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Gleitzeit: Definition, Modelle & Tipps für Arbeitgeber

  • Verfasst von: Diana Tran
  • Letzte Aktualisierung: 11 Mai 2026
Mitarbeiter schaut entspannt auf seine Uhr und gestaltet seinen Arbeitstag flexibel dank Gleitzeitregelung

Inhaltsverzeichnis

Gleitzeit ermöglicht flexible Arbeitszeiten, die deine Mitarbeitenden selbst festlegen können. Sie behalten die Kontrolle über ihren Zeitplan und gestalten ihren Arbeitstag nach ihren Vorlieben. Dieser Artikel erklärt die verschiedenen Modelle, rechtlichen Grundlagen und Vorteile dieser Arbeitsform.

Was ist Gleitzeit? – Definition

Gleitzeit ist ein flexibles Arbeitszeitmodell, bei dem deine Mitarbeitenden innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens selbst entscheiden können, wann sie mit der Arbeit beginnen und wann sie Feierabend machen, unter Einhaltung einer vertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit (z. B. 40-Stunden-Vertrag).

Das Ziel: Mehr Flexibilität, höhere Motivation und eine bessere Work-Life-Balance im Arbeitsalltag, ohne Produktivitätseinbußen.

Gleitzeit zählt zu den beliebtesten Formen flexibler Arbeitszeitmodelle in der modernen Arbeitswelt. Besonders in Unternehmen, die mit Vertrauensarbeitszeit, Funktionszeiten oder Kernarbeitszeiten arbeiten, ist sie weit verbreitet.

Welche Gleitzeit-Modelle gibt es?

Es gibt Varianten mit und ohne Kernarbeitszeit. Die folgende Tabelle zeigt die gängigsten Modelle im Vergleich:

Modell Kernarbeitszeit Zeitkonto erforderlich Geeignet für Flexibilitätsgrad
Gleitzeit mit Kernzeit Ja (z. B. 9:30–15:00 Uhr) Empfohlen Büro, hybride Teams ★★★☆☆
Gleitzeit ohne Kernzeit Nein (freier Rahmen 7–18 Uhr) Empfohlen Forschung, IT, kreative Berufe ★★★★☆
Qualifizierte Gleitzeit Nein Ja (Monats-/Jahressaldo) Projektarbeit, ergebnisorientierte Teams ★★★★★
Gleitzeit mit Funktionszeit Bereichsabhängig Ja Callcenter, Serviceabteilungen ★★★☆☆
Gleitzeit mit Jahresarbeitszeit Nein Ja (Jahressaldo) Saisonbetriebe, Projektphasen ★★★★☆


Praxisbeispiel Gleitzeit mit Kernzeit:

  • Einstieg: Deine Mitarbeitenden können jederzeit zwischen 7:00 und 9:30 Uhr beginnen.
  • Kernarbeitszeit: Von 9:30 bis 15:00 Uhr ist Anwesenheit verpflichtend.
  • Ausstieg: Zwischen 15:00 und 18:00 Uhr verlassen Arbeitnehmende den Arbeitsplatz.

Bei der qualifizierten Gleitzeit leisten Mitarbeitende eine definierte Gesamtstundenzahl innerhalb eines längeren Zeitraums z. B. Monat oder Jahr. Mehrarbeit wird auf dem Arbeitszeitkonto angespart, etwa für ein Sabbatjahr oder einen Vorruhestand. Die Gleitzeit mit Funktionszeit eignet sich besonders dort, wo Mitarbeitende mehrere Aufgaben übernehmen können – Teamstruktur und Übergabefähigkeit sind dabei entscheidend.

Was gehört in eine Gleitzeitvereinbarung?

Eine Gleitzeitvereinbarung ist ein zentrales Dokument, wenn du in deinem Unternehmen flexible Arbeitszeiten einführen möchtest. Sie regelt verbindlich die Rahmenbedingungen der Gleitzeitarbeit und schützt sowohl dich als Arbeitgeber als auch deine Mitarbeitenden vor Missverständnissen und rechtlichen Problemen.

# Inhalt Was du festlegen solltest Pflicht?
1 Gleitzeitmodell Art des Modells (Kernzeit, Funktionszeit, qualifiziert); Geltungsbereich (abteilungsweit oder individuell) Ja
2 Rahmenarbeitszeit Frühester Beginn und spätestes Ende (z. B. 06:00–20:00 Uhr) Ja
3 Kernarbeitszeit Verpflichtende Anwesenheitszeiten (z. B. 10:00–15:00 Uhr) Optional
4 Sollarbeitszeit Wöchentliche Stundenzahl (z. B. 40 h), Verteilung auf Wochentage Ja
5 Arbeitszeitkonto Plus-/Minusstunden-Obergrenzen (z. B. ±20 h); Abbauregeln via Gleitzeittage Ja
6 Zeiterfassung Pflicht zur lückenlosen Arbeitszeiterfassung; Tool (z. B. Shiftbase) Ja
7 Pausenregelungen Gesetzliche Mindestpausen (30 min bei >6 h); automatisch oder manuell Ja
8 Genehmigungen Wer genehmigt Gleitzeittage? Gibt es Sperrzeiten (z. B. Monatsabschluss)? Empfohlen
9 Sonderregelungen Schichtarbeit, Teilzeit, Krankheit, Urlaub im Gleitzeitrahmen Empfohlen
10 Kündigung/Änderung Fristen zur Anpassung oder Aufhebung des Modells Ja


