Urlaubsgeld: Pflicht, Höhe und Abrechnung

Urlaubsgeld: Anspruch und Zusatzleistung für Beschäftigte
Geschrieben von: Beke SchoustraLesezeit: 6 minVeröffentlicht am: 7. November 2026

Ein Gesetz, das Urlaubsgeld vorschreibt, gibt es nicht. Zahlen musst du es trotzdem, sobald es im Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung steht oder du es drei Jahre hintereinander ohne Vorbehalt gezahlt hast. Ohne eine dieser Grundlagen entscheidest du selbst, ob, wann und wie viel Urlaubsgeld es gibt.

Gemeint ist die Zahlung zusätzlich zum Lohn. Den Lohn, der während des Urlaubs weiterläuft, schreibt dagegen das Bundesurlaubsgesetz vor; er heißt Urlaubsentgelt und hat mit dieser Frage nichts zu tun. Wie verbreitet Urlaubsgeld ist, hängt stark am Tarif: Nach einer Befragung des WSI-Portals Lohnspiegel.de bekommen 2026 rund 44 % der Beschäftigten in der Privatwirtschaft Urlaubsgeld, mit Tarifvertrag 73 %, ohne Tarifvertrag 35 %.

Wann Urlaubsgeld Pflicht ist

Der Anspruch entsteht aus einer von vier Quellen. Fehlen alle vier, bleibt das Urlaubsgeld freiwillig.

Grundlage

Wann sie gilt

Arbeitsvertrag

Steht dort ein Urlaubsgeld, ist es fest zugesagt. Das gilt auch für einen Verweis auf einen Tarifvertrag.

Tarifvertrag

Wenn dein Betrieb tarifgebunden ist, etwa über den Arbeitgeberverband, oder der Vertrag auf den Tarif verweist.

Betriebsvereinbarung

Wenn du sie mit dem Betriebsrat geschlossen hast.

Betriebliche Übung

Wenn du Urlaubsgeld mindestens dreimal hintereinander ohne Vorbehalt gezahlt hast.

Die dritte vorbehaltlose Zahlung ist der Punkt, an dem viele kleine Betriebe ungewollt einen Anspruch schaffen. Wer jedes Jahr im Juni „ein bisschen was für den Urlaub“ überweist und nichts dazu schreibt, hat nach dem dritten Mal eine betriebliche Übung begründet. Willst du freiwillig bleiben, schreib bei jeder Zahlung dazu, dass sie freiwillig ist und keinen Anspruch für künftige Jahre begründet.

Zahlst du Urlaubsgeld, darfst du einzelne Beschäftigte nicht ohne sachlichen Grund ausnehmen. Teilzeitkräfte und Minijobber bekommen es anteilig nach ihrer Arbeitszeit (§ 4 Abs. 1 TzBfG): Wer die Hälfte der Vollzeit arbeitet, bekommt mindestens die Hälfte des Betrags.

Wie hoch ist das Urlaubsgeld? Tarifwerte 2026

Eine gesetzliche Höhe gibt es nicht. Tarifverträge rechnen auf drei Arten: als Prozentsatz vom Monats- oder Urlaubsentgelt, als fester Betrag pro Urlaubstag oder als Pauschale. Die Unterschiede zwischen den Branchen sind groß, wie die Auswertung des WSI-Tarifarchivs für die mittlere Vergütungsgruppe zeigt (Stand 30. April 2026):

Tarifbereich

Regel

Urlaubsgeld 2026

Einzelhandel Nordrhein-Westfalen

50 % der Endstufe Verkäufer/-in

1.610 €

Einzelhandel Brandenburg

50 % der Endstufe Verkäufer/-in

1.586 €

Gebäudereinigerhandwerk

1,85 Tarifstundenlöhne pro Urlaubstag

1.076,15 €

Großhandel Nordrhein-Westfalen

fester Betrag

643,55 €

Hotel- und Gaststättengewerbe Bayern

200 oder 240 € pauschal

240 €

Hotel- und Gaststättengewerbe Sachsen

5 bis 6,50 € pro Urlaubstag

195 €

Öffentlicher Dienst

kein eigenes Urlaubsgeld, Teil der Jahressonderzahlung im November

entfällt

In der Gastronomie ist tarifliches Urlaubsgeld also eher ein kleiner Zuschuss, und es gilt nur für tarifgebundene Betriebe. Laut WSI liegt die Tarifbindung im Hotel- und Gaststättengewerbe bei nur 34 %. Im Einzelhandel ist das Urlaubsgeld dagegen ein halbes Monatsgehalt, wenn der Tarif gilt. Wer im TVöD sucht, findet kein Urlaubsgeld mehr: Es ist seit der Tarifreform 2005 mit dem Weihnachtsgeld in der Jahressonderzahlung aufgegangen.

