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Höchstarbeitszeit: Gesetz, Grenzen und ArbZG-Reform

  • Verfasst von: Diana Tran
  • Letzte Aktualisierung: 8 April 2026
Höchstarbeitszeit Schichtplanung - HR-Manager prüft wöchentliche Arbeitsstunden im digitalen Dienstplan auf Laptop

Inhaltsverzeichnis

Wer einen Mitarbeitenden regelmäßig 10 Stunden am Tag einplant, handelt unter bestimmten Bedingungen legal. Wer ihn dauerhaft 60 Stunden die Woche einplant, nicht - es sei denn, ein Ausgleich ist dokumentiert. Die Höchstarbeitszeit ist eine der am häufigsten falsch verstandenen Compliance-Pflichten im deutschen Arbeitsrecht. Und mit der geplanten ArbZG-Reform 2026, die das Tageslimit durch ein Wochenlimit ersetzt, ändert sich die Rechenlage fundamental.

    • Tägliche Höchstarbeitszeit in Deutschland: 8 Stunden, verlängerbar auf 10 Stunden wenn der Ausgleich innerhalb von 6 Monaten oder 24 Wochen erfolgt (§ 3 ArbZG).
    • Wöchentliche Höchstarbeitszeit: 48 Stunden im Durchschnitt, kurzfristig bis 60 Stunden mit dokumentiertem Ausgleich.
    • ArbZG-Reform 2026 (geplant): Das Tagesarbeitszeitlimit wird durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt - mehr Flexibilität, aber höhere Dokumentationspflicht.
    • Verstöße können mit Bußgeldern bis zu 30.000 € geahndet werden (§ 22 ArbZG).
    • Ausnahmen gelten für bestimmte Berufsgruppen: leitende Angestellte, Bereitschaftsdienst, Tarifverträge.
    • Ohne lückenlose Zeiterfassung ist Compliance nicht nachweisbar - was seit BAG 2022 doppelt gefährlich ist.

     

    TL;DR - Das Wichtigste in 30 Sekunden

    • Tägliche Höchstarbeitszeit in Deutschland: 8 Stunden, verlängerbar auf 10 Stunden wenn der Ausgleich innerhalb von 6 Monaten oder 24 Wochen erfolgt (§ 3 ArbZG).
    • Wöchentliche Höchstarbeitszeit: 48 Stunden im Durchschnitt, kurzfristig bis 60 Stunden mit dokumentiertem Ausgleich.
    • ArbZG-Reform 2026 (geplant): Das Tagesarbeitszeitlimit wird durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt - mehr Flexibilität, aber höhere Dokumentationspflicht.
    • Verstöße können mit Bußgeldern bis zu 30.000 € geahndet werden (§ 22 ArbZG).
    • Ausnahmen gelten für bestimmte Berufsgruppen: leitende Angestellte, Bereitschaftsdienst, Tarifverträge.
    • Ohne lückenlose Zeiterfassung ist Compliance nicht nachweisbar - was seit BAG 2022 doppelt gefährlich ist.

Was ist die Höchstarbeitszeit?

Die Höchstarbeitszeit bezeichnet die gesetzliche Obergrenze für die täglich und wöchentlich zulässige Arbeitszeit eines Arbeitnehmers. Sie schützt die Gesundheit der Beschäftigten und bildet die rechtliche Grundlage für die Schichtplanung und Zeiterfassung in jedem deutschen Betrieb.

Höchstarbeitszeit vs. Regelarbeitszeit:
Die Regelarbeitszeit ist die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit (z. B. 40 Stunden/Woche). Die Höchstarbeitszeit ist das gesetzliche Maximum, das niemals dauerhaft überschritten werden darf - unabhängig davon, was im Arbeitsvertrag steht. Ein Vertrag, der dauerhaft mehr als 48 Stunden/Woche vorsieht, ist insoweit unwirksam.

