Praktische Ansätze zur Entwicklung einer Fehlerkultur im HR-Bereich

  • Verfasst von: Diana Tran
  • Letzte Aktualisierung: 6 Dezember 2023
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In der dynamischen Welt des Human Resources (HR) kann es leicht passieren, dass Fehler gemacht werden. Das ist völlig normal und in gewissem Maße auch wünschenswert, denn aus Fehlern lernen wir. Eine sogenannte Fehlerkultur, die Fehler als natürlichen Bestandteil des Arbeitsprozesses akzeptiert und gleichzeitig versucht, aus ihnen zu lernen und sie zu minimieren, ist somit essenziell. Bevor wir uns mit der Entwicklung einer solchen Kultur beschäftigen, definieren wir zunächst, was genau unter Fehlerkultur im HR-Bereich zu verstehen ist.

Wie hat sich die Fehlerkultur in Deutschland über die Jahre entwickelt?

Die Fehlerkultur in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten eine signifikante Entwicklung durchgemacht. Traditionell war die deutsche Arbeitskultur von einer sehr strikten Einstellung gegenüber Fehlern geprägt, in der Fehler als Zeichen von Schwäche und Inkompetenz gesehen wurden. Dies war oft verbunden mit einer Kultur der Schuldzuweisung, in der es darum ging, den Verantwortlichen für einen Fehler zu identifizieren und zu bestrafen, anstatt zu verstehen, was zu dem Fehler geführt hat und wie man aus ihm lernen kann. Diese Einstellung kann zum Teil auf das deutsche Bildungssystem zurückgeführt werden, das stark leistungsorientiert ist und in dem Fehler oft mit schlechten Noten und Misserfolg gleichgesetzt werden. Jedoch hat sich diese Einstellung in den letzten Jahren zunehmend gewandelt. Im Zuge der Digitalisierung und der sich schnell verändernden Arbeitswelt wurde immer mehr erkannt, dass Fehler ein natürlicher und unvermeidlicher Teil des Lernprozesses sind. Viele Unternehmen haben begonnen, eine offenere und lernorientierte Fehlerkultur zu fördern, in der Fehler als Gelegenheiten zur Verbesserung und Innovation gesehen werden. Dabei spielen auch Führungskräfte eine wichtige Rolle, die Fehler als Lernchancen ansehen und ihre Mitarbeiter dazu ermutigen, aus ihren Fehlern zu lernen anstatt sie zu verstecken. Es gibt auch immer mehr Initiativen und Schulungen, die darauf abzielen, das Bewusstsein für die Bedeutung einer positiven Fehlerkultur zu erhöhen und Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, mit Fehlern umzugehen und aus ihnen zu lernen. Trotz dieser positiven Entwicklung gibt es aber immer noch viele Herausforderungen, und der Wandel hin zu einer förderlichen Fehlerkultur ist ein fortlaufender Prozess. Dennoch ist es ermutigend zu sehen, dass das Thema immer mehr an Bedeutung gewinnt und dass immer mehr Unternehmen erkennen, dass eine positive Fehlerkultur ein Schlüssel zur Förderung von Lernen, Innovation und Verbesserung in der Arbeitswelt ist.

Fehlerkultur im HR-Bereich

Wenn der Fall eines Fehlers eingetreten ist, kommt es auf einen guten Umgang mit dem Thema im Unternehmen an – eine positive Fehlerkultur ist dabei hilfreich.

Die Fehlerkultur in einer Organisation spiegelt wider, wie das Unternehmen und seine Mitarbeiter mit einem Fehltritt umgehen. Sie ist per Definition in folgenden Aspekten erkennbar:

1. Einstellung zu Fehlern: Diese grundlegende Einstellung bestimmt, wie Fehler innerhalb einer Organisation oder einem Unternehmen wahrgenommen werden. Ist die Einstellung eher fehlervermeidend und strafend, oder wird ein offener Umgang mit Fehlern praktiziert? In einer solchen Fehlerkultur wird anerkannt, dass Fehler passieren und als Teil des Lernprozesses gesehen werden. In vielen Unternehmen herrscht leider oft noch eine Kultur der Angst, in der Fehler als bedrohlich und schädlich gesehen werden. Dies führt dazu, dass Mitarbeiter Risiken vermeiden und eher dazu neigen, Fehler zu verbergen statt sie offen zu kommunizieren. Eine positive Einstellung zu Fehlern sieht dagegen Fehler als etwas Natürliches und Unvermeidliches an. Sie erkennt an, dass jeder Mensch Fehler machen kann und dass diese oft wertvolle Lernmöglichkeiten bieten.

