Überstunden in Deutschland – wie werden sie bezahlt?

30 November 2022

uberstunden in Deutschland

In vielen Branchen sind sie üblich – kaum jemand mag sie, quasi jeder Arbeitgeber erwartet sie. Die Rede ist von Überstunden. Aber wie ist eigentlich die Definition von Überstunden?

Überstunden, auch unter dem Begriff Mehrarbeit oder Plusstunden bekannt, sind solche Zeiten, die der Arbeitnehmer dann leistet, wenn er die vereinbarte Arbeitszeit überschreitet. Dabei gilt als vereinbarte Arbeitszeit die Zeit, die aus dem Arbeitsvertrag oder auch einem Tarifvertrag hervorgeht.

Es handelt sich dabei meist um eine Jahresarbeitszeit, die dann auf die monatliche Arbeitszeit und wiederum auf die Stunden pro Woche heruntergebrochen werden. Gerade bei den Stunden pro Woche und denen pro Monat handelt es sich aber um Durchschnittswerte, weil einige Monate 30 und andere 31 Tage haben. Der Februar mit üblicherweise 28 Tagen spielt eine Sonderrolle. Solche Überstunden können vom Arbeitnehmer erwartet werden und müssen dann vom Arbeitgeber bezahlt werden, nämlich mit einem Überstundenzuschlag. Der Arbeitnehmer soll also für das Plus an Arbeitszeit zusätzlich belohnt werden – damit wird die entgangene Freizeit entschädigt. In diesem Artikel informieren wir dich darüber, wie du mit Überstunden umgehen solltest und bis zu welchem Rahmen sie mit deinem Gehalt abgegolten sind.

Wie viele Überstunden sind erlaubt?

Generell gilt: Als Arbeitnehmer bist du gar nicht verpflichtet, Mehrarbeit zu leisten. Oft berufen sich Arbeitgeber auf das sogenannte Weisungsrecht, das es ihnen ermöglichen soll, die Überstunden vom Arbeitnehmer zu verlangen.

Das Arbeitsrecht sieht das etwas anders. Demnach wird im Arbeitsvertrag eine Arbeitszeit festgelegt. Eine Änderung des Arbeitsvertrags kann aber natürlich nicht einseitig durch den Arbeitgeber erfolgen. Der Arbeitnehmer müsste dem zustimmen. Der Arbeitgeber kann also nicht einfach so Überstunden anordnen.

Eine andere Lage ergibt sich in einer Notsituation, die allerdings im Arbeitsrecht nicht eintritt, sobald ein plötzlicher Großauftrag oder eine unerwartete Warenlieferung vorliegt. Gemeint sind wirkliche Naturkatastrophen oder ein Brand. Steht dann die Existenz des Betriebs auf dem Spiel, ist die Mehrarbeit auch ohne weitere Ankündigung zu leisten.

Wie viele Überstunden sind nun aber tatsächlich erlaubt? Auch das ist in Deutschland selbstverständlich im Arbeitsrecht festgeschrieben. Das Arbeitszeitgesetz sieht vor, dass Arbeitnehmer im höchsten Fall acht Stunden arbeiten sollen. Pro Tag sind maximal zehn Stunden möglich, das allerdings nur, sofern innerhalb von sechs Monaten oder vierundzwanzig Wochen im Schnitt nicht mehr als acht Stunden pro Tag gearbeitet wurden. Außerdem muss immer sichergestellt werden, dass eine Arbeitsunterbrechung zwischen zwei Schichten von mindestens 11 Stunden eingehalten wird.

Da allerdings der Samstag ebenfalls als Werktag gilt, ist von einer sechs Tage Woche auszugehen, was dann wieder 48 Stunden pro Woche als Arbeitszeit ergeben würde. Der Arbeits- oder Tarifvertrag schreibt allerdings meistens eine fünf Tage Woche vor, so dass bei einem Vollzeitjob von 40 Stunden in der Woche ausgegangen wird. Diesen Schnitt können Arbeitnehmer am besten erreichen, indem sie einen Anspruch auf Freizeit für die geleisteten Überstunden anmelden.

Wie werden Überstunden versteuert?

Regelungen zu Überstunden

Wenn es um die Vergütung von Überstunden geht, kommt natürlich in diesem Zusammenhang auch die Frage nach den Steuern auf Überstunden. Grundsätzlich gilt: Bei einer Anordnung von Überstunden steigt das Gehalt zunächst einmal proportional an. Damit steigen auch die Steuern, die zu zahlen sind, proportional an. Während manche Arbeitnehmer der Meinung sind, wenn sie Überstunden machen, haben sie automatisch mehr Geld auf dem Konto, dann irren sie sich. Sie haben zwar tatsächlich etwas mehr Geld, aber eben nicht steuerfrei.

Wie viele Überstunden darf der Arbeitgeber verlangen?

In der Tat kann der Arbeitgeber erst einmal gar keine Überstunden anordnen. In der Praxis sieht das aber anders aus. Da wird schnell einmal die Kulanz des Arbeitnehmers ausgenutzt, denn niemand möchte ja seinen Job verlieren, weil er sich mit dem Chef angelegt hat und einfach die Mehrarbeit verweigert hat.

Bis zu einem gewissen Grad lassen sich Überstunden auch durchaus realisieren. Immer wieder gibt es aber die Arbeitgeber, die den Bogen überspannen und denken, weil sie im Arbeitsvertrag niedergeschrieben haben, dass Überstunden im Gehalt enthalten sind, können sie einfach so mehr Arbeit von ihren Mitarbeitern einfordern.