Gesetzliche Grundlagen

Rechtsgrundlage Inhalt Bedeutung
§ 3 ArbZG Tägliche Arbeitszeit max. 8 Stunden, verlängerbar auf 10 Stunden Kernregel der Höchstarbeitszeit
§ 3 Satz 2 ArbZG Ausgleich bei Verlängerung innerhalb von 6 Monaten oder 24 Wochen Flexibilisierungsrahmen
§ 6 Abs. 2 ArbZG Nachtarbeitnehmer: max. 8 Stunden täglich (mit Ausgleichsmöglichkeit auf 10 Stunden) Besonderer Schutz Nachtarbeit
§ 7 ArbZG Tarifvertragliche Abweichungen möglich (z. B. bis 12 Stunden täglich) Spielraum für Branchen-TV
§ 14 ArbZG Ausnahmen bei außergewöhnlichen Notfällen Notfall-Regelung
§ 22 ArbZG Bußgelder bis 30.000 € bei Verstößen gegen Arbeitszeitgrenzen Sanktionsrahmen
EU-Arbeitszeitrichtlinie 2003/88/EG Max. 48 Stunden/Woche im Durchschnitt, mind. 11 Stunden Ruhezeit Europäischer Mindeststandard
ArbZG-Reform 2026 (geplant) Wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt Tagesgrenze Systemwechsel - noch ausstehend


Die Regeln im Detail

Tägliche Höchstarbeitszeit

Regel Stunden Bedingung
Regelfall 8 Stunden/Tag Keine weiteren Voraussetzungen
Verlängerung bis 10 Stunden/Tag Ausgleich innerhalb von 6 Monaten oder 24 Wochen auf 8 Stunden/Tag
Per Tarifvertrag bis 12 Stunden/Tag Nur wenn Betrieb tarifgebunden und TV dies ausdrücklich erlaubt (§ 7 ArbZG)

Was zählt als Arbeitszeit?

  • Reguläre Arbeitszeit inkl. Überstunden
  • Bereitschaftsdienst (soweit als Arbeitszeit gewertet - BAG-Rechtsprechung)
  • Reisezeit, wenn sie mit Arbeitsleistung verbunden ist
  • Schulungen und Meetings außerhalb der regulären Zeit

Was zählt nicht?

Arbeitszeitrechner Brutto · Pausen · Netto
Arbeitsbeginn
:Uhr
Arbeitsende
:Uhr
Pausen (Minuten)
1. Pause
2. Pause
3. Pause
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Wöchentliche Höchstarbeitszeit

Die wöchentliche Höchstarbeitszeit ergibt sich aus dem Durchschnittsprinzip des § 3 ArbZG:

  • Durchschnittlich: 48 Stunden/Woche über den Ausgleichszeitraum
  • Kurzfristig maximal: 60 Stunden/Woche (bei 6 Tagen à 10 Stunden) - nur mit dokumentiertem Ausgleich
  • Ausgleichszeitraum: 6 Monate oder 24 Wochen (per Tarifvertrag erweiterbar)

Rechenbeispiel: Ein Servicekraft arbeitet 3 Wochen lang je 55 Stunden (Hochsaison). Der Ausgleich muss so geplant sein, dass der 6-Monats-Durchschnitt auf 48 Stunden/Woche sinkt - also in den folgenden Wochen entsprechend weniger gearbeitet wird. Ohne dokumentierten Ausgleichsplan liegt bereits ein Verstoß vor.

Mindestruhezeit

Zwischen zwei Arbeitstagen müssen mindestens 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit liegen (§ 5 ArbZG). Das ist bei Schichtbetrieben der häufigste Verstoßgrund - besonders beim Wechsel von Spät- auf Frühschicht.

ArbZG-Reform 2026: Das ändert sich

Die geplante Novellierung des Arbeitszeitgesetzes ist die größte Änderung im deutschen Arbeitszeitrecht seit Jahrzehnten und steht direkt mit dem DE-Compliance-Fokus der Shiftbase-Strategie in Verbindung.

Wochenlimit statt Tageslimit

Der Kern der Reform: Statt der täglichen 8/10-Stunden-Grenze soll künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten. Das ermöglicht flexiblere Tagesmodelle:

  • An einem Tag könnte ein Mitarbeitender 12 Stunden arbeiten
  • An einem anderen nur 4 Stunden
  • Solange die Wochengrenze eingehalten wird

Das entspricht der EU-Arbeitszeitrichtlinie, die nur eine Wochengrenze (48 Stunden im Durchschnitt) vorschreibt, nicht eine Tagesgrenze.

Was bleibt?

  • Die Mindestruhezeit von 11 Stunden zwischen Schichten bleibt bestehen
  • Der 11-Stunden-Grundsatz ist EU-Recht und kann nicht per nationaler Reform gestrichen werden
  • Der durchschnittliche Wochenwert von 48 Stunden bleibt als Obergrenze

Was bedeutet das für die Praxis?