2. Kommunikation über Fehler: Wie offen und ehrlich wird im Unternehmen über Fehler gesprochen? Sind die Mitarbeiter bereit, ihre Fehler zuzugeben und sie als Gelegenheit zur Verbesserung zu nutzen? In einer förderlichen Fehlerkultur ist eine offene und ehrliche Kommunikation über Fehler unerlässlich. Dies bedeutet, dass Mitarbeiter ermutigt werden, ihre Fehler zuzugeben und sie zu diskutieren, anstatt sie zu verstecken. Bei dieser Art von Fehlermanagement geht es nicht darum, Schuldige zu finden, sondern darum, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und zu verstehen, wie solche Fehler in der Zukunft vermieden werden können.

3. Lernprozesse aus Fehlern: Werden Fehler analysiert und als Grundlage für kontinuierliche Verbesserungsprozesse genutzt? In einer lernorientierten Fehlerkultur werden Misserfolge als Chance zur Weiterentwicklung wahrgenommen. Wenn Fehler als Lernchancen betrachtet werden, können sie als Katalysator für Verbesserungen und Innovationen dienen. Diese positive Fehlerkultur erfordert eine systematische Analyse, um ihre Ursachen zu verstehen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehört auch, dass das Gelernte in die Organisationsprozesse integriert und mehr als nur ein paar Tipps allen Mitarbeitern zur Verfügung gestellt wird, damit sie aus dem gemachten Fehler lernen können.

4. Fehlervermeidungsstrategien: Welche Maßnahmen werden getroffen, um Fehler zu vermeiden? In einer proaktiven Fehlerkultur werden präventive Maßnahmen eingeführt, um potenzielle Fehlerquellen zu identifizieren und zu minimieren. Auch wenn eine positive Fehlerkultur Fehler als Lernmöglichkeiten sieht, sollte das Ziel natürlich immer noch sein, Fehler zu minimieren. Dafür ist es wichtig, proaktive Maßnahmen zu ergreifen, um potenzielle Fehlerquellen zu identifizieren und zu eliminieren. Dies kann beispielsweise durch regelmäßige Überprüfungen und Anpassungen von Prozessen, klare und eindeutige Arbeitsanweisungen oder eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit im Team erreicht werden.

Die Entwicklung und Pflege dieser Aspekte einer positiven Fehlerkultur erfordert Zeit, Engagement und die Bereitschaft, alte Denkmuster zu verändern. Aber der Aufwand lohnt sich, denn eine positive Fehlerkultur kann dazu beitragen, das Lernen und die Innovationsfähigkeit in der Organisation zu fördern, die Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung zu erhöhen und letztendlich die Leistung und Effizienz des Unternehmens zu verbessern.

Nun, da wir die verschiedenen Aspekte der Definition einer Fehlerkultur verstanden haben, wollen wir uns ansehen, wie man eine offene und lernorientierte Fehlerkultur im HR-Bereich fördern kann.

Praktische Ansätze zur Entwicklung einer positiven Fehlerkultur

Geh die Dinge auf jeden Fall sachlich an – der Kunde sollte davon nichts mitbekommen.

Die Förderung einer guten Fehlerkultur erfordert einen Wandel im Mindset der Mitarbeiter sowie in der Organisationsstruktur. Hier sind einige praktische Tipps, die helfen können, das Fehlermanagement zu verbessern:

1. Offene Kommunikation: Schaffe einen sicheren Raum, in dem Mitarbeiter ihre Fehler offen zugeben können, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben. Dies könnte durch regelmäßige Meetings, anonyme Feedback-Systeme oder eine Kultur des offenen Dialogs erreicht werden. Eine offene Kommunikation fördert das Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Führungskräften. In einem Umfeld, in dem sich die Menschen sicher fühlen, ihre Gedanken und Bedenken zu äußern, können sie sich freier fühlen, ihre Fehler zuzugeben. Dies kann durch regelmäßige, offene Diskussionen in Teams, zwischen Abteilungen und auf Organisationsebene erreicht werden. Ein Instrument dafür könnte eine anonyme Feedbackbox sein, in der Mitarbeiter ihre Bedenken oder Vorschläge teilen können. Eine solche Entscheidung kann für Menschen ein Anlass sein, ihren Umgang mit falschen Entscheidungen im Unternehmen zu überdenken. Allerdings sollte der Kunde, der auf den Fehler aufmerksam machte, nicht unbedingt Bestandteil der Lösung sein. Stattdessen solltest du unter 4 Augen das Gespräch suchen.

2. Lernen aus Fehlern: Führe eine systematische Fehleranalyse durch und nutze die gewonnenen Erkenntnisse zur Verbesserung der Arbeitsprozesse. Dies könnte durch After-Action-Reviews, Lern-Workshops oder kontinuierliche Verbesserungszyklen erfolgen. Eine systematische Fehleranalyse hilft dabei, die Ursachen von Fehlern zu verstehen und daraus zu lernen. Es geht nicht darum, jemanden für einen Fehler zu bestrafen, sondern darum, Wege zu finden, wie solche Fehler in der Zukunft vermieden werden können. Ein solches Review kann regelmäßig stattfinden, beispielsweise in Form von After-Action-Reviews oder retrospektiven Meetings. Die Erkenntnisse aus diesen Analysen sollten dann in die tägliche Arbeit und die Prozesse der Organisation einfließen.

