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Menstruationsurlaub in Deutschland: Gesetz, Pro & Contra

  • Verfasst von: Diana Tran
  • Letzte Aktualisierung: 20 Mai 2026
Mitarbeiterin mit Menstruationsschmerzen erholt sich zuhause, Menstruationsurlaub Arbeitgeber

Menstruationsurlaub ist mehr als ein Schlagwort. Das Thema berührt die Frage, wie ernst du als Arbeitgeber die körperlichen Belastungen deiner Mitarbeitenden nimmst. Für viele Frauen sind Regelschmerzen, Erschöpfung oder Übelkeit kein Randthema, sondern monatliche Realität. In Ländern wie Spanien, Japan und Südkorea gibt es dafür bereits gesetzliche Antworten. Und in Deutschland? Da ist die Debatte in vollem Gang, doch die rechtliche Lage ist noch unklar.

Dieser Artikel erklärt dir, was Menstruationsurlaub bedeutet, wie er weltweit gehandhabt wird, was die aktuelle Rechtslage in Deutschland ist und wie du als Arbeitgeber fair und rechtssicher handeln kannst.

    • Gesetzlichen Menstruationsurlaub gibt es in Deutschland aktuell nicht.
    • Betroffene können sich stattdessen krankschreiben lassen, ab dem ersten Tag mit voller Lohnfortzahlung.
    • Spanien ist seit 2023 das einzige EU-Land mit gesetzlichem Menstruationsurlaub.
    • Arbeitgeber können ihn in Deutschland freiwillig einführen, ohne gegen das AGG zu verstoßen.
    • 10 bis 20 Prozent aller Frauen sind von so starken Beschwerden betroffen, dass sie bis zu drei Tage im Monat nicht arbeitsfähig sind (Quelle: Techniker Krankenkasse).

Was ist Menstruationsurlaub?

Menstruationsurlaub bezeichnet die Möglichkeit, sich bei menstruationsbedingten Beschwerden für einige Tage im Monat von der Arbeit freistellen zu lassen, ohne reguläre Urlaubstage zu verbrauchen. Es handelt sich dabei nicht um Urlaub im klassischen Sinne, sondern um eine Freistellungsregelung, die entweder als Sonderurlaub oder als eigene Kategorie von Krankenstandstagen ausgestaltet sein kann.

Betroffene leiden häufig unter starken Unterleibsschmerzen (Dysmenorrhoe), Übelkeit, Erschöpfung, Kreislaufproblemen oder Stimmungsschwankungen. Bei Erkrankungen wie Endometriose können die Beschwerden besonders schwerwiegend sein. Laut der Techniker Krankenkasse können 10 bis 20 Prozent aller Frauen aufgrund von Menstruationsbeschwerden ein bis drei Tage pro Monat nicht oder nur eingeschränkt arbeiten.

Menstruationsurlaub vs. Krankschreibung: Was ist der Unterschied?

In Deutschland besteht für Arbeitnehmerinnen bei Menstruationsbeschwerden bereits das Recht auf Krankschreibung, ab dem ersten Tag mit vollem Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber für bis zu sechs Wochen. Der Vorteil eines separaten Menstruationsurlaubs liegt vor allem in zwei Punkten:

  1. Kündigungsschutz: Häufige krankheitsbedingte Kurzabsenzen können in Deutschland eine krankheitsbedingte Kündigung begründen. Ein gesetzlicher oder freiwillig eingeführter Menstruationsurlaub würde diese Tage aus dem Krankenstand herausnehmen und Betroffene schützen.
  2. Entstigmatisierung: Wer offiziell "Menstruationsurlaub" nehmen kann, muss sich keine Ausrede überlegen. Das stärkt das Vertrauen und baut Tabus ab.

Gesetzliche Regelungen weltweit im Überblick

Menstruationsurlaub ist kein neues Konzept. Weltweit gibt es bereits diverse Modelle:

Japan, Südkorea, Taiwan und Indonesien

  • Japan kennt Menstruationsurlaub seit 1947. Frauen dürfen bei starken Beschwerden einen Tag pro Monat frei nehmen, die Lohnfortzahlung ist jedoch nicht gesetzlich verpflichtend.
  • Südkorea gewährt weiblichen Angestellten per Gesetz (Artikel 71 Arbeitsnormengesetz) einen zusätzlichen bezahlten Tag, zudem eine Bonuszahlung, wenn der Urlaub nicht genommen wird.
  • Taiwan sichert drei zusätzliche Menstruationsurlaub-Tage pro Jahr, zusätzlich zu den regulären Krankheitstagen.
  • Indonesien erlaubt zwei Tage pro Monat, wobei der erste Tag bezahlt wird.

Spanien als europäischer Vorreiter

Spanien führte 2023 als erstes EU-Land einen gesetzlichen Menstruationsurlaub ein. Frauen mit nachgewiesenen starken Regelschmerzen haben Anspruch auf bis zu drei bezahlte Tage pro Monat, bei besonders schweren Fällen (z.B. Endometriose) bis zu fünf Tage. Die Kosten trägt die spanische Sozialversicherung, nicht der Arbeitgeber. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur deutschen Rechtslage.

Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es aktuell keinen gesetzlichen Menstruationsurlaub. In Deutschland gilt:

  • Regelschmerzen gelten rechtlich als Krankheit.
  • Arbeitnehmerinnen haben ab dem ersten Fehltag Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber (für bis zu sechs Wochen).
  • Ein ärztliches Attest ist laut EFZG erst ab dem vierten Krankheitstag verpflichtend, kann aber durch den Arbeitgeber ab dem ersten Tag verlangt werden.
  • Politische Vorstöße gab es vereinzelt: Die Linke (2023) und Grünen-Politikerin Kirsten Kappert-Gonther sprachen sich für flexiblere Regelungen aus, ohne bisher eine Gesetzesinitiative durchzusetzen.

In der Schweiz prüfen einzelne Städte wie Freiburg und Zürich Pilotprojekte. Die IG Metall vereinbarte 2023 mit dem Fahrradhersteller Canyon Bicycles erstmals zwei freie Tage für Menstruationsbeschwerden in einem Tarifvertrag, ein wegweisendes Signal für die freiwillige Umsetzung.

Menstruationsurlaub in Deutschland: Was gilt aktuell?

Was sagt das AGG dazu?

Eine häufige Sorge unter Arbeitgebern: Verstößt Menstruationsurlaub gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), weil er nur einer Gruppe zugutekäme? Juristen und Expertinnen wie Gizem Erdogan (Bird & Bird) erklären: Da es sich um eine biologische Besonderheit handelt, die gesundheitliche Auswirkungen hat, ist eine sachlich begründete Sonderregelung mit dem AGG vereinbar. Es wäre keine unzulässige Diskriminierung, sondern eine zulässige positive Maßnahme zum Schutz der Gesundheit.

Kann ich als Arbeitgeber Menstruationsurlaub freiwillig einführen?

Ja. Du kannst als Arbeitgeber Menstruationsurlaub freiwillig einführen, ohne auf ein Gesetz warten zu müssen. Mögliche Wege:

  • Als eigene Abwesenheitskategorie in der Betriebsvereinbarung
  • Als Teil eines flexiblen Sonderurlaubsmodells
  • Als Bestandteil deiner DEI-Richtlinien

Wichtig ist eine klare schriftliche Regelung, die unter anderem definiert, ob Nachweise erforderlich sind, wie die Lohnfortzahlung geregelt ist und wie die Abwesenheit im Abwesenheitsmanagement erfasst wird.

So führst du Menstruationsurlaub im Unternehmen ein

Wenn du Menstruationsurlaub in deinem Unternehmen einführen möchtest, empfehlen sich diese Schritte:

  1. Bedarfsanalyse durchführen. Sprich anonym mit betroffenen Mitarbeitenden, um den Bedarf und mögliche Bedenken zu verstehen.
  2. Rechtliche Grundlage schaffen. Formuliere eine klare Richtlinie oder Betriebsvereinbarung, idealerweise mit juristischer Begleitung.
  3. Betriebsrat einbeziehen. Wenn vorhanden, hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht bei solchen Regelungen.
  4. Kommunikationsrahmen entwickeln. Lege fest, wie Mitarbeitende die Freistellung beantragen können, diskret und ohne unnötigen Offenbarungsdruck.
  5. Abwesenheiten digital erfassen. Nutze ein Abwesenheitsmanagement-Tool wie Shiftbase, um Menstruationsurlaub als eigene Kategorie anzulegen und den Überblick zu behalten.
  6. Auswertung und Anpassung. Überprüfe nach sechs Monaten, wie das Modell angenommen wird, und passe es bei Bedarf an.


Menstruationsurlaub oder flexible Arbeitszeiten? Pro & Contra

Nicht jede Lösung passt zu jedem Unternehmen. Hier ist ein ehrlicher Vergleich:

✅ Argumente für den Menstruationsurlaub

  • Klare Anerkennung: Ein offizieller Anspruch sendet ein deutliches Signal, dass menstruationsbedingte Beschwerden ernst genommen werden.
  • Kündigungsschutz: Betroffene sind weniger anfällig für krankheitsbedingte Kündigungen durch häufige Kurzabsenzen.
  • Entstigmatisierung: Betroffene müssen keine Ausreden erfinden, das stärkt das Vertrauen in die Unternehmenskultur.
  • Produktivitätsvorteil: Wer sich erholt, erbringt bessere Leistung als jemand, der krank durcharbeitet.

❌ Argumente dagegen

  • Wahrnehmung von Ungleichbehandlung: In gemischtgeschlechtlichen Teams kann die Regelung als ungerecht empfunden werden, wenn andere gesundheitliche Belastungen keine vergleichbare Regelung kennen.
  • Offenlegungsdruck: Um den Anspruch geltend zu machen, müssen Betroffene ihren Zustand offenlegen, was viele als zu intim empfinden.
  • Missbrauchsrisiko: Ohne klare Nachweisregelung ist der Anspruch schwer abzugrenzen.
  • Umsetzungsaufwand: In Schichtsystemen ist die kurzfristige Abwesenheit planungstechnisch herausfordernd.

