Raucherpausen und Arbeitszeit

Raucherpausen sind private Unterbrechungen der Arbeit außerhalb der gesetzlichen Ruhepausen; sie zählen nicht zur Arbeitszeit und werden nur bezahlt, wenn der Betrieb das regelt.

Geschrieben von: Beke SchoustraAktualisiert am:

Zählen Raucherpausen zur Arbeitszeit?

Raucherpausen zählen nicht zur Arbeitszeit. Eine Raucherpause ist eine Unterbrechung der Arbeit, die ein Mitarbeiter für private Zwecke nimmt, und für diese Zeit schuldet ihm der Arbeitgeber keinen Lohn. Wer zwischendurch rauchen geht, muss sich deshalb ausstempeln oder die Zeit nacharbeiten, es sei denn, der Betrieb hat ausdrücklich etwas anderes geregelt.

Im Arbeitszeitgesetz kommt das Wort Raucherpause nicht vor. Das Gesetz kennt nur Arbeitszeit und Ruhepausen. Ob eine Zigarette in der Mittagspause erlaubt ist, entscheidet die Hausordnung, nicht das ArbZG. Ob die fünf Minuten vor der Tür dazwischen bezahlt werden, entscheidest du als Arbeitgeber.

Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Raucherpausen?

Einen gesetzlichen Anspruch auf Raucherpausen gibt es nicht. § 4 ArbZG schreibt Ruhepausen vor, die im Voraus feststehen: 30 Minuten bei mehr als sechs bis neun Stunden Arbeit, 45 Minuten bei mehr als neun Stunden. Sie dürfen in Abschnitte von mindestens 15 Minuten geteilt werden, und länger als sechs Stunden am Stück darf niemand ohne Pause arbeiten. In diesen Ruhepausen darf geraucht werden, sofern es einen Ort dafür gibt.

Drei Zigaretten à fünf Minuten ersetzen deshalb die gesetzliche Pause nicht, auch wenn viele Pausenregeln das übersehen. Eine Unterbrechung unter 15 Minuten zählt nicht als Ruhepause, und eine spontane Pause steht nicht im Voraus fest. Wer acht Stunden arbeitet, braucht also weiterhin seine 30 Minuten, auch wenn er zwischendurch dreimal draußen war.

Ruhepause nach § 4 ArbZG

Raucherpause

Gesetzlich vorgeschrieben

Ja, ab mehr als 6 Stunden Arbeit

Nein

Dauer

30 oder 45 Minuten, Abschnitte ab 15 Minuten

Meist 5 bis 10 Minuten

Lage

Steht im Voraus fest

Spontan

Bezahlt

Nein, außer der Betrieb regelt es

Nein, außer der Betrieb regelt es

Zählt zur Arbeitszeit

Nein

Nein

Darf der Arbeitgeber Raucherpausen verbieten?

Ja. Über zusätzliche Pausen während der Arbeitszeit bestimmt der Arbeitgeber im Rahmen seines Direktionsrechts nach billigem Ermessen (§ 106 GewO). Er darf Raucherpausen außerhalb der Ruhepausen also ganz untersagen, sie nur gegen Ausstempeln erlauben oder auf bestimmte Zeiten legen, etwa nicht in der Stoßzeit am Mittag.

Davon zu trennen ist das Rauchverbot. Nach § 5 ArbStättV musst du Nichtraucher wirksam vor Rauch schützen, und die Vorschrift nennt ausdrücklich Tabak, Cannabis und E-Zigaretten. Soweit nötig, erlässt du dafür ein Rauchverbot für den ganzen Betrieb oder für einzelne Bereiche. In der Praxis heißt das meist: geraucht wird nur draußen oder in einem eigenen Raucherbereich, auch mit der E-Zigarette.

Hast du einen Betriebsrat, regelst du beides nicht allein. Er bestimmt mit bei Fragen der Ordnung des Betriebs und des Verhaltens der Arbeitnehmer (§ 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG), bei Beginn und Ende der Arbeitszeit einschließlich der Pausen (Nr. 2) und bei technischen Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung überwachen können (Nr. 6). Ein Stempelsystem, an dem Raucherpausen erfasst werden, fällt darunter. Meist landet das Ergebnis in einer Betriebsvereinbarung.