--> Mehr Flexibilität bei der Schichtplanung - besonders relevant für Gastronomie, Pflege und Produktion mit schwankender Auslastung.

--> Höhere Dokumentationspflicht - da die Wochengrenze nur über lückenlose Zeiterfassung nachweisbar ist, wird die Arbeitszeiterfassung noch kritischer als bisher.

--> Vertrauensarbeitszeit wird reguliert - auch Mitarbeitende ohne feste Schichtzeiten müssen ihre Arbeitszeit künftig erfassen.

Status: Der Gesetzentwurf ist noch nicht verabschiedet (Stand: April 2026). Arbeitgeber sollten ihre Systeme bereits jetzt auf Wochenerfassung vorbereiten.

Ausnahmen von der Höchstarbeitszeit

Nicht alle Arbeitnehmer unterliegen in vollem Umfang den ArbZG-Grenzen:

Gruppe Regelung Grundlage
Leitende Angestellte (§ 5 Abs. 3 BetrVG) Vollständig vom ArbZG ausgenommen § 18 Abs. 1 Nr. 1 ArbZG
Chefärzte, Geschäftsführer (arbeitnehmerähnliche Position) Teils ausgenommen, teils eingeschränkt Einzelfallprüfung erforderlich
Bereitschaftsdienst Kann als volle Arbeitszeit gewertet werden (BAG) § 2 ArbZG + BAG-Rspr.
Tarifgebundene Betriebe Bis 12 Stunden täglich möglich § 7 ArbZG
Notfälle / außergewöhnliche Situationen Temporäre Überschreitung erlaubt § 14 ArbZG
Jugendliche unter 18 Jahren Strengere Grenzen: max. 8 Stunden täglich, 40 Stunden/Woche § 8 JArbSchG
Schwangere und Stillende Keine Arbeit zwischen 22 und 6 Uhr, max. 8,5 Stunden täglich § 5 MuSchG


Branchenspezifische Besonderheiten

Gastronomie und Hotellerie

Häufigste Verstoßbranche in Deutschland. Kernproblem: Saisonspitzen, Wochenendarbeit und die Kombination aus Sonn-/Feiertagsarbeit mit langen Schichten. Die NGG-Tarifverträge ermöglichen unter bestimmten Bedingungen Verlängerungen per Betriebsvereinbarung.

--> Kritischer Punkt: Beim Wechsel von Abendschicht (bis 24 Uhr) auf Frühschicht (ab 7 Uhr) sind die 11 Stunden Ruhezeit kaum einzuhalten. Hier liegt das größte Bußgeldrisiko.

Pflege und Gesundheitswesen

Bereitschaftsdienste, 24-Stunden-Schichten und Schichtdienste an 7 Tagen/Woche machen die Pflegebranche zu einem Hochrisikobereich für ArbZG-Verstöße. TVöD-P und TV-L enthalten spezifische Regelungen, die von § 7 ArbZG Gebrauch machen.

--> Wichtig: Ab Juli 2026 gilt ein neuer Pflege-Branchenmindestlohn (16,52 € einfach / 17,80 € qualifiziert) - Schichtplanung und Höchstarbeitszeit müssen gleichzeitig angepasst werden.

Produktion und Industrie

Drei-Schicht-Betriebe mit Konti-Schichten sind auf die Ausnahmetatbestände des § 7 ArbZG angewiesen. Hier sind Betriebsvereinbarungen zur Arbeitszeitflexibilisierung Standard. Die ArbZG-Reform 2026 wird für viele Produktionsbetriebe tatsächlich eine Vereinfachung bringen.

Einzelhandel

Verlängerte Öffnungszeiten, Aktionszeiträume und hoher Teilzeitanteil machen die Höchstarbeitszeitkontrolle komplex. Besonderes Risiko: Aushilfen und Minijobber, die in mehreren Filialen eingesetzt werden - summierte Stunden über alle Einsatzorte können die Grenze überschreiten.

Folgen bei Verstößen

Verstoß Bußgeldhöhe Grundlage
Überschreitung tägliche Höchstarbeitszeit Bis 15.000 € § 22 Abs. 1 Nr. 1 ArbZG
Unterschreitung Mindestruhezeit Bis 15.000 € § 22 Abs. 1 Nr. 4 ArbZG
Fehlende oder mangelhafte Arbeitszeitaufzeichnung Bis 2.500 € § 22 Abs. 1 Nr. 9 ArbZG
Wiederholte oder vorsätzliche Verstöße Bis 30.000 € § 22 Abs. 2 ArbZG
Straftatbestand bei Gefährdung der Gesundheit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis 1 Jahr § 23 ArbZG

Zusätzlich: Beweislastumkehr bei Überstundenprozessen, wenn keine Zeiterfassung vorliegt.

