Gehaltsumwandlung: Altersvorsorge und Steuervorteile

  • Verfasst von: Diana Tran
  • Letzte Aktualisierung: 20 Oktober 2023
Mitarbeiter studiert Dokument zur Gehaltsumwandlung für seinen Dienstwagen.

In der heutigen schnelllebigen Arbeitswelt gewinnt die Gehaltsumwandlung, auch als Entgeltumwandlung bekannt, zunehmend an Bedeutung. Dieser Artikel bietet einen tiefgehenden Einblick in die Vorteile und potenziellen Herausforderungen dieser strategischen Finanzplanungsoption sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. Entdecken Sie, wie die Gehaltsumwandlung die Altersversorgung verbessern und die Loyalität stärken kann, während sie gleichzeitig steuerliche Vorteile bietet.

Was ist eine Gehaltsumwandlung?

Die Gehaltsumwandlung, auch als Entgeltumwandlung bekannt, bezeichnet die Umwandlung eines Teils des Gehalts oder Einkommens in besondere Leistungen oder Zulagen, die steuerlich begünstigt sind. Hierzu zählen beispielsweise die staatlich geförderte betriebliche Altersvorsorge, Plätze in Kindertagesstätten oder Vergünstigungen wie Firmenwagen, Fahrräder und E-Bikes. Andere Begriffe wie "Bruttolohnumwandlung", "Barlohnumwandlung" und "Lohnoptimierung" beziehen sich im Grunde auf dasselbe Konzept der Lohnumwandlung.

Wer hat das Recht auf Gehaltsumwandlung?

Seit dem 1. Januar 2002 steht es allen Arbeitnehmern in Deutschland zu, von ihren Arbeitgebern die Umwandlung von bis zu 4 Prozent ihres Arbeitsentgelts in die betriebliche Altersversorgung zu fordern. Dies gilt unabhängig von der Art des Beschäftigungsverhältnisses, sei es kurz- oder langfristig, Vollzeit, Teilzeit, Minijob oder während einer Ausbildung. Entscheiden sich Arbeitgeber für eine solche Gehaltsumwandlung und profitieren durch geringere Sozialversicherungsbeiträge, sind sie verpflichtet, ab dem Jahr 2022 (und bei Neuverträgen bereits ab 2019) zusätzlich 15 Prozent auf den umgewandelten Betrag zu addieren. In der Regel wird der umgewandelte Gehaltsteil in Anlagen wie Lebensversicherungen oder Pensionsfonds investiert, geregelt durch den sogenannten bAV-Vertrag (betriebliche Altersversorgung).

Gehaltsumwandlung: Welche Möglichkeiten gibt es?

Als Arbeitgeber sind Sie dazu verpflichtet, Ihren Arbeitnehmern die Option der Gehaltsumwandlung anzubieten. Die genaue Ausgestaltung bleibt jedoch Ihnen überlassen. Hier sind einige der Möglichkeiten, wie Sie dies umsetzen können:

  • Direktversicherung: Hierbei schließen Sie als Arbeitgeber eine Lebensversicherung bei einem Versicherungsunternehmen zugunsten Ihres Arbeitnehmers ab.

  • Pensionsfonds: Im Gegensatz zu den USA handelt es sich bei den Pensionsfonds in Deutschland um eigenständige Einrichtungen. Sie dienen der Altersversorgung Ihrer Mitarbeiter. Durch ihre Anlagestrategie können Pensionsfonds zwar höhere Erträge erwirtschaften, gehen dabei aber auch höhere Risiken ein.

  • Pensionskasse: Unternehmen oder Unternehmensgruppen können eine Pensionskasse gründen, um ihren Mitarbeitern eine betriebliche Altersversorgung zu gewährleisten. Diese Form wird vor allem von größeren Unternehmen bevorzugt.

Als Arbeitgeber haben Sie die Freiheit, zu entscheiden, wie die Entgeltumwandlung gestaltet und verwaltet wird. Falls Sie keine spezielle Option vorgeben, haben Ihre Mitarbeiter in der Regel das Recht, sich für eine Direktversicherung zu entscheiden.

