Schichtarbeit
Schichtarbeit erklärt: Schichtmodelle, Regeln nach dem Arbeitszeitgesetz, Arbeitsvertrag, Befreiung und welche Zuschläge steuerfrei sind.
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Schichtarbeit heißt, dass sich mehrere Beschäftigte denselben Arbeitsplatz nach einem festen Plan zeitlich versetzt teilen. Wenn die Frühschicht geht, übernimmt die Spätschicht, und der Betrieb läuft länger, als ein einzelner Arbeitstag dauert. Das ist üblich in der Produktion, im Gesundheitswesen, in Transport und Logistik, in der Gastronomie und im Einzelhandel, überall dort, wo der Betrieb nicht um 17 Uhr endet.
Ein eigenes Schichtarbeitsgesetz gibt es nicht. Die Regeln stehen vor allem im Arbeitszeitgesetz, für Nacht- und Schichtarbeit in § 6 ArbZG, dazu im Mutterschutz- und im Jugendarbeitsschutzgesetz, in Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen. Das Arbeitszeitgesetz gilt für Schichtarbeit genauso wie für alle anderen Arbeitszeitmodelle, etwa Gleitzeit oder Teilzeit.
Was ist Schichtarbeit?
Das Arbeitszeitgesetz definiert Schichtarbeit nicht. Es definiert aber die Begriffe, an denen die meisten Schutzregeln hängen (§ 2 Abs. 3 bis 5 ArbZG):
Nachtzeit ist die Zeit von 23 bis 6 Uhr, in Bäckereien und Konditoreien von 22 bis 5 Uhr.
Nachtarbeit ist jede Arbeit, die mehr als zwei Stunden der Nachtzeit umfasst.
Nachtarbeitnehmer ist, wer normalerweise Nachtarbeit in Wechselschicht leistet oder an mindestens 48 Tagen im Kalenderjahr nachts arbeitet.
Eine Spätschicht bis 0:30 Uhr ist damit noch keine Nachtarbeit, weil nur anderthalb Stunden in die Nachtzeit fallen. Eine Schicht bis 2 Uhr ist es. Wer solche Schichten an mindestens 48 Tagen im Jahr arbeitet, grob einmal pro Woche, ist Nachtarbeitnehmer, mit allen Rechten aus § 6 ArbZG.
Im Sprachgebrauch werden Schichtarbeit, Schichtdienst und Schichtbetrieb oft gemischt. Schichtarbeit beschreibt, wie der einzelne Mensch arbeitet. Schichtbetrieb beschreibt den Betrieb, der seine Öffnungs- oder Laufzeit auf mehrere Schichten verteilt. Schichtdienst ist der Begriff, den vor allem Pflege, Polizei und Rettungsdienst verwenden.
Schichtarten und Schichtmodelle
Die einzelnen Schichten heißen nach ihrer Lage: Frühschicht (etwa 6 bis 14 Uhr), Spätschicht (etwa 14 bis 22 Uhr) und Nachtschicht (etwa 22 bis 6 Uhr). Dazu kommen Sonderformen wie der Teildienst mit einer langen Pause in der Mitte oder die 24-Stunden-Schicht, die nur mit Bereitschaftsdiensten und einer tariflichen Regelung funktioniert.
Wie die Schichten zu einem System werden, beschreibt das Schichtmodell. Die Zahl im Namen sagt meist, wie viele Schichten pro Woche laufen:
Modell | Aufbau | Typisch für |
|---|---|---|
2-Schicht-System | Früh- und Spätschicht, meist Montag bis Freitag | Handel mit langen Öffnungszeiten, Produktion ohne Nacht |
3-Schicht-System (15-Schicht-Modell) | Früh, Spät und Nacht an fünf Tagen, 15 Schichten pro Woche | Industrie, Logistik |
18-Schicht-Modell | Früh, Spät und Nacht von Montag bis Samstag, 18 Schichten pro Woche | Produktion mit Samstagsbetrieb |
21-Schicht-Modell (vollkontinuierlich) | Früh, Spät und Nacht an allen sieben Tagen, 21 Schichten pro Woche | Chemie, Kliniken, Rechenzentren |
Der Unterschied liegt im Wochenende: Das 15-Schicht-Modell ruht samstags und sonntags, das 18-Schicht-Modell nur sonntags, und das 21-Schicht-Modell läuft durch, mit Sonn- und Feiertagsarbeit für alle Teams.