Urlaubsgeld pro Urlaubstag: ein Beispiel aus dem Restaurant

Ein Restaurant ohne Tarif will 10 € Urlaubsgeld pro genommenem Urlaubstag zahlen, ausgezahlt mit dem Lohn des Urlaubsmonats. Eine Köchin in Vollzeit mit fünf Arbeitstagen pro Woche und 30 Urlaubstagen bekommt im Jahr 300 €. Eine Servicekraft mit drei Arbeitstagen pro Woche hat 18 Urlaubstage und bekommt 180 €. Die anteilige Kürzung für Teilzeit ergibt sich damit von selbst. Wichtig ist nur, dass die genommenen Urlaubstage am Monatsende sauber feststehen, sonst stimmt der Betrag in der Abrechnung nicht.

Wann wird Urlaubsgeld ausgezahlt?

Einen gesetzlichen Termin gibt es nicht, es gilt, was Vertrag, Tarif oder Betriebsvereinbarung sagen. Üblich sind zwei Varianten: eine Zahlung im Mai oder Juni mit dem laufenden Gehalt, unabhängig davon, wann jemand Urlaub nimmt, oder eine Zahlung pro Urlaubstag mit dem Lohn des Monats, in dem der Urlaub liegt.

Wie Urlaubsgeld versteuert wird

Urlaubsgeld ist steuer- und beitragspflichtiger Arbeitslohn. In der Lohnsteuer zählt es als sonstiger Bezug: Das Lohnprogramm rechnet die Jahreslohnsteuer einmal mit und einmal ohne das Urlaubsgeld, die Differenz wird im Auszahlungsmonat abgezogen (§ 39b Abs. 3 EStG). Weil die Steuer progressiv ist, geht vom Urlaubsgeld prozentual mehr ab als vom Monatsgehalt. In der Sozialversicherung ist es einmalig gezahltes Arbeitsentgelt und gehört in den Monat, in dem es gezahlt wird; beitragspflichtig ist es bis zur anteiligen Beitragsbemessungsgrenze des Jahres (§ 23a SGB IV).

Ein Beispiel: Eine Verkäuferin in Nordrhein-Westfalen verdient 3.220 € im Monat und bekommt nach Tarif 1.610 € Urlaubsgeld. Sie ist in Steuerklasse I, kinderlos, nicht in der Kirche und bei einer Kasse mit 2,9 % Zusatzbeitrag versichert.

Position

Betrag

Urlaubsgeld brutto

1.610,00 €

Lohnsteuer als sonstiger Bezug

− 363,00 €

Krankenversicherung

− 140,88 €

Pflegeversicherung

− 38,64 €

Rentenversicherung

− 149,73 €

Arbeitslosenversicherung

− 20,93 €

Urlaubsgeld netto

896,82 €

Vom Urlaubsgeld bleiben ihr also 56 %, von ihrem Monatsgehalt dagegen 68 %. Den Unterschied macht allein die Lohnsteuer auf den sonstigen Bezug. Weihnachtsgeld wird genauso abgerechnet; der Weihnachtsgeld-Rechner zeigt das Netto einer solchen Einmalzahlung auch für andere Gehälter.

Erholungsbeihilfe statt Urlaubsgeld

Eine kleinere Alternative ist die Erholungsbeihilfe. Du kannst bis zu 156 € im Jahr pro Beschäftigten, 104 € für Ehepartner und 52 € pro Kind pauschal mit 25 % versteuern (§ 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 EStG). Die Pauschalsteuer trägst du, Sozialabgaben fallen nicht an (§ 1 Abs. 1 Nr. 3 SvEV), beim Beschäftigten kommt der volle Betrag an. Voraussetzung ist, dass du sicherstellst, dass das Geld für die Erholung verwendet wird, etwa über eine Bestätigung, dass in zeitlicher Nähe Urlaub genommen wurde.

Urlaubsgeld kürzen, zurückfordern oder streichen

  • Krankheit: Ist es vereinbart, darfst du Urlaubsgeld für jeden Krankheitstag um höchstens ein Viertel des durchschnittlichen Tagesverdiensts kürzen (§ 4a EFZG). Den Urlaub selbst kürzt du nicht, siehe Krankheit und Urlaub.

  • Kündigung: Zurückfordern kannst du Urlaubsgeld nur, wenn eine Rückzahlungsklausel vereinbart ist und es die Betriebstreue belohnt. Welche Fristen bei welcher Höhe zulässig sind, steht unter Gratifikation.

  • Streichen: Ist der Anspruch aus Vertrag oder betrieblicher Übung entstanden, kannst du ihn nicht einseitig streichen. Es bleiben eine Vereinbarung mit den Beschäftigten oder eine Änderungskündigung. Freiwillig gezahltes Urlaubsgeld mit Vorbehalt kannst du dagegen jedes Jahr neu entscheiden.