Gehaltsumwandlung für die betriebliche Altersvorsorge nutzen

Berater erläutert einen Mitarbeiter die Details zur Gehaltsumwandlung

Arbeitnehmer haben gemäß § 1a BetrAVG das Recht, einen Teil ihres Arbeitsentgelts in die betriebliche Altersversorgung einzubringen. Dieser umgewandelte Betrag bleibt nach § 3 Nr. 63 EStG steuerfrei und unterliegt gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 4 + 9 SGB IV nicht der Sozialversicherungspflicht. Wird die Rente im Alter ausgezahlt, muss allerdings Einkommenssteuer darauf gezahlt werden und auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden abgeführt.

Die Arbeitnehmer können bis zu 4% der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung (gemäß § 1a BetrAVG) von ihrem Arbeitsentgelt für die betriebliche Altersversorgung zurücklegen. Seit 2002 sind Arbeitgeber in Deutschland verpflichtet, ihren Mitarbeitern diese Form der Entgeltumwandlung anzubieten.

Wie funktioniert die betriebliche Altersvorsorge durch Gehaltsumwandlung?

Im Rahmen der Entgeltumwandlung leiten Arbeitnehmer einen Anteil ihres Gehalts direkt in die betriebliche Altersvorsorge um. Dabei kann etwa eine Direktversicherung gewählt werden, welche Kapital- oder Rentenversicherungen einschließt. Alternativ ist auch die Einzahlung in einen Pensionsfonds möglich.

Wird diese Form der Altersvorsorge gewählt, beteiligen sich häufig sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber an den Einzahlungen. Ab 2019 wurde für neue Rentenverträge ein obligatorischer Arbeitgeberzuschuss von 15% eingeführt, welcher ab 2022 auch für bestehende Verträge gilt. In speziellen Fällen kann der Arbeitgeberbeitrag differieren, jedoch ist solch eine Abweichung in der Regel tariflich festgelegt.

Was sind die Vor- und Nachteile von Gehaltsumwandlung

Vorteile der Gehaltsumwandlung

Die Entgeltumwandlung bietet sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern eine Reihe attraktiver Vorteile. Hier sind die bedeutendsten aufgelistet:

  • Geringere Sozialversicherungsbeiträge: Bis zu 292 Euro des umgewandelten Gehalts pro Monat sind von den Sozialversicherungsbeiträgen ausgenommen. Das bringt sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber merkliche Einsparungen.

  • Verlagerung der Steuerlast: Ein Betrag bis zu 584 Euro monatlich des umgewandelten Gehalts wird erst in der Rentenphase besteuert, häufig zu einem dann niedrigeren Steuersatz.

  • Staatliche Unterstützung: Dank der steuerlichen Vergünstigungen der Gehaltsumwandlung können höhere Beträge in die Rentenkasse einfließen, was langfristig eine höhere Rente bedeutet.

  • Reduktion der Lohnnebenkosten: Auch wenn für die Gehaltsumwandlung ein Zuschuss von mindestens 15 Prozent nötig ist, kann die Reduktion der Lohnnebenkosten insgesamt höhere Einsparungen bringen.

  • Kosteneffiziente Rentenverträge: Betriebliche Rentenverträge sind oft kostengünstiger als vergleichbare private Verträge.

  • Flexibilität: Im Falle eines Arbeitgeberwechsels sind Arbeitgeber nicht zwingend an bestehende Rentenverträge gebunden. Dies kann die Mitarbeiterbindung stärken, auch wenn ein potenzielles Risiko der Vertragskündigung besteht.

Die Gehaltsumwandlung bietet zahlreiche finanzielle Vorteile wie geringere Sozialversicherungs- und Steuerabgaben sowie die Möglichkeit, von betrieblichen Rentenverträgen zu profitieren. Zusätzlich kann die Flexibilität, die sie Arbeitnehmern bei einem Jobwechsel bietet, die Mitarbeiterbindung stärken.

Nachteile der Entgeltumwandlung

So attraktiv die Entgeltumwandlung auch erscheinen mag, sie hat neben ihren Vorteilen auch einige Nachteile, die vor einer Entscheidung berücksichtigt werden sollten:

  • Steuerliche Auswirkungen bei der Auszahlung: Trotz potenziell niedrigerer Steuersätze im Ruhestand wird die Betriebsrente dennoch als Einkommen besteuert. Das kann die Höhe der ausgezahlten Rente mindern.