Bei der Wechselschicht wechseln die Beschäftigten regelmäßig zwischen Früh, Spät und Nacht. Arbeitswissenschaftlich gilt die Vorwärtsrotation als verträglicher, also erst Früh, dann Spät, dann Nacht, weil der Körper eine spätere Schicht leichter verkraftet als eine frühere. Bei der Dauerschicht bleibt jemand in derselben Lage, etwa dauerhaft in der Spätschicht. Das macht den Alltag planbarer, als Dauernachtschicht aber auch dauerhaft belastend.
Was das Arbeitszeitgesetz für Schichtarbeit vorschreibt
Regel | Inhalt | Norm |
|---|---|---|
Höchstarbeitszeit | acht Stunden werktäglich, bis zu zehn, wenn im Schnitt von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen acht Stunden nicht überschritten werden | § 3 ArbZG |
Höchstarbeitszeit für Nachtarbeitnehmer | ebenfalls acht, bis zu zehn Stunden, der Ausgleich muss aber innerhalb eines Kalendermonats oder von vier Wochen erfolgen | § 6 Abs. 2 ArbZG |
Ruhepausen | 30 Minuten bei mehr als sechs bis neun Stunden, 45 Minuten bei mehr als neun Stunden, aufteilbar in Abschnitte von mindestens 15 Minuten | § 4 ArbZG |
Ruhezeit | mindestens elf Stunden ohne Unterbrechung zwischen zwei Arbeitstagen | § 5 Abs. 1 ArbZG |
Gestaltung der Schichtpläne | nach den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über menschengerechte Arbeit | § 6 Abs. 1 ArbZG |
Untersuchung | Recht auf arbeitsmedizinische Untersuchung vor Beginn, dann in Abständen von drei Jahren, ab 50 jährlich | § 6 Abs. 3 ArbZG |
Ausgleich für Nachtarbeit | bezahlte freie Tage oder ein angemessener Zuschlag, wenn kein Tarifvertrag etwas regelt | § 6 Abs. 5 ArbZG |
Weiterbildung | gleicher Zugang zu Weiterbildung und Aufstieg wie Beschäftigte in Tagarbeit | § 6 Abs. 6 ArbZG |
Die Ruhezeit ist im Schichtbetrieb die Regel, die am häufigsten reißt, meist beim Wechsel von Spät auf Früh. Endet die Spätschicht im Supermarkt um 22 Uhr, darf dieselbe Person am nächsten Tag frühestens um 9 Uhr wieder anfangen. Eine Frühschicht ab 6 Uhr ist für sie tabu. In Gaststätten, Hotels, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen darf die Ruhezeit um eine Stunde auf zehn Stunden verkürzt werden, wenn die Verkürzung innerhalb eines Kalendermonats oder von vier Wochen durch eine Ruhezeit von mindestens zwölf Stunden ausgeglichen wird (§ 5 Abs. 2 ArbZG). Für den Einzelhandel gibt es diese Ausnahme nicht.
Müssen Pausen bei Schichtarbeit bezahlt werden?
Nach dem Gesetz nicht. Arbeitszeit ist die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne die Ruhepausen (§ 2 Abs. 1 ArbZG), eine Ruhepause ist also keine bezahlte Arbeitszeit. Eine Ausnahme macht das Gesetz nur für den Bergbau unter Tage. Viele Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen bezahlen Pausen in Wechselschicht trotzdem, deshalb lohnt der Blick in den Tarifvertrag. Muss jemand in der Pause am Platz bleiben und jederzeit einsatzbereit sein, ist das in der Regel keine Ruhepause im Sinne der gesetzlichen Pausenzeiten.
Muss Schichtarbeit im Arbeitsvertrag stehen?
Nicht zwingend. Der Arbeitgeber kann Inhalt, Ort und Zeit der Arbeit nach billigem Ermessen bestimmen, soweit der Arbeitsvertrag, eine Betriebsvereinbarung, ein Tarifvertrag oder ein Gesetz sie nicht festlegt (§ 106 GewO). Steht im Vertrag also nur eine Wochenstundenzahl, kann er Beschäftigte grundsätzlich auch in Schichten einteilen. Steht dort „Montag bis Freitag, 8 bis 16:30 Uhr", geht das nur mit einer Vertragsänderung.
Billiges Ermessen heißt, dass der Arbeitgeber die Interessen beider Seiten abwägen muss, etwa Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder die Gesundheit. Auf Behinderungen muss er dabei ausdrücklich Rücksicht nehmen (§ 106 Satz 3 GewO). Gibt es einen Betriebsrat, bestimmt er bei Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit und bei der Verteilung auf die Wochentage mit, also auch bei Schichtplänen (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG).