Urlaubsgeld im Minijob

Minijobber haben denselben Anspruch wie alle anderen, wenn du Urlaubsgeld zahlst, anteilig nach ihrer Arbeitszeit. Ein fest zugesagtes Urlaubsgeld zählt aber zur Verdienstgrenze: 2026 darf der regelmäßige Verdienst im Schnitt 603 € im Monat nicht übersteigen, das sind 7.236 € bei zwölf Monaten, Urlaubsgeld eingerechnet. Wer schon 603 € im Monat verdient, rutscht mit jedem zugesagten Euro Urlaubsgeld aus dem Minijob. Wie du das rechnest und welche Aushilfe noch Spielraum hat, steht im Beitrag zum Urlaubsanspruch im Minijob.

Ist Urlaubsgeld pfändbar?

Urlaubsgeld ist unpfändbar, soweit es den Rahmen des Üblichen nicht übersteigt (§ 850a Nr. 2 ZPO). Liegt für eine Mitarbeiterin eine Lohnpfändung vor, rechnest du das Urlaubsgeld deshalb nicht in den pfändbaren Betrag ein, solange es sich im branchenüblichen Rahmen hält, etwa im Rahmen des Tarifs. Bei Unterhaltspfändungen gelten engere Regeln.

Urlaubsgeld sauber abrechnen

Ob du Urlaubsgeld als Pauschale im Juni oder pro Urlaubstag zahlst, die Abrechnung hängt an zwei Zahlen, die vorher stimmen müssen: den genommenen Urlaubstagen und den gearbeiteten Stunden mit ihren Zuschlägen. In Shiftbase laufen Urlaub, Arbeitszeiten und Zuschläge während des Monats mit, und zum Abschluss exportierst du sie DATEV-kompatibel oder an dein Lohnprogramm. So kannst du die Lohnabrechnung mit geprüften Urlaubstagen und Stunden vorbereiten, die Lohnsteuer auf das Urlaubsgeld rechnet danach dein Lohnprogramm.

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Häufig gestellte Fragen

Urlaubsgeld ist keine gesetzliche Pflicht. Der Arbeitgeber muss es zahlen, wenn Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung es vorsehen oder wenn er es mindestens dreimal hintereinander ohne Vorbehalt gezahlt hat und so eine betriebliche Übung entstanden ist.

Das tarifliche Urlaubsgeld im Einzelhandel beträgt 50 % der Endstufe einer Verkäuferin. Laut WSI-Tarifarchiv sind das 2026 in Nordrhein-Westfalen 1.610 € und in Brandenburg 1.586 €. Ohne Tarifbindung gibt es keine feste Höhe.

Urlaubsgeld in der Gastronomie gibt es in tarifgebundenen Betrieben, allerdings in geringer Höhe: im Hotel- und Gaststättengewerbe Bayern 200 oder 240 €, in Sachsen 5 bis 6,50 € pro Urlaubstag (WSI-Tarifarchiv, 2026). Ohne Tarif entscheidet der Betrieb selbst.

Urlaubsgeld wird ausgezahlt, wann Vertrag, Tarif oder Betriebsvereinbarung es festlegen, ein gesetzlicher Termin besteht nicht. Üblich ist eine Zahlung mit dem Mai- oder Juni-Gehalt oder eine Zahlung pro Urlaubstag mit dem Lohn des Urlaubsmonats.

Urlaubsgeld wird als sonstiger Bezug versteuert: Die Lohnsteuer ergibt sich aus der Differenz der Jahreslohnsteuer mit und ohne Urlaubsgeld (§ 39b Abs. 3 EStG). Dazu kommen Sozialversicherungsbeiträge bis zur anteiligen Beitragsbemessungsgrenze, deshalb geht vom Urlaubsgeld prozentual mehr ab als vom Monatsgehalt.

Teilzeitkräfte und Minijobber bekommen Urlaubsgeld anteilig nach ihrer Arbeitszeit, wenn der Betrieb es Vollzeitkräften zahlt (§ 4 Abs. 1 TzBfG). Im Minijob zählt ein fest zugesagtes Urlaubsgeld zur Verdienstgrenze von 7.236 € im Jahr (2026).

Der Arbeitgeber darf Urlaubsgeld bei Krankheit kürzen, wenn das vereinbart ist, und zwar für jeden Krankheitstag um höchstens ein Viertel des durchschnittlichen Tagesverdiensts (§ 4a EFZG).

Urlaubsgeld ist nicht pfändbar, soweit es den Rahmen des Üblichen nicht übersteigt (§ 850a Nr. 2 ZPO). Bei einer Lohnpfändung bleibt ein übliches Urlaubsgeld deshalb beim Beschäftigten.

Beke Schoustra
Beke SchoustraAccount Executive DACH

Beke schreibt für Shiftbase über Dienstplanung, Zeiterfassung und alles, was die Personalplanung leichter macht. Sie übersetzt den Alltag von Teamleitern in praktische Tipps, die sofort weiterhelfen.

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