Bereitschaftsdienst gilt in Deutschland uneingeschränkt als Arbeitszeit und ist vollständig auf die gesetzliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche anzurechnen. Arbeitgeber sind verpflichtet, Bereitschaftsdienst korrekt zu planen, zu vergüten und zu dokumentieren. Fehler führen regelmäßig zu Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz (ArbZG), zu Nachforderungen bei Lohn und Sozialabgaben sowie zu Konflikten mit dem Betriebsrat.
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- Bereitschaftsdienst ist nach deutschem Recht immer Arbeitszeit.
- Er zählt vollständig zur 48-Stunden-Woche gemäß Arbeitszeitgesetz.
- Abweichungen sind nur tariflich oder mit Ausgleichszeiträumen zulässig.
- Bereitschaftsdienst ist vergütungspflichtig – unabhängig von tatsächlicher Arbeitsleistung.
- Unbezahlter Bereitschaftsdienst ist rechtswidrig und mindestlohnrelevant.
- Der vorgegebene Aufenthaltsort ist das zentrale Abgrenzungskriterium zur Rufbereitschaft.
- Der Betriebsrat hat zwingende Mitbestimmungsrechte.
- Im Gesundheitswesen gelten häufig strengere tarifliche Sonderregelungen.
- Eine vollständige Zeiterfassung ist rechtlich zwingend erforderlich.
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst (kein Notfall): 116 117.
Was ist Bereitschaftsdienst?
Bereitschaftsdienst liegt vor, wenn Arbeitnehmer verpflichtet sind, sich an einem vom Arbeitgeber bestimmten Ort aufzuhalten, um bei Bedarf unverzüglich mit der Arbeit zu beginnen. Der Arbeitnehmer steht dem Arbeitgeber während dieser Zeit vollständig zur Verfügung.
Rechtlich entscheidend ist nicht die tatsächliche Arbeitsbelastung, sondern die Einschränkung der persönlichen Freiheit. Auch Ruhephasen oder Schlafzeiten ändern nichts daran, dass der gesamte Zeitraum als Arbeitszeit gilt.
Wann spricht man rechtlich von Bereitschaftsdienst?
Bereitschaftsdienst liegt immer dann vor, wenn:
- der Aufenthaltsort vom Arbeitgeber verbindlich vorgegeben wird, und
- eine sofortige Arbeitsaufnahme erwartet wird.
Je stärker die private Lebensführung eingeschränkt ist, desto eher liegt Bereitschaftsdienst und keine Rufbereitschaft vor.
Bereitschaftsdienst vs. Rufbereitschaft – der Unterschied
| Kriterium | Bereitschaftsdienst | Rufbereitschaft |
|---|---|---|
| Aufenthaltsort | Arbeitgeber bestimmt | Frei wählbar |
| Reaktionszeit | Sofort | Angemessen |
| Freizeit | Erheblich eingeschränkt | Weitgehend frei |
| Arbeitszeit | Vollständig | Nur Einsatzzeiten |
| Vergütung | Immer | Nur bei Einsatz |
Merksatz: Ist der Aufenthaltsort nicht frei wählbar, liegt kein Ruf-, sondern Bereitschaftsdienst vor.
Gilt Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit?
Ja. Bereitschaftsdienst ist nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) sowie nach ständiger Rechtsprechung eindeutig als Arbeitszeit zu werten. Diese Einordnung gilt unabhängig davon, ob tatsächlich gearbeitet wird.
Anrechnung auf die 48-Stunden-Woche
Bereitschaftsdienst wird vollständig auf die gesetzliche Höchstarbeitszeit angerechnet:
- 48 Stunden pro Woche im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten
- Überschreitungen nur bei tariflicher Öffnung oder Ausgleich
Arbeitgeber müssen Bereitschaftsdienste daher zwingend in die Arbeitszeitplanung integrieren.