Ist Schichtarbeit vereinbart, gehört sie auch in den schriftlichen Nachweis der Arbeitsbedingungen: das Schichtsystem, der Schichtrhythmus und die Voraussetzungen für Schichtänderungen (§ 2 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 NachwG). In einen Arbeitsvertrag mit Schichtarbeit gehören deshalb:
die Art der Schichten, zum Beispiel Früh und Spät oder Wechselschicht mit Nacht
das Schichtsystem und der Rhythmus, etwa wöchentlicher Wechsel
unter welchen Voraussetzungen und mit welchem Vorlauf sich Schichten ändern können
Zuschläge und Zulagen mit Höhe und Berechnungsgrundlage
Pausen und Ruhezeiten, soweit sie vom Gesetz abweichend vereinbart sind
Befreiung von Schichtarbeit: wann ein Anspruch besteht
Einen allgemeinen Anspruch, keine Schichten mehr zu arbeiten, gibt es nicht, auch nicht ab einem bestimmten Alter. Es gibt aber Fälle, in denen der Arbeitgeber umplanen muss.
Nachtarbeitnehmer können verlangen, auf einen geeigneten Tagesarbeitsplatz umgesetzt zu werden, wenn eine arbeitsmedizinische Feststellung ergibt, dass weitere Nachtarbeit ihre Gesundheit gefährdet, wenn im Haushalt ein Kind unter zwölf Jahren lebt, das niemand anderes im Haushalt betreuen kann, oder wenn sie einen schwerpflegebedürftigen Angehörigen versorgen, den kein anderer Haushaltsangehöriger versorgen kann (§ 6 Abs. 4 ArbZG). Der Anspruch entfällt nur bei dringenden betrieblichen Gründen, und dann muss der Betriebsrat angehört werden. Das Gesetz verlangt eine arbeitsmedizinische Feststellung; ein Attest vom Hausarzt reicht dafür nicht immer, ist aber ein Grund, die Einteilung nach billigem Ermessen neu abzuwägen.
Für zwei Gruppen gelten feste Zeitgrenzen. Schwangere und stillende Frauen dürfen nicht zwischen 20 und 6 Uhr arbeiten; bis 22 Uhr nur, wenn sie zustimmen, ein ärztliches Zeugnis nicht dagegen spricht und die Aufsichtsbehörde den Antrag des Arbeitgebers nicht ablehnt (§§ 5 und 28 MuSchG). Jugendliche dürfen grundsätzlich nur zwischen 6 und 20 Uhr arbeiten, über 16 Jahre in Gaststätten bis 22 Uhr und in mehrschichtigen Betrieben bis 23 Uhr (§ 14 JArbSchG).
Ein Grad der Behinderung von 50 oder mehr bedeutet keinen automatischen Anspruch auf Befreiung von Schichtarbeit. Der Arbeitgeber muss die Behinderung aber bei der Einteilung berücksichtigen (§ 106 Satz 3 GewO), und oft lässt sich mit festen Früh- oder Spätschichten eine Lösung finden, die für beide Seiten funktioniert.
Zuschläge und Zulagen bei Schichtarbeit
Zwei Begriffe werden ständig verwechselt, obwohl sie steuerlich verschieden behandelt werden.
Schichtzulage | Schichtzuschlag | |
|---|---|---|
Wofür | für die Arbeit in einem Schichtsystem an sich, oft als Pauschale | für Stunden zu belastenden Zeiten: nachts, sonntags, an Feiertagen |
Anspruch | nur aus Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag | für Nachtarbeit gesetzlich nach § 6 Abs. 5 ArbZG, für Sonn- und Feiertage nur aus Tarif oder Vertrag |
Steuer | steuer- und beitragspflichtig wie normaler Lohn | in den Grenzen von § 3b EStG steuerfrei |
Für den Nachtzuschlag hat das Bundesarbeitsgericht festgelegt, dass ohne besondere Umstände 25 % des Bruttostundenlohns oder eine entsprechende Zahl bezahlter freier Tage angemessen sind, bei Dauernachtarbeit in der Regel 30 % (BAG, 9. Dezember 2015, 10 AZR 423/14). Ein Tarifvertrag kann davon abweichen. Pauschale Schichtzulagen richten sich dagegen allein nach Tarif oder Vertrag.