Raucherpausen in der Zeiterfassung

Die Zeiterfassung ist der Ort, an dem eine Raucherregel funktioniert oder scheitert. Drei Modelle sind verbreitet, und jedes hat eine eigene Schwäche:

Modell

So läuft es

Worauf du achten musst

Ausstempeln

Wer rauchen geht, stempelt aus und danach wieder ein.

Funktioniert nur, wenn die Stempelstelle auf dem Weg nach draußen liegt.

Nacharbeiten über das Arbeitszeitkonto

Die Zeit geht vom Gleitzeit- oder Arbeitszeitkonto ab und wird später nachgeholt.

Setzt ein Konto voraus, das alle kennen und das jemand pflegt.

Bezahlte Kurzpausen

Der Betrieb gewährt bezahlte Kurzpausen, für Raucher und Nichtraucher gleich.

Klar begrenzen (Anzahl, Minuten), sonst wächst die Zeit unbemerkt.

Im Schichtbetrieb ist Nacharbeiten oft schwierig: Die Kasse schließt um 20 Uhr, die Küche um 22 Uhr, danach gibt es nichts nachzuholen. Dort ist Ausstempeln die ehrlichere Lösung, oder eine feste kurze Pause für alle, die im Dienstplan schon eingeplant ist. Bei Gleitzeit im Büro funktioniert das Konto dagegen gut.

Welche Zeit tatsächlich zusammenkommt, zeigt ein Beispiel. Eine Verkäuferin in einer Bäckereifiliale arbeitet 8 Stunden und geht viermal am Tag für je sieben Minuten vor die Tür. Das sind 28 Minuten pro Tag, an 21 Arbeitstagen im Monat 588 Minuten, also fast zehn Stunden. Bei einer Vollzeitstelle mit rund 170 Stunden im Monat entspricht das knapp 6 % der Arbeitszeit. Mit dem Arbeitszeitrechner kannst du das für deine eigenen Schichtlängen durchrechnen. An der gesetzlichen Pause ändern die 28 Minuten nichts, die Verkäuferin hat trotzdem Anspruch auf 30 Minuten Ruhepause.

Bezahlte Raucherpausen wieder abschaffen

Viele Betriebe haben Raucherpausen jahrelang geduldet, ohne dass jemand ausgestempelt hat. Ein Anspruch auf bezahlte Raucherpausen entsteht daraus nicht automatisch. Das Landesarbeitsgericht Nürnberg hat das 2015 entschieden (LAG Nürnberg, Urteil vom 05.08.2015, 2 Sa 132/15). Im Betrieb waren Raucherpausen über Jahre ohne Ausstempeln und ohne Lohnabzug möglich. Ab dem 1. Januar 2013 regelte eine Betriebsvereinbarung, dass nur noch im Raucherbereich geraucht und dafür ausgestempelt wird. Ein Raucher klagte auf den abgezogenen Lohn und verlor.

Eine betriebliche Übung lehnte das Gericht ab. Bei Pausen von 60 bis 80 Minuten am Tag konnte niemand darauf vertrauen, dass das dauerhaft bezahlt wird. Außerdem hätten die Nichtraucher im Schnitt über 10 % mehr gearbeitet als die Raucher, für denselben Lohn. Wenn du eine geduldete Praxis beendest, kündige die neue Regel trotzdem rechtzeitig an und halte sie schriftlich fest. Dann weiß jeder, ab welchem Tag ausgestempelt wird.

Wann ist eine Raucherpause Arbeitszeitbetrug?

Eine Raucherpause wird zum Arbeitszeitbetrug, wenn der Betrieb das Ausstempeln klar vorschreibt und ein Mitarbeiter die Zeit trotzdem bewusst als Arbeitszeit stehen lässt. Gibt es keine Regel oder duldest du die Pausen stillschweigend, fehlt die Täuschung.

