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25 Oktober 2022

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Gesetzliche Kündigungsfrist für Arbeitnehmer und Arbeitgeber berechnen

Wenn du dich, aus welchem Grund auch immer, dafür entscheidest, deinen Arbeitsplatz zu verlassen, gibt es eine offizielle Kündigungsfrist. Diese gleiche Frist gilt natürlich auch, wenn du als Arbeitgeber dich dafür entscheidest, dich von einem Angestellten zu trennen. Diese Kündigungsfrist hängt von diversen Faktoren ab und wie du die gesetzliche Kündigungsfrist berechnest, darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Was heißt eigentlich Kündigungsfrist?

Laut offizieller Definition ist die Kündigungsfrist die Zeitspanne, die sich zwischen der Kündigungserklärung und dem sich daraus ergebenden Vertragsende befindet. Die Kündigungserklärung muss in Deutschland schriftlich erfolgen, sonst ist sie nicht gültig. Du kannst also nicht im Zorn ein „Ich kündige!“ ausrufen und das ist dann bereits die Kündigungserklärung.

Die Kündigungsfrist soll beide Vertragsparteien schützen. Denn egal, wer kündigt – beide Parteien sollten die Möglichkeit haben, sich nach einem neuen Vertragspartner umzusehen. Der Arbeitnehmer sollte sich einen neuen Job suchen können und der Arbeitgeber braucht natürlich jemanden, der die Arbeit erledigt oder er sollte eben umstrukturieren. Du siehst also, die Kündigungsfrist ist nicht irgendeine Lappalie, sondern durchaus ein wesentlicher Vertragsgegenstand und sie ist daher auch gesetzlich festgelegt.

Genauso wichtig ist es, zu wissen, dass sich beide Vertragspartner an die Kündigungsfrist halten müssen. Sofern es sich also um eine sogenannte ordentliche Kündigung handelt, muss die Frist eingehalten werden. Die außerordentliche, fristlose Kündigung, die ebenfalls beide aussprechen können, ist davon unbenommen. Eine fristlose Kündigung braucht aber schon sehr triftige Gründe, weil sie sonst gerichtlich angefochten werden kann. Auch das gilt für beide Parteien. Die Schriftform ist dennoch einzuhalten.

Ab wann läuft die Kündigungsfrist?

Eine Kündigung ist grundsätzlich schriftlich einzureichen und die Kündigungsfrist läuft erst, wenn die Kündigung zugegangen ist, wobei der Tag des Zugangs laut BGB nicht mit in die Frist eingerechnet wird. Sonn- und Feiertage werden allerdings in diesem Fall wie ganz normale Arbeitstage gerechnet. Hier ergibt sich also ein klarer Unterschied zum Urlaubsanspruch (Artikel verlinken). Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, kannst du natürlich die Kündigung auch schon früher aussprechen. Du könntest also beispielsweise mit 4 Wochen Frist zum Monatsletzten kündigen, die Kündigung aber schon 6 Wochen vorher abgeben. Daraus darf sich kein Nachteil für dich ergeben, aber du kannst eben sicher sein, dass die Kündigung zum richtigen Zeitpunkt an der entsprechenden Stelle ist.

Wie ist die gesetzliche Kündigungsfrist?

Die anzuwendende Kündigungsfrist ergibt sich aus dem Arbeitsrecht, sofern anwendbar, einem Tarifvertrag oder auch aus einem individuellen Arbeitsvertrag. Nun könnten sich beide Vertragsparteien einfach darauf verlassen, dass der andere die gesetzlichen Fristen schon kennt. In den allermeisten Fällen dient HR (Human Resources) allerdings als Erfüllungsgehilfe des Gesetzgebers und schreibt die jeweils angewandte Kündigungsfrist noch einmal in den Arbeitsvertrag. In manchen Arbeitsverträgen wird auch einfach auf die gesetzlichen Regelungen zur Kündigungsfrist verwiesen und auch das ist gesetzlich zulässig.

Falls die Branche, in der du arbeitest, sich nach einem Tarifvertrag richtet, kommen die dort abgeschlossenen Bedingungen nur zur Geltung, falls sie für dich als Arbeitnehmer günstiger sind. In der Regel werden die Kündigungsfristen in Wochen oder Monaten angegeben. Wird die Kündigungsfrist in Wochen angegeben und die Kündigung wird beispielsweise an einem Donnerstag abgegeben, endet sie auch nach der entsprechenden Wochenzahl, ebenfalls an einem Donnerstag. Wird die Kündigungsfrist allerdings mit Monatsfrist angegeben, endet die Frist dann auch einen Monat später.