Steuerfrei sind Zuschläge für tatsächlich geleistete Arbeit nach § 3b EStG bis zu diesen Sätzen des Grundlohns, wobei der Grundlohn mit höchstens 50 € pro Stunde angesetzt wird:
Nachtarbeit zwischen 20 und 6 Uhr: 25 %, zwischen 0 und 4 Uhr 40 %, wenn die Arbeit vor 0 Uhr begonnen hat
Sonntagsarbeit: 50 %
gesetzliche Feiertage und der 31. Dezember ab 14 Uhr: 125 %, der 24. Dezember ab 14 Uhr, der 25. und 26. Dezember und der 1. Mai: 150 %; welche Feiertage gelten, richtet sich nach dem Ort der Arbeitsstätte
Beitragsfrei in der Sozialversicherung sind diese Zuschläge nur, soweit der Stundenlohn, auf dem sie berechnet werden, höchstens 25 € beträgt (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 SvEV).
Rechenbeispiel: Nachtschicht an der Hotelrezeption
Ein Nachtportier arbeitet von 22 bis 6 Uhr mit einer halben Stunde Pause von 2 bis 2:30 Uhr. Sein Stundenlohn liegt bei 16 €, sein Arbeitsvertrag sieht 25 % Zuschlag für Arbeit zwischen 23 und 6 Uhr vor. In dieser Zeit arbeitet er sieben Stunden minus die halbe Stunde Pause, also 6,5 Stunden. Der Zuschlag beträgt 4 € pro Stunde, für die Schicht 26 €. Weil 25 % unter den Grenzen von § 3b EStG liegen und sein Stundenlohn unter 25 €, ist der Zuschlag steuer- und beitragsfrei. Für die Pause gibt es keinen Zuschlag, weil § 3b nur tatsächlich geleistete Arbeit begünstigt.
Schichtarbeit und Gesundheit
Wer gegen die innere Uhr arbeitet, schläft kürzer und schlechter. Die Folgen reichen von Müdigkeit und Konzentrationsproblemen über Magen-Darm-Beschwerden bis zu einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, besonders bei langjähriger Nachtarbeit. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat Nachtschichtarbeit 2019 als „wahrscheinlich krebserregend" eingestuft (Gruppe 2A). Die Einstufung sagt etwas über die Beweislage, nicht über die Höhe des Risikos.
Viel davon entscheidet sich im Schichtplan: vorwärts rotieren, wenige Nachtschichten am Stück, nach Nachtschichten genug freie Zeit und Pläne, die früh feststehen, damit Familie und Freunde mitplanen können. Welches Modell dabei am besten abschneidet, zeigt unser Vergleich der Schichtmodelle nach Gesundheit. Was Beschäftigte selbst tun können, von festen Schlafzeiten bis zu leichten Mahlzeiten in der Nacht, beschreiben unsere Tipps für den Nachtdienst.
Vor- und Nachteile der Schichtarbeit
Vorteile | Nachteile | |
|---|---|---|
Für Beschäftigte | Zuschläge, freie Tage unter der Woche, Termine am Vormittag ohne Urlaub | gestörter Schlaf, weniger gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden, gesundheitliche Risiken bei langer Nachtarbeit |
Für den Betrieb | längere Öffnungs- und Laufzeiten, bessere Auslastung von Maschinen und Räumen, Service rund um die Uhr | höhere Personalkosten durch Zuschläge, aufwendigere Planung, Ruhezeiten und Schutzregeln müssen bei jeder Änderung stimmen |
Schichtarbeit planen
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Häufig gestellte Fragen
Schichtarbeit ist im deutschen Recht nicht ausdrücklich definiert. Gemeint ist Arbeit, bei der sich mehrere Beschäftigte denselben Arbeitsplatz nach einem festen Plan zeitlich versetzt teilen. Das Arbeitszeitgesetz definiert dagegen Nachtzeit, Nachtarbeit und Nachtarbeitnehmer (§ 2 Abs. 3 bis 5 ArbZG), an die viele Schutzregeln für Schichtarbeit anknüpfen.
Schichtarbeit muss nicht zwingend im Arbeitsvertrag stehen. Legt der Vertrag die Arbeitszeiten nicht fest, kann der Arbeitgeber Schichten nach billigem Ermessen anordnen (§ 106 GewO). Sind feste Zeiten vereinbart, braucht es eine Vertragsänderung. Ist Schichtarbeit im Arbeitsvertrag vereinbart, müssen Schichtsystem und Rhythmus auch im schriftlichen Nachweis stehen (§ 2 Abs. 1 NachwG).
Pausen bei Schichtarbeit müssen nach dem Arbeitszeitgesetz nicht bezahlt werden, weil Ruhepausen nicht zur Arbeitszeit zählen (§ 2 Abs. 1 ArbZG). Viele Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen sehen für Wechselschicht trotzdem bezahlte Pausen vor.