Eine unbegrenzte Formulierung ist aber nicht zulässig, das verbietet das Arbeitszeitgesetz. Beinhaltet der Arbeitsvertrag also unbegrenzte Mehrarbeit, die ohne eine Überstundenvergütung ablaufen soll, ist diese Klausel hinfällig.

Eine Möglichkeit ist das Festlegen eines bestimmten Rahmens. Dann wird im Arbeitsvertrag niedergeschrieben, dass beispielsweise bis zu 15 Stunden Mehrarbeit mit dem Gehalt pro Monat abgegolten sind. Alles, was darüber an Arbeitszeit hinausgeht, gilt als zusätzliche Überstunden und muss mit einer separaten Vergütung ausgeglichen werden.

In erster Linie werden Überstunden wie normale Arbeitsstunden bezahlt. Ein Überstundenzuschlag ist nur in bestimmten Fällen fällig.

Ein weiteres Modell besteht im Zwischenschalten eines Betriebsrats. Dann muss der Betriebsrat allen Überstunden zustimmen. Oft wird dem Arbeitgeber dann ein gewisser Rahmen an Überstunden zugesprochen, beispielsweise 15 Stunden im Monat. Alles, was darüber hinausgehen soll, bedarf dann der Zustimmung des Betriebsrats.

Wie werden Überstunden mit dem Gehalt abgegolten?

Die Bezahlung von Überstunden kann grundsätzlich über das normale Gehalt erfolgen. Sie sind aber nicht automatisch im pauschalen Gehalt enthalten. Entsprechende Klauseln in Arbeitsverträgen sind nicht zulässig und vor Gericht definitiv anfechtbar.

Möglich ist lediglich eine gewisse Spanne, wobei in diesem Fall ein Arbeitszeitkonto geführt werden muss. Zusätzlich muss eine Dokumentation der Arbeitszeit erfolgen, die auch vom Mitarbeiter zu führen ist. Alles, was dann an Überstunden darüber hinausgeht, muss der Arbeitgeber bezahlen.

Sehr alte Arbeitsverträge sehen bisweilen vor, dass leitende Angestellte einen gewissen Satz an Überstunden standardmäßig leisten müssen. Aber auch sie fallen nach aktueller Rechtssprechung unter die verpflichtende Bezahlung von Überstunden. Das Recht steht hier klar auf der Seite des Arbeitnehmers, der all seine Arbeitszeit mit einer angemessenen Bezahlung zur Verfügung stellen soll. Der Betrieb kann also seinen Führungskräften nicht standardmäßig mehr unbezahlte Arbeit abverlangen. Der Unterschied soll sich vor allen Dingen auf die Verantwortung auswirken.

Wann verfallen Überstunden?

Wenn du als Arbeitnehmer für deinen Arbeitgeber Überstunden geleistet hast, dann solltest du dafür sorgen, dass diese entweder mit einer entsprechenden Vergütung abgegolten werden oder – was meist steuerlich besser aussieht – durch ein Mehr an Freizeit ausgeglichen werden. Hier sieht das Recht eine 1:1 Umlage vor. Alles, was du demnach mehr gearbeitet hast, sollst du genau im gleichen Umfang auch an Freizeit erhalten.

Befragt man nun Arbeitnehmer, welche Informationen sie über den tatsächlichen Verfall von Überstunden haben, reichen die Antworten häufig von "Nie" bis "am Monatsende". Beides ist durch keinen Tarifvertrag und auch keine Überstundenregelung abgedeckt. Im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag ist in der Regel eine Verfallsfrist von mindestens 3 Monaten angesetzt, die die Angestellten dazu motivieren soll, ihren Anspruch auf Überstundenausgleich möglichst zeitnah geltend zu machen. Kürzere Fristen sind in der Regel nicht durchsetzbar, weil in Phasen vieler Überstunden ein "Abbummeln" oft gar nicht möglich ist.

Sofern der Arbeitsvertrag gar keine Regeln vorsieht, gilt die gesetzliche Verjährungsfrist von 3 Jahren, allerdings erst ab dem Ende des Jahres, in dem die Arbeit auch geleistet wurde.

Falls dein Arbeitgeber die Überstunden nicht bezahlen will, kannst du die Bezahlung natürlich einklagen. Entsprechende Klagen haben aber nur geringe Aussichten auf einen positiven Ausgang für dich, denn du als Arbeitnehmer musst zunächst einen Überblick abgeben, wie viele Überstunden geleistet wurden und du musst nachweisen, dass die Überstunden von deinem Vorgesetzten angeordnet, diesem mindestens aber bekannt waren. Die Überschreitung deiner Arbeitszeiten muss also dokumentiert sein und zwar von dir als Mitarbeiter. Das ist in der Praxis eher schwierig, denn sollte es zu einem Prozess kommen, können sich nur wenige Arbeitgeber wirklich daran erinnern, dass sie tatsächlich Überstunden eingefordert haben. Im Gegenteil, sie sehen sich in einer hundertprozentigen Einhaltung ihrer Pflichten. Da hast du es als Arbeitnehmer eher schwer, eine Verletzung deiner Rechte zu belegen. Die Chancen auf Erfolg in so einem Verfahren sind folglich eher gering.

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