Gesetzliche Ausnahmen und Ausgleichsmodelle
Gemäß § 7 ArbZG sind Abweichungen nur zulässig, wenn:
- ein einschlägiger Tarifvertrag dies erlaubt oder
- gleichwertige Ausgleichszeiträume gewährt werden.
Ohne tarifliche Grundlage sind systematische Überschreitungen unzulässig.
⏱️ Arbeitszeitrechner
Berechne Brutto-Arbeitszeit, Pausenzeit und Netto-Arbeitszeit (Stunden/Minuten + Kommaschreibweise).
Sonderregelungen für Ärztinnen und Ärzte
Im Gesundheitswesen gelten häufig spezielle Tarifverträge (z. B. TV-Ärzte), die:
- die maximale Anzahl von Bereitschaftsdiensten pro Monat begrenzen
- verlängerte Ausgleichszeiträume regeln
- konkrete Bewertungsfaktoren für Vergütung festlegen
Diese tariflichen Regelungen gehen dem allgemeinen Arbeitszeitrecht vor und sind zwingend zu beachten.
Vergütung von Bereitschaftsdienst
Da Bereitschaftsdienst Arbeitszeit ist, besteht immer ein Vergütungsanspruch.
Gängige Vergütungsmodelle
- Pauschale pro Bereitschaftsdienst
- Bewertungsfaktoren (z. B. 60–90 % des Stundenlohns)
- Volle Stundenvergütung
Die Vergütung darf den gesetzlichen Mindestlohn rechnerisch nicht unterschreiten.
Ruhezeiten und Bereitschaftsdienst
Bereitschaftsdienst unterbricht grundsätzlich die gesetzliche Ruhezeit. Nach Ende eines Bereitschaftsdienstes ist daher regelmäßig eine neue Ruhezeit von mindestens 11 Stunden zu gewähren, sofern keine tarifliche Ausnahme greift.
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- Gesundheitswesen und Pflege
- Rettungsdienste
- Energie- und Wasserversorgung
- Industrie und Instandhaltung
- IT-Betrieb und technischer Support
- Sicherheitsdienste
Mitbestimmung des Betriebsrats
Der Betriebsrat hat ein zwingendes Mitbestimmungsrecht bei:
- Einführung von Bereitschaftsdienst
- Lage und Verteilung der Arbeitszeit
- Überschreitung der regelmäßigen Arbeitszeit
Ohne Zustimmung des Betriebsrats sind entsprechende Anordnungen regelmäßig unwirksam.
Bereitschaftsdienst richtig planen und dokumentieren
- Klare arbeits- oder tarifvertragliche Grundlage
- Vorausschauende Dienst- und Schichtplanung
- Lückenlose Arbeitszeiterfassung
- Nachweisbare Einhaltung von Ruhezeiten
Digitale Systeme wie Shiftbase helfen, Bereitschaftsdienst rechtssicher zu planen, zu erfassen und revisionssicher zu dokumentieren.
Häufige Fehler in der Praxis
- Falsche Einstufung als Rufbereitschaft
- Dauerhafte Überschreitung der 48-Stunden-Grenze
- Fehlende oder ungenaue Zeiterfassung
- Missachtung tariflicher Vorgaben
- Umgehung der Mitbestimmung
Fazit
- Bereitschaftsdienst ist vollwertige Arbeitszeit
- Er ist vergütungs- und mindestlohnpflichtig
- Arbeitszeit- und Mitbestimmungsrecht greifen vollständig
- Rechtskonforme Planung schützt vor Haftungsrisiken
- Schnelle Erstellung von Dienstplänen
- Einsicht in die Arbeitskosten
- Zugriff von überall über die App
Häufig gestellte Fragen
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Ja. Bereitschaftsdienst gilt vollständig als Arbeitszeit und unterliegt der Mindestlohnpflicht.
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Ja, sofern sich der Arbeitnehmer an einem vorgeschriebenen Aufenthaltsort befindet.
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Nur bei entsprechender vertraglicher Grundlage und unter Beteiligung des Betriebsrats.
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116 117 – bundesweit einheitlich, kein Notfall.