Wie sieht nun die Kündigungsfrist für Arbeitnehmer aus?

Die gesetzliche Kündigungsfrist ist für einen Arbeitnehmer, der länger als 6 Monate im Unternehmen angestellt ist, vier Wochen zum 15. oder zum Ende des Kalendermonats. Wenn du unter 6 Monate in einem Unternehmen angestellt bist, ist die Kündigungsfrist auf 2 Wochen zu jedem Tag angesetzt. Dann bist du also innerhalb von 2 Wochen auf jeden Fall aus dem Vertrag raus. Ab 7 Monaten bis zu 2 Jahren Arbeitsverhältnis ist die gesetzliche Frist 4 Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats.

Dabei ist es wichtig, zu beachten, dass die 4 Wochen wirklich 4 Wochen, nicht einen Monat bedeuten. Bei einer vierwöchigen Kündigungsfrist beträgt diese also tatsächlich 28 Tage.

Die HR Abteilung darf die Frist im Arbeitsvertrag verlängern, aber auf keinen Fall verkürzen. Auch diese Maßnahme gilt dem Schutz beider Parteien. Denn wenn die Kündigungsfrist kürzer wäre, hätte niemand mehr Zeit, sich um seine Zukunft zu kümmern – weder das Unternehmen, noch der Mitarbeiter.

Wo es eine Regel gibt, gibt es natürlich auch Ausnahmen: Kleine Unternehmen, die weniger als 20 Mitarbeiter haben, müssen keine Kündigungstermine zum 15. oder zum Ende des Monats einhalten. An die vierwöchige Kündigungsfrist sind dennoch beide Vertragsparteien gebunden.

Wie ist die Kündigungsfrist in der Probezeit?

Die Probezeit dient der gegenseitigen Erprobung. Es geht für den Arbeitgeber also darum, herauszufinden, ob der Mitarbeiter zum Unternehmen passt und ob er die vereinbarte Leistung erbringt. Für den Mitarbeiter stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob er in der Lage ist, die Arbeit zu erledigen und ob er sich bei dieser Arbeit wohlfühlt. Innerhalb dieser Probezeit gilt lediglich eine Kündigungsfrist von 2 Wochen, ohne ein bestimmtes Fristende einhalten zu müssen. Nach spätestens 2 Wochen ist man also aus dem Vertrag raus. Dabei wird nämlich davon ausgegangen, dass es noch nicht so schwierig sein sollte, etwas Neues zu finden. Weder ist der Arbeitnehmer schon sehr stark in das Team integriert, dass es unmöglich wäre, ihn zu ersetzen. Andererseits sollte auch der Arbeitnehmer noch in der Lage sein, einen neuen Job zu finden.

Wie ist die Kündigungsfrist nach mehr als 2 Jahren Betriebszugehörigkeit?

Wenn du schon mehr als 2 Jahre im Unternehmen bist, richtet sich die Kündigungsfrist für beide Seiten nach der Betriebszugehörigkeit. Eventuelle Auszeiten wie Elternzeit oder Ähnliches zählen voll in diese Zeiten hinein. Auch, wenn jemand also beispielsweise 3 Jahre Elternzeit hatte, sind diese 3 Jahre ebenfalls in der Betriebszugehörigkeit enthalten. Will diese Person also zum Ende der Elternzeit oder kurz danach kündigen, muss sie sich an die entsprechend verlängerte Kündigungsfrist halten.

Betriebszugehörigkeit

Kündigungsfrist

2 Jahre

1 Monat zum Ende des Kalendermonats

5 Jahre

2 Monate zum Ende des Kalendermonats

8 Jahre

3 Monate zum Ende des Kalendermonats

10 Jahre

4 Monate zum Ende des Kalendermonats

12 Jahre

5 Monate zum Ende des Kalendermonats

15 Jahre

6 Monate zum Ende des Kalendermonats

20 Jahre

7 Monate zum Ende des Kalendermonats

 

Falls du nach einer wie auch immer zu Stande gekommene Pause, vor der du allerdings nicht angestellt warst, wieder im Unternehmen anfängst, läuft die Frist der Betriebszugehörigkeit von vorne.