Fazit

Die Höchstarbeitszeit ist eine der ältesten und gleichzeitig aktuellsten Compliance-Pflichten im deutschen Arbeitsrecht. Aktuell wegen der ArbZG-Reform 2026, die das gesamte System vom Tageslimit auf ein Wochenlimit umstellt - und damit sowohl mehr Flexibilität als auch höhere Dokumentationsanforderungen bringt.

Für Arbeitgeber in Gastronomie, Pflege, Einzelhandel und Produktion gilt: Wer die Höchstarbeitszeit nicht aktiv überwacht, riskiert Bußgelder bis 30.000 € und verliert im Überstundenprozess die Beweislast. Die Kombination aus digitalem Schichtplan und lückenloser Zeiterfassung ist heute keine Option mehr, sondern eine Compliance-Grundlage.

Shiftbase überwacht Höchstarbeitszeiten und Ruhezeiten automatisch in der Schichtplanung - und warnt, bevor ein Verstoß entsteht, nicht danach.

Häufig gestellte Fragen

  • Im Regelfall 8 Stunden täglich. Mit dokumentiertem Ausgleich innerhalb von 6 Monaten oder 24 Wochen ist eine Verlängerung auf 10 Stunden möglich. Per Tarifvertrag kann unter bestimmten Bedingungen auf bis zu 12 Stunden verlängert werden (§ 7 ArbZG). Eine dauerhafte Überschreitung von 10 Stunden ohne Ausgleich ist in jedem Fall rechtswidrig. 

  • Durchschnittlich 48 Stunden pro Woche über den Ausgleichszeitraum. Kurzfristig sind bis zu 60 Stunden möglich (6 Tage à 10 Stunden), sofern der Durchschnitt im 6-Monats-Zeitraum auf 48 Stunden sinkt. Der Ausgleich muss dokumentiert und planbar sein. 

  • Die geplante Reform ersetzt das Tageslimit durch ein Wochenlimit. Statt "maximal 10 Stunden täglich" gilt künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ohne starre Tagesgrenzen. Das ermöglicht mehr Flexibilität in der Schichtplanung, erhöht aber gleichzeitig die Anforderungen an die Zeiterfassung, da der Nachweis nun auf Wochenbasis geführt werden muss. 

  •  Ja. Das ArbZG gilt unabhängig vom Beschäftigungsumfang für alle Arbeitnehmer - also auch für Minijobber, Aushilfen und Teilzeitkräfte. Die gesetzlichen Grenzen sind dieselben wie bei Vollzeitkräften. 

  •  Durch drei Maßnahmen: erstens eine digitale Schichtplanung mit automatischer Grenzprüfung, die vor der Einplanung warnt, wenn eine Schicht die Tageshöchstarbeitszeit überschreitet oder die Ruhezeit unterschreitet. Zweitens eine lückenlose Zeiterfassung, die tatsächlich geleistete Stunden gegen die Planzeiten abgleicht. Drittens ein Ausgleichsplan, der dokumentiert, wie und wann Mehrarbeit kompensiert wird. Shiftbase übernimmt alle drei Funktionen in einem System - Schichtplan, Zeiterfassung und Arbeitszeitkonto sind direkt miteinander verknüpft. 

Zeiterfassung

Verfasst von:

Diana Tran

Diana Tran ist Senior Content Strategist bei Shiftbase und verantwortet den deutschen Markt in der DACH-Region. Seit über drei Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Workforce Management, Personalplanung und den Herausforderungen moderner HR-Prozesse. Sie spezialisiert sich auf Themen wie Dienstplanung, Zeiterfassung, Abwesenheitsmanagement sowie arbeitsrechtliche Anforderungen im deutschsprachigen Raum. Ihre Inhalte richten sich an Unternehmen, die ihre Personalprozesse strukturieren, optimieren und rechtssicher gestalten möchten. Durch ihren praxisorientierten Ansatz übersetzt sie komplexe HR-Themen in verständliche und umsetzbare Lösungen für den Arbeitsalltag.

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