3. Fehlervermeidungsstrategien: Implementiere proaktive Maßnahmen zur Fehlervermeidung, wie Risikomanagement, Qualitätskontrollen oder strukturierte Arbeitsabläufe. Proaktive Maßnahmen zur Fehlervermeidung können dazu beitragen, potenzielle Fehlerquellen zu identifizieren und zu minimieren. Das kann in Form von regelmäßigen Risikobewertungen, Qualitätskontrollen oder strukturierten Arbeitsprozessen geschehen. Durch die Entwicklung von Standards und Best Practices können Organisationen die Wahrscheinlichkeit von Fehlern verringern und gleichzeitig eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung fördern.

4. Fehlerfreundliche Führung: Fördere eine Führungskultur, die Fehler als Lernchancen statt als Misserfolge sieht. Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter ermutigen, Risiken einzugehen, neue Dinge auszuprobieren und aus ihren Fehlern zu lernen. Führungskräfte spielen eine entscheidende Rolle bei der Förderung einer positiven Fehlerkultur. Dies erfordert, dass sie selbst ein gutes Beispiel geben, indem sie ihre eigenen Fehler zugeben und zeigen, wie sie daraus lernen. Eine fehlerfreundliche Führung bedeutet auch, ein Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter sich trauen, neue Ideen auszuprobieren, ohne Angst vor negativen Konsequenzen bei einem Fehlverhalten zu haben. Eine positive Fehlerkultur im Unternehmen ist mehr als nur ein guter Umgang mit falschen Entscheidungen und deren Folgen. Es ist eine Lernkultur, die es Menschen leicht macht, einen guten Umgang mit sich und anderen zu pflegen.

5. Schulung und Weiterbildung: Biete Schulungen und Weiterbildungen an, um das Bewusstsein für die Bedeutung von Fehlern zu erhöhen und die Fähigkeiten zur Vermeidung von falschen Entscheidungen zu verbessern. Durch Schulungen und Weiterbildungen können Mitarbeiter lernen, wie sie Fehler erkennen und vermeiden können. Zudem können sie lernen, wie sie mit einem Fehler umgehen und aus ihm lernen können. Schulungen können auch dazu beitragen, das Bewusstsein für die Bedeutung einer positiven Fehlerkultur im gesamten Unternehmen zu erhöhen und den Wandel in der Organisation zu unterstützen.

Ein guter Umgang mit Fehlern bringt nicht nur Fortschritt, sondern unterm Strich auch mehr Geld, wenn ein Auftrag gerettet werden kann.

Die Förderung einer positiven Fehlerkultur ist ein Prozess, der Zeit, Engagement und die aktive Beteiligung aller Mitarbeiter erfordert. Aber die Vorteile, die sie mit sich bringt – wie verbessertes Lernen, erhöhte Innovation, gesteigerte Mitarbeiterzufriedenheit und verbesserte Leistung – machen diese Anstrengungen mehr als wert.

Ein guter Umgang mit einem Fehler kann nur dann gedeihen, wenn er von allen Ebenen der Organisation unterstützt wird. Es bedarf der Bereitschaft zur Reflexion und zur konstruktiven Auseinandersetzung mit dem Fehler. Nur so kann das HR-Team wachsen, sich weiterentwickeln und letztendlich zu einer effektiveren und effizienteren Organisation beitragen.

In diesem Sinne: Trau dich, Fehler zu machen und daraus zu lernen. In einer gesunden Fehlerkultur sind es gerade diese »Misstritte«, die uns weiter bringen, neue Horizonte eröffnen und das Fundament für kontinuierliches Lernen und Verbessern legen. Denn, wie das Sprichwort so schön sagt: »Wer nichts macht, macht keine Fehler«. Aber wer möchte schon auf der Stelle treten, statt voranzuschreiten? Es liegt an uns allen, diese Fehlerkultur zu leben, die genannten Tipps umzusetzen und stetig weiter zu entwickeln.

Wichtig ist auch, dass du als Unternehmen gute Beispiele setzt, wie die positive Fehlerkultur in die Tat umgesetzt wird. Zeige die neuen Strategien in der Firma auf. Manchen hilft es, wenn sie im direkten Gespräch eine Anekdote hören, die ihnen zeigt, dass sie nicht alleine mit ihrem Fehler dastehen. Solche Beispiele sollten aufzeigen, dass die Fehlerfolgen nicht so gravierend waren, wie es derjenige vielleicht fürchtet.

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