Wie ernst Gerichte das nehmen, zeigt ein Fall aus Thüringen (LAG Thüringen, Urteil vom 03.05.2022, 1 Sa 18/21). In einem Jobcenter mussten laut Dienstvereinbarung alle beim Verlassen und Betreten des Gebäudes stempeln, Raucherpausen ausdrücklich eingeschlossen. Eine Arbeitsvermittlerin mit rund 30 Jahren Betriebszugehörigkeit buchte an drei Tagen keine einzige Pause, obwohl sie das Gebäude bis zu siebenmal am Tag verließ. Das Gericht hielt die ordentliche Kündigung für wirksam, eine Abmahnung vorher war nicht nötig. Die fristlose Kündigung hatte schon das Arbeitsgericht für unwirksam gehalten, weil die Kündigungsfrist zumutbar war.

Eine Regel, die nirgends steht, kannst du deshalb nicht durchsetzen. Erst eine bekannte, schriftliche Vorgabe macht aus heimlichen Raucherpausen eine Pflichtverletzung. Wie du bei einem konkreten Verdacht im Team vorgehst, beschreibt der Beitrag über Arbeitszeitbetrug eines Kollegen.

Raucherpausen und Nichtraucher: was fair ist

Nichtraucher haben keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Ausgleich für die Raucherpausen ihrer Kollegen. Trotzdem machen Raucherpausen gerade an dieser Stelle im Team Ärger. Wer durcharbeitet, während andere viermal am Tag draußen stehen, rechnet schnell nach, und das LAG Nürnberg hat die Rechnung mit über 10 % Mehrarbeit selbst aufgemacht.

Es gibt zwei saubere Wege. Entweder ist die Raucherpause unbezahlt, dann wird für alle gleich ausgestempelt und das Problem verschwindet. Oder du gewährst bezahlte Kurzpausen, dann gelten sie für alle Mitarbeitenden, egal wofür sie die fünf Minuten nutzen: Zigarette, Kaffee oder frische Luft. Was nicht funktioniert, ist die stillschweigende Mischung, bei der Raucher bezahlte Pausen machen und Nichtraucher nichts davon haben.

Unfall in der Raucherpause

Auf dem Weg zur Raucherpause und zurück sind Mitarbeitende in der Regel nicht gesetzlich unfallversichert. Rauchen gilt als private Tätigkeit. Das Sozialgericht Berlin hat den Sturz einer Pflegehelferin auf dem Rückweg von der Raucherpause deshalb nicht als Arbeitsunfall anerkannt (SG Berlin, Urteil vom 23.01.2013, S 68 U 577/12). Anders ist es beim Weg zur Kantine, denn Essen und Trinken dienen dem Erhalt der Arbeitskraft. Weise deine Mitarbeitenden darauf hin, wenn der Raucherbereich etwa über einen Hof oder eine Treppe erreicht wird.

Raucherpausen im Homeoffice

Im Homeoffice gilt dieselbe Regel: Eine Raucherpause ist keine Arbeitszeit. Was sich ändert, ist die Kontrolle. Da niemand sieht, wann jemand auf dem Balkon steht, hängt es an der eigenen Zeiterfassung. Die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung gilt auch zu Hause, und wer dort Pausen als Arbeitszeit einträgt, täuscht genauso wie im Betrieb. Eine Überwachung per Software ist dafür keine Lösung. Klare Regeln und die Selbstaufzeichnung reichen.

Was in eine Regelung zu Raucherpausen gehört

Ob als Betriebsvereinbarung, als Arbeitsanweisung oder als Abschnitt in der Hausordnung: Eine Regel zu Raucherpausen sollte diese Punkte klären.

  • Ob Raucherpausen außerhalb der Ruhepausen erlaubt sind, und wenn ja, wie viele und wie lange.

  • Ob dafür ausgestempelt wird, die Zeit vom Arbeitszeitkonto abgeht oder ob es bezahlte Kurzpausen für alle gibt.

  • Wo geraucht werden darf, mit Tabak, Cannabis und E-Zigarette (§ 5 ArbStättV).

  • Wann keine Raucherpause möglich ist, etwa bei Kundenkontakt, in der Stoßzeit oder wenn die Schicht nur mit einer Person besetzt ist.

