Lohnpfändung

Bei einer Lohnpfändung behält der Arbeitgeber den pfändbaren Teil des Nettolohns ein und zahlt ihn an einen Gläubiger seines Mitarbeiters, sobald ihm ein Pfändungsbeschluss zugestellt ist.

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Was ist eine Lohnpfändung?

Eine Lohnpfändung ist die Zwangsvollstreckung in das Arbeitseinkommen eines Beschäftigten: Ein Gläubiger lässt den pfändbaren Teil des Nettolohns direkt beim Arbeitgeber einziehen, statt weiter auf Zahlung zu warten. Dafür braucht er einen vollstreckbaren Titel, etwa ein Urteil oder einen Vollstreckungsbescheid, und beantragt beim Vollstreckungsgericht einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss, kurz PfÜB.

Für dich als Arbeitgeber beginnt die Lohnpfändung mit der Zustellung dieses Beschlusses. Ab diesem Moment ist die Pfändung bewirkt (§ 829 Abs. 3 ZPO), und du darfst den pfändbaren Teil nicht mehr an deinen Mitarbeiter auszahlen (§ 829 Abs. 1 ZPO). Der Beschluss gilt für den laufenden Monat und für alle Lohnzahlungen, die danach fällig werden (§ 832 ZPO), bis die Forderung beglichen ist. Eine Lohnabtretung ist etwas anderes: Dort hat der Beschäftigte seinen Lohnanspruch selbst per Vertrag an einen Gläubiger abgetreten, etwa bei einem Kredit, und es gibt keinen Gerichtsbeschluss.

Lohnpfändung beim Arbeitgeber: der Ablauf

  1. Eingang festhalten. Notiere, wann der Beschluss zugestellt wurde. Gehen mehrere Pfändungen ein, entscheidet die Reihenfolge der Zustellung über den Rang (§ 804 Abs. 3 ZPO).

  2. Auskunft geben. Verlangt der Gläubiger es mit dem Beschluss, antwortest du ihm binnen zwei Wochen, ob du die Forderung anerkennst und ob schon andere Pfändungen vorliegen. Diese Antwort ist die Drittschuldnererklärung.

  3. Pfändbaren Betrag berechnen. Vom Bruttolohn ziehst du Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge und die unpfändbaren Bezüge ab (§ 850e Nr. 1 ZPO) und liest den pfändbaren Betrag in der Pfändungstabelle ab.

  4. Einbehalten und überweisen. Den pfändbaren Betrag behältst du vom Nettolohn ein und überweist ihn an den Gläubiger, den Rest zahlst du wie gewohnt an deinen Mitarbeiter.

  5. Jeden Monat neu rechnen. Mehr Schichten, Überstunden oder eine Sonderzahlung ändern den pfändbaren Betrag. Ist die Forderung beglichen, zahlst du wieder den vollen Lohn aus.

Für die Tabelle brauchst du die Zahl der Personen, denen dein Mitarbeiter aufgrund einer gesetzlichen Pflicht Unterhalt gewährt, zum Beispiel Kinder oder ein Ehepartner. Frag ihn danach, sobald der Beschluss da ist, und bitte ihn, Änderungen mitzuteilen.

Freibetrag: wie viel bei einer Lohnpfändung gepfändet werden darf

Der Freibetrag bei einer Lohnpfändung, oft Selbstbehalt genannt, richtet sich nach dem Nettoeinkommen und den Unterhaltspflichten. Seit 1. Juli 2026 gelten die Beträge der Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 80). Sie werden jedes Jahr zum 1. Juli angepasst (§ 850c Abs. 4 ZPO).

Pfändungsfreigrenze

monatlich ab 1. Juli 2026

Grundbetrag ohne Unterhaltspflichten

1.587,40 €

zusätzlich für die erste unterhaltsberechtigte Person

597,42 €

zusätzlich für die zweite bis fünfte Person, je

332,83 €

Nettoeinkommen über diesem Betrag ist voll pfändbar

4.866,30 €

Vom Nettoeinkommen über dem Freibetrag bleiben drei Zehntel beim Beschäftigten, für die erste unterhaltsberechtigte Person zwei Zehntel mehr und für jede weitere bis zur fünften ein Zehntel mehr (§ 850c Abs. 3 ZPO). Ein Koch hat nach allen Abzügen 2.800 € netto. Pfändbar ist im Monat:

Unterhaltspflichten

Freibetrag

pfändbar

keine

1.587,40 €

848,82 €

eine

2.184,82 €

307,59 €

zwei

2.517,65 €

112,94 €

Ohne Unterhaltspflichten sind das (2.800 € − 1.587,40 €) × 0,7. Die Werte entsprechen der amtlichen Tabelle für die Stufe 2.800,00 bis 2.809,99 €, und verbindlich ist immer die Tabelle selbst.

Pfändung wegen Unterhalt

Pfändet ein Unterhaltsberechtigter, etwa wegen Kindesunterhalt, gilt die Tabelle nicht. Dem Beschäftigten bleibt dann nur, was er für seinen notwendigen Unterhalt und seine laufenden Unterhaltspflichten braucht, und auch Überstundenvergütung, Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld dürfen stärker gepfändet werden, wobei mindestens die Hälfte des sonst unpfändbaren Teils bleibt (§ 850d ZPO). Den Betrag, der dem Beschäftigten bleibt, nennt der Beschluss; an ihn hältst du dich.