Flexible Arbeitsmodelle als Alternative

Homeoffice, Gleitzeit und kurzfristige Aufgabenumplanung bieten eine Alternative, die weniger bürokratischen Aufwand bedeutet und keine formale Offenlegung erfordert. Der Nachteil: In körperlich anspruchsvollen Berufen oder bei Schichtarbeit lassen sich diese Modelle nicht immer anwenden.

Die beste Lösung hängt von deiner Unternehmensstruktur, Branche und Unternehmenskultur ab. Entscheidend ist, dass du überhaupt eine Antwort auf das Thema hast.

Auswirkungen auf Arbeitgeberimage und DEI-Strategie

Für viele Arbeitgeber ist Menstruationsurlaub zunächst ein Tabu-Thema. Dabei kann der offene Umgang damit ein erheblicher Wettbewerbsvorteil im Talent-Wettbewerb sein, gerade bei jüngeren Bewerberinnen und Bewerbern, die Unternehmenskultur genauso bewerten wie Gehalt.

Unternehmen, die Menstruationsurlaub einführen oder zumindest offen darüber kommunizieren, senden ein klares Signal: Gesundheit wird hier ganzheitlich gedacht. Das stärkt das Arbeitgeberimage.

Im Rahmen von Diversity-, Equity- und Inclusion-Strategien (DEI) ist die Maßnahme ein konkreter Schritt über Symbolpolitik hinaus. Sie zeigt, dass Gleichstellung nicht nur in Hochglanzbroschüren existiert, sondern im Arbeitsalltag gelebt wird.

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Häufig gestellte Fragen

  •  Nein. In Deutschland existiert aktuell kein Gesetz, das Menstruationsurlaub als eigene Kategorie regelt. Bei starken Regelschmerzen können sich Arbeitnehmerinnen jedoch krankschreiben lassen und haben ab dem ersten Fehltag Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. 

  •  Ja. Arbeitgeber können Menstruationsurlaub als freiwillige betriebliche Regelung einführen, zum Beispiel durch eine Betriebsvereinbarung oder eine HR-Richtlinie. Das ist rechtlich zulässig und verstößt bei sachgerechter Ausgestaltung nicht gegen das AGG. 

  •  Gesetzliche Regelungen gibt es unter anderem in Japan (seit 1947), Südkorea, Indonesien, Taiwan, Sambia und seit 2023 in Spanien als erstem EU-Land. In der Schweiz gibt es erste kommunale Pilotprojekte, z.B. in der Stadt Freiburg. 

  •  Nein. Der wesentliche Unterschied: Eine Krankmeldung wird statistisch als Abwesenheit aufgrund von Krankheit erfasst und kann bei häufiger Wiederholung in Deutschland eine krankheitsbedingte Kündigung begründen. Menstruationsurlaub würde diese Tage als eigene Kategorie ausweisen und so dem Kündigungsschutz dienen. 

  •  Da Menstruationsurlaub auf einer biologischen, gesundheitlichen Besonderheit basiert, ist eine sachlich begründete Sonderregelung nach Experteneinschätzung AGG-konform. Empfohlen wird eine schriftliche Richtlinie, die transparent, diskret und ohne Offenbarungszwang formuliert ist. Einbeziehung des Betriebsrats (falls vorhanden) ist Pflicht. 

  •  Das hängt von der jeweiligen Unternehmensregelung ab. In Deutschland ist ein ärztliches Attest bei regulärer Krankmeldung erst ab dem vierten Tag verpflichtend, kann aber früher verlangt werden. Bei freiwilligem Menstruationsurlaub entscheidet der Arbeitgeber, ob und welcher Nachweis nötig ist. Viele Modelle verzichten bewusst darauf, um den Offenlegungsdruck zu minimieren. 

  •  Am einfachsten über eine digitale Abwesenheitsmanagement-Software wie Shiftbase. Du kannst Menstruationsurlaub als eigene Abwesenheitskategorie anlegen, Anträge digital genehmigen und den Überblick über Personalressourcen behalten, datenschutzkonform und ohne Papierchaos. 

Abwesenheits- und Urlaubsplaner

Verfasst von:

Diana Tran

Diana Tran ist Senior Content Strategist bei Shiftbase und verantwortet den deutschen Markt in der DACH-Region. Seit über drei Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Workforce Management, Personalplanung und den Herausforderungen moderner HR-Prozesse. Sie spezialisiert sich auf Themen wie Dienstplanung, Zeiterfassung, Abwesenheitsmanagement sowie arbeitsrechtliche Anforderungen im deutschsprachigen Raum. Ihre Inhalte richten sich an Unternehmen, die ihre Personalprozesse strukturieren, optimieren und rechtssicher gestalten möchten. Durch ihren praxisorientierten Ansatz übersetzt sie komplexe HR-Themen in verständliche und umsetzbare Lösungen für den Arbeitsalltag.

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