  • Ab welchem Tag die Regel gilt und wie sie bekannt gemacht wird.

  • Was bei Verstößen passiert, von der Ermahnung bis zur Abmahnung.

In Shiftbase stempelt jede Person mit der App oder mit eigener PIN am Kiosk, der im Browser auf einem PC oder Tablet läuft. Pausenregeln richtest du einmal ein, auch die Frage, ob eine Pause bezahlt oder unbezahlt ist. Jede gestempelte Zeit steht neben der geplanten Schicht, und Shiftbase markiert, wenn jemand zu spät einstempelt oder eine Pause kürzer ausfällt, bevor du die Woche freigibst. Deine Mitarbeitenden sehen in der App ihre eigenen Stunden, Pausen und ihren Saldo. Wie das mit dem Dienstplan zusammenspielt, zeigt die digitale Zeiterfassung, die du 14 Tage kostenlos testen kannst.

Häufig gestellte Fragen

Raucherpausen sind keine bezahlte Arbeitszeit. Der Arbeitgeber muss sie nur bezahlen, wenn Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag das ausdrücklich vorsehen. Langes Dulden allein begründet keinen Anspruch, wie das LAG Nürnberg 2015 entschieden hat (2 Sa 132/15). Wie die Pause zur Arbeitszeit steht, erklärt der Eintrag zu Ruhepausen.

Wie lange eine Raucherpause dauern darf, regelt kein Gesetz, sondern der Betrieb. Üblich sind fünf bis zehn Minuten. Wichtig ist der Unterschied zur Ruhepause: Eine Raucherpause unter 15 Minuten zählt nicht auf die gesetzliche Pause von 30 oder 45 Minuten nach § 4 ArbZG an.

Einem Mitarbeiter stehen keine Raucherpausen zu, weder eine bestimmte Zahl noch eine bestimmte Dauer. Rauchen darf er in den gesetzlichen Ruhepausen. Zusätzliche Raucherpausen gibt es nur, wenn der Arbeitgeber sie erlaubt oder eine Betriebsvereinbarung sie regelt.

Für eine Raucherpause muss man sich ausstempeln, wenn der Betrieb das vorschreibt, und die meisten Betriebe mit Zeiterfassung tun das. Wer eine klare Ausstempelregel bewusst umgeht, riskiert eine Kündigung wegen Arbeitszeitbetrug, auch ohne vorherige Abmahnung (LAG Thüringen, 1 Sa 18/21).

Der Arbeitgeber kann Raucherpausen außerhalb der gesetzlichen Ruhepausen verbieten oder auf bestimmte Zeiten beschränken (§ 106 GewO). Gibt es einen Betriebsrat, bestimmt er bei Pausenregeln und Rauchverboten mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 1 und 2 BetrVG). Wie weit das Weisungsrecht reicht, steht unter Direktionsrecht.

Nichtraucher haben keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Ausgleich für Raucherpausen. Viele Betriebe lösen die Frage, indem Raucherpausen ausgestempelt werden oder indem es bezahlte Kurzpausen für alle Mitarbeitenden gibt, egal wofür sie genutzt werden.

In der Raucherpause und auf dem Weg dorthin ist man in der Regel nicht gesetzlich unfallversichert, weil Rauchen als private Tätigkeit gilt (SG Berlin, S 68 U 577/12). Der Weg zur Kantine in der Mittagspause ist dagegen versichert.

Die Regeln für Raucherpausen gelten auch im Homeoffice: Die Raucherpause ist keine Arbeitszeit und gehört nicht in die Zeiterfassung. Weil zu Hause niemand kontrolliert, kommt es auf ehrliche Selbstaufzeichnung an. Was dabei gilt, steht unter Arbeitszeiterfassung Pflicht.

Beke Schoustra
Beke SchoustraAccount Executive DACH

Beke schreibt für Shiftbase über Dienstplanung, Zeiterfassung und alles, was die Personalplanung leichter macht. Sie übersetzt den Alltag von Teamleitern in praktische Tipps, die sofort weiterhelfen.

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