Mit Shiftbase erstellst und verwaltest du Gleitzeitregelungen einfach digital, inklusive Arbeitszeitkonto, Zeiterfassung und rechtskonformer Dokumentation. So behältst du jederzeit den Überblick und sorgst für Transparenz bei deinen Mitarbeitenden.

Gleitzeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Gleitzeit ist in allen drei DACH-Ländern verbreitet, aber die rechtlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich. Die folgende Tabelle gibt dir einen schnellen Überblick:

Aspekt 🇩🇪 Deutschland 🇦🇹 Österreich 🇨🇭 Schweiz
Rechtliche Grundlage Arbeitszeitgesetz (ArbZG), § 87 BetrVG Arbeitszeitgesetz (AZG), § 4b AZG Obligationenrecht (OR), ArG
Tägliche Höchstarbeitszeit 10 Stunden (Ausnahmen möglich) 12 Stunden (inkl. Gleitzeit) 12,5 Stunden (inkl. Überzeit)
Mindestruhezeit 11 Stunden 11 Stunden 11 Stunden
Mitbestimmung Betriebsrat (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG) Betriebsrat (ArbVG § 97 Abs. 1 Z 2) Kein gesetzl. Mitbestimmungsrecht; Vereinbarung mit AN
Zeiterfassungspflicht Ja (§ 16 ArbZG, EuGH-Urteil 2019) Ja (§ 26 AZG) Ja (Art. 46 ArG)
Gleitzeitübertragung Übertrag auf Folgemonat/-quartal möglich; vertraglich regeln Max. 10 h Übertrag ins nächste Quartal (§ 4b Abs. 3 AZG) Vertraglich frei regelbar
Kernarbeitszeit gesetzlich vorgeschrieben? Nein – betrieblich vereinbart Nein – betrieblich vereinbart Nein – betrieblich vereinbart


Was bedeutet Gleitzeit im deutschen Arbeitsrecht?

Im deutschen Arbeitsrecht ist Gleitzeit ein anerkanntes Modell, das deinen Mitarbeitenden erlaubt, Arbeitsbeginn und -ende innerhalb eines festgelegten Rahmens flexibel zu gestalten, bei Einhaltung der vertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit.

Laut Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gelten auch bei Gleitzeit:

  • tägliche Höchstarbeitszeiten (max. 10 Stunden),
  • Pflichtpausen (30 Minuten bei mehr als 6 Stunden Arbeit),
  • sowie eine Ruhezeit von mindestens 11 Stunden zwischen zwei Arbeitstagen.

📌 Wichtig: Gleitzeit muss vereinbart und dokumentiert werden, idealerweise über eine schriftliche Gleitzeitvereinbarung oder eine Betriebsvereinbarung.

Wann ist Gleitzeit für Unternehmen sinnvoll?

Geeignet ✅ Nicht geeignet ❌
Büro- und Verwaltungsberufe Schichtbetriebe (Produktion, Pflege, Gastronomie)
IT- und Projektarbeit Berufe mit zwingenden Zeitvorgaben (z. B. Medikamentengabe in Kliniken)
Marketing, Design, kreative Berufe Maschinenlaufzeiten in der Fertigung
Forschung & Entwicklung Empfang / Pforte mit fixen Öffnungszeiten
Hybride und remote Teams Außendienst mit kundenseitig festen Terminen


Wie funktionieren Überstunden und Gleitzeittage?

Im Rahmen der Gleitzeit arbeiten deine Mitarbeitenden mal mehr, mal weniger: je nach Auftragslage oder persönlicher Verfügbarkeit. Diese Abweichungen werden im Arbeitszeitkonto erfasst:

  • Plusstunden können gesammelt und später durch Gleitzeittage ausgeglichen werden.
  • Auch ganze freie Tage sind möglich z. B. ein freier Freitag nach einer intensiven Woche.

Welche Vor- und Nachteile bringt Gleitzeit für Arbeitgeber?