  • Sozialversicherungsbeiträge bei der Auszahlung: Für gesetzlich versicherte Rentner kann es passieren, dass sie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen müssen, falls ihre Betriebsrente den Betrag von 169,75 EUR pro Monat (Stand 2023) übersteigt.

  • Geringere Rentenzahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung: Durch die Entscheidung für die Bruttoentgeltumwandlung reduziert sich das Bruttoeinkommen, was zu geringeren Rentenansprüchen aus der gesetzlichen Rentenversicherung führen kann. Es ist wichtig, abzuschätzen, ob die Betriebsrente diesen Verlust ausgleichen kann.

  • Erhöhte Komplexität: Der Prozess der Entgeltumwandlung kann zusätzlichen Verwaltungs- und Verhandlungsaufwand für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bedeuten, besonders wenn es um Arbeitsplatzwechsel geht.

Es ist essentiell, sowohl die Vor- als auch die Nachteile der Entgeltumwandlung sorgfältig abzuwägen, um eine gut informierte Entscheidung zu treffen.

Ersparnisse durch Entgeltumwandlung für Arbeitnehmer

Betrachten Sie einen 30-jährigen, ledigen und kinderlosen Arbeitnehmer, der der Steuerklasse I zugeordnet ist, 9 Prozent Kirchensteuer zahlt und einen Beitrag von 1 Prozent für seine gesetzliche Krankenversicherung leistet. Bei einem zu versteuernden Einkommen von 49.200 Euro hat er den Wunsch, monatlich 100 Euro in die betriebliche Altersvorsorge zu investieren. Wie beeinflusst dies seine finanzielle Situation?

Durch die monatliche Investition von 100 Euro in die betriebliche Altersvorsorge ergeben sich für ihn folgende Vorteile:

1) Abzugsfähiger Betrag: Durch seine Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge kann er 541,86 Euro von seinem zu versteuernden Einkommen absetzen.

2) Einsparungen bei der Sozialversicherung: Durch die Entgeltumwandlung erspart er sich Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 211,14 Euro.

3) Gesamtersparnis inklusive Arbeitgeberanteil: Unter Einbeziehung des 15-prozentigen Arbeitgeberzuschusses erreicht seine Gesamtersparnis 658,14 Euro.

4) Deckungsgrad: Dieser Wert zeigt, welcher Prozentsatz seines Bruttogehalts effektiv in seine Altersvorsorge fließt. Hier sind es beeindruckende 54,84 Prozent.

Die obigen Zahlen basieren auf den Daten des Bruttolohnumwandlungsrechners der Deutschen Rentenversicherung. Dank dieser Regelung kann der Arbeitnehmer Steuern und Sozialabgaben reduzieren und gleichzeitig eine zusätzliche Altersvorsorge aufbauen.

Wann lohnt sich eine Entgeltumwandlung?

Arbeitnehmer freut sich über die Möglichkeit der Gehaltsumwandlung mit Jobbike.

Die Entgeltumwandlung, bei der ein Teil des Bruttogehalts in eine betriebliche Altersvorsorge eingezahlt wird, ist ein wichtiges Instrument zur Sicherung des Lebensstandards im Ruhestand. Allerdings muss individuell entschieden werden, ob und in welchem Maße sich diese Form der Altersvorsorge lohnt. Hier sind einige Aspekte, die bei der Entscheidung helfen können:

Ausgleich der gesetzlichen Rentenkürzung

Entscheidend ist, dass die später aus der Entgeltumwandlung resultierende Betriebsrente die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente nicht nur ausgleicht, sondern im Idealfall sogar übersteigt. Das bedeutet, die Kombination aus Betriebsrente und reduzierter gesetzlicher Rente sollte höher sein als die alleinige gesetzliche Rente ohne Entgeltumwandlung.

Arbeitgeberzuschuss

Ein erheblicher Vorteil ergibt sich, wenn der Arbeitgeber den Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge zumindest teilweise mitträgt. Seit 2019 sind Arbeitgeber sogar gesetzlich verpflichtet, bei Neuverträgen mindestens 15 Prozent des umgewandelten Entgelts zusätzlich als Zuschuss zu leisten.

Steuerliche Vorteile

Die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge werden vom Bruttoeinkommen abgezogen. Das führt während der Einzahlungsphase zu einer niedrigeren Einkommenssteuer.