Was bei einer Lohnpfändung nicht gepfändet wird

Einige Lohnbestandteile bleiben ganz oder teilweise geschützt und werden vor der Berechnung herausgerechnet. Im Schichtbetrieb sind das vor allem die Hälfte der Vergütung für Überstunden, Weihnachtsgeld bis 795 € und Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit, soweit sie üblich sind (BAG, 23. August 2017, 10 AZR 859/16). Schicht- und Samstagszulagen sind pfändbar. Die vollständige Liste nach § 850a ZPO steht beim pfändbaren Arbeitseinkommen.

Mehrere Lohnpfändungen gleichzeitig

Treffen zwei oder mehr Pfändungen ein, bedienst du sie in der Reihenfolge ihrer Zustellung: Die frühere Pfändung geht der späteren vor (§ 804 Abs. 3 ZPO). Der pfändbare Betrag wird nicht aufgeteilt. Er geht vollständig an den ersten Gläubiger, bis dessen Forderung beglichen ist, und erst dann an den nächsten. Kommt eine Pfändung wegen Unterhalt dazu, darf sie auch auf den Teil des Lohns zugreifen, der anderen Gläubigern verschlossen ist; wie beide verrechnet werden, regelt § 850e Nr. 4 ZPO, und auf Antrag entscheidet das Vollstreckungsgericht.

Hat dein Mitarbeiter einen zweiten Job, pfändest du nur deinen Lohn. Zusammengerechnet werden beide Einkommen erst, wenn das Vollstreckungsgericht das anordnet, wie bei der Hauptbeschäftigung mit Minijob.

Ist eine Lohnpfändung ein Kündigungsgrund?

Eine Lohnpfändung allein ist kein Kündigungsgrund. Nach dem Bundesarbeitsgericht rechtfertigen auch mehrere Lohnpfändungen für sich noch keine ordentliche Kündigung. Erst wenn so viele Pfändungen eingehen, dass der Arbeitsaufwand für den Arbeitgeber unzumutbar wird, kann im Einzelfall etwas anderes gelten (BAG, 4. November 1981, 7 AZR 264/79).

In den ersten sechs Monaten, meist also in der Probezeit, sieht es anders aus. Der allgemeine Kündigungsschutz greift erst, wenn das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht (§ 1 Abs. 1 KSchG). Bis dahin braucht eine ordentliche Kündigung keinen Grund im Sinne des Kündigungsschutzgesetzes, auch wenn eine Lohnpfändung der Anlass ist.

Wer die Kosten der Lohnpfändung trägt

Die Bearbeitung kostet Zeit, und die trägt der Arbeitgeber. Eine Bearbeitungsgebühr darfst du deinem Mitarbeiter nicht vom Lohn abziehen: Einen gesetzlichen Erstattungsanspruch gibt es nicht, und eine Betriebsvereinbarung kann auch keinen schaffen (BAG, 18. Juli 2006, 1 AZR 578/05).

Die Lohnpfändung in der Abrechnung vorbereiten

Den pfändbaren Betrag rechnet am Ende das Lohnprogramm oder das Lohnbüro. Richtig wird er nur, wenn Überstunden, Nachtzuschläge und Schichtzulagen getrennt in der Abrechnung ankommen, weil jede davon bei der Pfändung anders zählt. In der Lohnvorbereitung von Shiftbase laufen Zuschläge und Überstunden schon während des Abrechnungszeitraums mit, Überstunden gibt es als eigenen Bericht, und die geprüften Stunden gehen als DATEV-kompatibler Export an die Lohnabrechnung.

Häufig gestellte Fragen

Eine Lohnpfändung ist die Zwangsvollstreckung in das Arbeitseinkommen: Auf Grundlage eines Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses behält der Arbeitgeber den pfändbaren Teil des Nettolohns ein und zahlt ihn an den Gläubiger. Die Pfändung gilt ab Zustellung beim Arbeitgeber (§ 829 Abs. 3 ZPO) und erfasst auch alle späteren Lohnzahlungen (§ 832 ZPO).

Der Freibetrag bei einer Lohnpfändung liegt seit 1. Juli 2026 bei 1.587,40 € netto im Monat. Für die erste unterhaltsberechtigte Person kommen 597,42 € dazu, für die zweite bis fünfte je 332,83 €. Vom Einkommen über dem Freibetrag bleibt außerdem ein Anteil geschützt, der mit jeder Unterhaltspflicht steigt (§ 850c ZPO).

Eine Lohnpfändung ist für sich allein kein Kündigungsgrund, und auch mehrere Pfändungen rechtfertigen nach dem Bundesarbeitsgericht in der Regel keine ordentliche Kündigung (BAG, 7 AZR 264/79). In den ersten sechs Monaten gilt das Kündigungsschutzgesetz allerdings noch nicht (§ 1 Abs. 1 KSchG), sodass eine Kündigung dort keinen Grund nach diesem Gesetz braucht.

Bei einer Lohnpfändung ist die Vergütung für Überstunden nur zur Hälfte pfändbar, die andere Hälfte bleibt unpfändbar (§ 850a Nr. 1 ZPO). Bei einer Pfändung wegen Unterhalt darf stärker darauf zugegriffen werden (§ 850d ZPO).

Bei zwei Lohnpfändungen gleichzeitig geht die Pfändung vor, die dem Arbeitgeber zuerst zugestellt wurde (§ 804 Abs. 3 ZPO). Der pfändbare Betrag fließt an diesen Gläubiger, bis seine Forderung beglichen ist, und erst danach an den zweiten.

Eine Bearbeitungsgebühr für die Lohnpfändung darf der Arbeitgeber nicht vom Lohn abziehen. Nach dem Bundesarbeitsgericht trägt er die Kosten der Bearbeitung selbst, und auch eine Betriebsvereinbarung kann keinen Erstattungsanspruch begründen (BAG, 18. Juli 2006, 1 AZR 578/05).

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