  Vorteil Details
Produktivitätssteigerung Mitarbeitende arbeiten in ihren persönlichen Leistungshochs – Effizienz und Ergebnisqualität steigen.
Weniger Fehlzeiten Arzttermine und private Angelegenheiten lassen sich stressfrei außerhalb der Kernzeit organisieren.
Arbeitgeberattraktivität Flexible Arbeitszeiten sind für Fachkräfte und junge Talente ein starkes Argument für deine Employer Brand.
Einfachere Einsatzplanung Mit Shiftbase verwaltest du Arbeitszeitkonten, Anwesenheit und gesetzliche Vorgaben in einem Tool.
  Nachteil Was du dagegen tun kannst
Koordinationsaufwand Digitale Zeiterfassung (z. B. Shiftbase) schafft Transparenz über Salden und Anwesenheiten.
Teamkommunikation leidet Klare Kernzeiten oder digitale Statusanzeigen (z. B. Slack-Status) schaffen verlässliche Erreichbarkeit.
Kontrollverlust Ein gepflegtes Arbeitszeitkonto macht Abweichungen sofort sichtbar – ohne Micromanagement.


Fazit: Gleitzeit als strategisches Arbeitszeitmodell für Arbeitgeber

Gleitzeit ist weit mehr als ein „netter Bonus" – sie ist ein strategisches Instrument moderner Arbeitszeitgestaltung, das dir hilft, Produktivität, Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität gezielt zu steigern.

Für Betriebe, in denen Ergebnisse wichtiger sind als starre Uhrzeiten, schafft Gleitzeit die nötige Flexibilität im Arbeitsalltag, ohne dabei die Kontrolle über Arbeitszeiten und Effizienz zu verlieren.

Erfolgsfaktor ist eine klare, rechtskonforme Gleitzeitregelung – ob per Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung – und ein digitales System zur Arbeitszeiterfassung und -auswertung.

Mit Shiftbase als Zeiterfassungslösung setzt du Gleitzeitmodelle sicher und effizient um, inklusive:


Häufig gestellte Fragen

  • Bei Gleitzeit wird die Arbeitszeit erfasst: deine Mitarbeitenden sind an einen Zeitrahmen gebunden, haben aber Flexibilität innerhalb dieses Rahmens. Bei Vertrauensarbeitszeit entfällt die Zeiterfassung vollständig; der Fokus liegt auf Ergebnissen, nicht auf Anwesenheit. Für die meisten Unternehmen ist Gleitzeit die rechtssicherere Variante, da du die Dokumentationspflicht nach ArbZG erfüllst. 

  • Ja. Laut Arbeitszeitgesetz (ArbZG) muss die Arbeitszeitgestaltung dokumentiert werden. Eine schriftliche Gleitzeitvereinbarung – entweder per Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung – ist sowohl aus rechtlichen als auch aus organisatorischen Gründen dringend empfohlen. 

  • Mit individuellen Rahmenzeiten und digitaler Schichtplanung ist Gleitzeit auch in teilflexiblen Schichtmodellen möglich. Entscheidend ist, dass die Schichteinteilung mit den definierten Gleitzeitfenstern und etwaigen Kernzeiten kompatibel ist. 

  • Ja, grundsätzlich schon. Allerdings sind Führungskräfte häufig von der Arbeitszeiterfassungspflicht ausgenommen (leitende Angestellte nach § 5 Abs. 3 BetrVG). Prüfe im Einzelfall, ob und in welcher Form eine Gleitzeitregelung für Führungspositionen in deinem Unternehmen sinnvoll ist. 

  • Auch Teilzeitangestellte können Gleitzeit nutzen mit angepassten Zeitrahmen und vertraglich definierten Sollstunden. Wichtig ist, dass die Kernarbeitszeit (falls vorhanden) nicht die gesamte Arbeitszeit der Teilzeitkraft überschreitet. 

  • Ein digitales Arbeitszeitkonto – z. B. über Shiftbase – dokumentiert alle Zeiten gemäß § 16 ArbZG und schützt dich vor rechtlichen Risiken. Alle Ein- und Ausstempelzeiten, Pausenzeiten und Abweichungen vom Soll werden automatisch erfasst und ausgewertet. 

  • Überstunden werden im Arbeitszeitkonto als Plusstunden erfasst und können zu einem späteren Zeitpunkt durch Gleitzeittage oder freie Tage ausgeglichen werden. Du solltest in der Gleitzeitvereinbarung festlegen, bis wann und in welchem Umfang Plusstunden abgebaut werden müssen. 

Zeiterfassung Arbeitsrecht

Verfasst von:

Diana Tran

Diana Tran ist Senior Content Strategist bei Shiftbase und verantwortet den deutschen Markt in der DACH-Region. Seit über drei Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Workforce Management, Personalplanung und den Herausforderungen moderner HR-Prozesse. Sie spezialisiert sich auf Themen wie Dienstplanung, Zeiterfassung, Abwesenheitsmanagement sowie arbeitsrechtliche Anforderungen im deutschsprachigen Raum. Ihre Inhalte richten sich an Unternehmen, die ihre Personalprozesse strukturieren, optimieren und rechtssicher gestalten möchten. Durch ihren praxisorientierten Ansatz übersetzt sie komplexe HR-Themen in verständliche und umsetzbare Lösungen für den Arbeitsalltag.

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