dass du sie als Menschen siehst, nicht nur als Ressourcen. Und er verschafft dir im Wettbewerb um Talente einen echten Vorsprung, solange das Thema in Deutschland noch wenig verbreitet ist.

Warte nicht, bis der Trend flächendeckend angekommen ist. Wer früh handelt, setzt das Zeichen zuerst.

Plane Sonderurlaub, Pawternity Leave und alle weiteren Abwesenheiten bequem mit dem Shiftbase Urlaubsplaner und behalte jederzeit den Überblick.

Häufig gestellte Fragen

  • Nein, in Deutschland gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf Sonderurlaub für Haustierbesitzende. Das Bundesurlaubsgesetz regelt nur den Mindestjahresurlaub. Tiere gelten rechtlich nicht als Familienmitglieder. Arbeitgeber können den Benefit aber freiwillig in Betriebsvereinbarungen oder Arbeitsverträgen verankern.

  • Die meisten Unternehmen, die Pawternity Leave anbieten, gewähren 1 bis 3 Tage. BrewDog (UK) bietet eine Woche bei Adoption eines Hundes, mParticle (USA) sogar zwei Wochen. Für den deutschen Markt empfiehlt sich als Einstieg ein bis zwei Tage, bezahlt oder unbezahlt, kombiniert mit Homeoffice-Optionen.

  • Besonders sinnvoll ist Pawternity Leave für Unternehmen, die sich im Wettbewerb um junge Talente differenzieren wollen. Laut HR Executive Report legen 63 % der Gen Z und 48 % der Millennials bei der Arbeitgeberwahl bewusst Wert auf tierfreundliche Policies. Auch kleine und mittelständische Unternehmen können mit diesem Benefit ohne großen Kostenaufwand punkten.

  • Wenn du Pawternity Leave (noch) nicht einführen möchtest, gibt es praktikable Alternativen: flexible Arbeitszeiten (Gleitzeit) in der Eingewöhnungsphase, Homeoffice für Tierbetreuung und die flexible Nutzung bestehender Sonderurlaubstage. Manchmal reicht auch eine individuelle Absprache zwischen Führungskraft und Mitarbeitendem, ohne dass eine formelle Richtlinie nötig ist.

  • Starte mit einer Bedarfserhebung im Team, lege dann Modell und Anlässe fest, formuliere eine klare Richtlinie und teste sie in einer Pilotphase von 6 bis 12 Monaten. Nutze anschließend das Feedback deiner Mitarbeitenden, um die Regelung bei Bedarf anzupassen. Details zur Schritt-für-Schritt-Einführung findest du oben im Artikel.

Abwesenheits- und Urlaubsplaner

Verfasst von:

Diana Tran

Diana Tran ist Senior Content Strategist bei Shiftbase und verantwortet den deutschen Markt in der DACH-Region. Seit über drei Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Workforce Management, Personalplanung und den Herausforderungen moderner HR-Prozesse. Sie spezialisiert sich auf Themen wie Dienstplanung, Zeiterfassung, Abwesenheitsmanagement sowie arbeitsrechtliche Anforderungen im deutschsprachigen Raum. Ihre Inhalte richten sich an Unternehmen, die ihre Personalprozesse strukturieren, optimieren und rechtssicher gestalten möchten. Durch ihren praxisorientierten Ansatz übersetzt sie komplexe HR-Themen in verständliche und umsetzbare Lösungen für den Arbeitsalltag.

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