Sozialversicherungsersparnis

Da die Entgeltumwandlungsbeiträge nicht als Arbeitsentgelt gelten, fallen darauf keine Sozialversicherungsbeiträge an.

Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt

Es ist erwähnenswert, dass immer mehr Arbeitnehmer die Vorteile der betrieblichen Altersvorsorge erkennen und nutzen. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) aus dem Jahr 2021 hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit aktiver Beteiligung an der betrieblichen Altersvorsorge zwischen 2001 und 2019 um rund ein Drittel zugenommen. Diese positive Entwicklung unterstreicht die Bedeutung und Attraktivität der betrieblichen Altersvorsorge.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Entgeltumwandlung insbesondere dann sinnvoll ist, wenn durch sie eine höhere Gesamtrente im Alter erreicht werden kann als ohne sie. Es ist jedoch wichtig, alle Aspekte – inklusive der Nachteile wie z.B. möglichen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen im Alter – individuell zu betrachten und gegebenenfalls mit einem Experten zu besprechen.

Entgeltumwandlung bei Dienstwagen, E-Bikes und Jobbikes

In vielen Unternehmen haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, statt eines Teils ihres Gehalts Sachbezüge wie Dienstwagen oder Fahrräder zu erhalten. Diese Form der Entgeltumwandlung hat sowohl Vor- als auch Nachteile und bedarf einer genauen Betrachtung.

Dienstwagen

Wenn ein Mitarbeiter einen Dienstwagen auch für private Zwecke nutzen kann, stellt dies einen geldwerten Vorteil dar. Dieser Vorteil muss versteuert werden. Es gibt dabei zwei gängige Methoden: die 1-Prozent-Regelung, bei der monatlich 1 Prozent des Bruttolistenpreises des Autos als geldwerter Vorteil angesehen wird, und das Führen eines Fahrtenbuchs, um die genaue Nutzung nachzuweisen.

Dienstfahrräder und E-Bikes

Seit 2012 können auch Dienstfahrräder und E-Bikes ähnlich wie Dienstwagen versteuert werden. Diese Regelung wurde eingeführt, um umweltfreundliche Mobilität zu fördern. Arbeitnehmer zahlen im Rahmen der Entgeltumwandlung einen Teil ihres Gehalts in das Fahrradleasing ein. Der geldwerte Vorteil umfasst hierbei die monatlichen Leasingkosten, eventuelle Versicherungsgebühren und, ab 2020, zusätzlich ein Viertel des ursprünglichen Fahrradpreises. Verglichen mit Dienstwagen sind die steuerlichen Vorteile bei Diensträdern meist höher.

Ein zusätzlicher Vorteil: Nach Ende der Leasingzeit können Mitarbeiter das Rad oft zu einem günstigen Preis übernehmen. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass dieser Kauf nicht von Beginn an zugesichert wird, um steuerliche Vorteile nicht zu gefährden.

Änderungen in der Gehaltsabrechnung

Entgeltumwandlungen, ob in Form von Sachbezügen oder Beiträgen zur betrieblichen Altersvorsorge, erfordern spezifische Anpassungen in der Gehaltsabrechnung. Diese können komplex sein und müssen genau und gesetzeskonform vorgenommen werden. Softwarelösungen wie Shiftbase können hierbei unterstützen, indem sie eine vereinfachte und korrekte Gehaltsabrechnung ermöglichen, die alle gesetzlichen und individuellen Regelungen berücksichtigt.

Insgesamt bietet die Entgeltumwandlung sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer attraktive Möglichkeiten, Gehaltsbestandteile flexibel und oft vorteilhaft zu gestalten. Es ist jedoch wichtig, sich umfassend zu informieren und alle steuerlichen Aspekte zu berücksichtigen.

 

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Diana Tran

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Diana Tran

Diana ist nicht nur eine leidenschaftliche Expertin im Bereich Personalwesen, sondern auch eine talentierte Content Writerin. Ihr tiefes Verständnis für die Bedürfnisse von Unternehmen und Mitarbeitern befähigt sie dazu, Inhalte zu erstellen, die nicht nur informativ, sondern auch inspirierend sind. Mit ihrer einzigartigen Fähigkeit, hochwertige HR-Inhalte zu produzieren, ist Diana ein wahrer Schatz für alle, die ihr Wissen über das Personalwesen erweitern möchten.

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