Der Nachtzuschlag bei Schichtarbeit beträgt ohne Tarifvertrag in der Regel 25 % des Bruttostundenlohns oder eine entsprechende Zahl bezahlter freier Tage, bei Dauernachtarbeit 30 % (BAG, 10 AZR 423/14). Tarifverträge können andere Sätze festlegen.
Schichtzuschläge für tatsächlich geleistete Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit sind nach § 3b EStG bis zu festen Prozentsätzen des Grundlohns steuerfrei, für Nachtarbeit zwischen 20 und 6 Uhr zum Beispiel bis 25 %. Eine pauschale Schichtzulage für die Arbeit im Schichtsystem ist dagegen steuer- und beitragspflichtig.
Eine Befreiung von Schichtarbeit gibt es nicht allgemein. Nachtarbeitnehmer haben nach § 6 Abs. 4 ArbZG Anspruch auf einen Tagesarbeitsplatz, wenn Nachtarbeit nach arbeitsmedizinischer Feststellung ihre Gesundheit gefährdet, sie ein Kind unter zwölf Jahren betreuen oder einen schwerpflegebedürftigen Angehörigen versorgen und niemand im Haushalt das übernehmen kann.
Schwangere und stillende Frauen dürfen Schichtarbeit leisten, aber das Mutterschutzgesetz verbietet Arbeit zwischen 20 und 6 Uhr (§ 5 MuSchG). Bis 22 Uhr ist Arbeit nur möglich, wenn die Frau zustimmt, ein ärztliches Zeugnis nicht dagegen spricht und die Aufsichtsbehörde den Antrag nicht ablehnt (§ 28 MuSchG).
Nachtarbeitnehmer haben vor Beginn der Beschäftigung und danach in Abständen von drei Jahren Anspruch auf eine arbeitsmedizinische Untersuchung, ab dem 50. Lebensjahr jedes Jahr (§ 6 Abs. 3 ArbZG). Die Kosten trägt der Arbeitgeber, wenn er die Untersuchung nicht kostenlos über einen Betriebsarzt anbietet.
Alle Begriffe ansehen
- 48-Stunden-WocheDie 48-Stunden-Woche ist die Obergrenze für die durchschnittliche Wochenarbeitszeit nach § 3 ArbZG. In einzelnen Wochen sind bis zu 60 Stunden möglich, wenn der Schnitt im Ausgleichszeitraum stimmt.
- Arbeitsstunden pro MonatIm Schnitt hat ein Monat 4,33 Wochen: Bei 40 Stunden pro Woche sind das 173,33 Arbeitsstunden im Monat, bei 35 Stunden 151,67. Für einen bestimmten Monat zählen die Arbeitstage.
- Direktionsrecht (§ 106 GewO)Das Direktionsrecht nach § 106 GewO erlaubt dem Arbeitgeber, Zeit, Ort und Inhalt der Arbeit festzulegen, soweit Vertrag, Tarif, Betriebsvereinbarung und Gesetz Raum lassen und die Weisung billigem Ermessen entspricht.
- ElternzeitElternzeit ist eine unbezahlte Freistellung bis zum dritten Geburtstag, die Mütter und Väter sieben Wochen vorher beim Arbeitgeber anmelden. Mit Rechner für Beginn, Ende und Antragsfrist.
- ErsatzruhetagDer Ersatzruhetag ist der freie Werktag nach Sonntags- oder Feiertagsarbeit (§ 11 Abs. 3 ArbZG): innerhalb von zwei Wochen nach einem Sonntag, acht Wochen nach einem Feiertag, ein ganzer Kalendertag.
- RuhezeitZwischen zwei Arbeitstagen müssen mindestens 11 Stunden Ruhezeit liegen. Wann sie kürzer sein darf, was sie unterbricht und Beispiele aus dem Schichtplan.
- SchichttauschBeim Schichttausch übernehmen zwei Mitarbeitende gegenseitig ihre Dienste. Wer zustimmen muss, welche Regeln gelten und ein Muster für das Protokoll.
- Trinkgeld versteuernTrinkgeld ist für Angestellte steuerfrei, wenn Gäste es freiwillig geben, auch per Karte und aus der Trinkgeldkasse. Steuerpflichtig sind feste Bedienungszuschläge und Trinkgeld an den Inhaber.
- Urlaubsanspruch in der ElternzeitIn der Elternzeit entsteht Urlaub weiter. Der Arbeitgeber darf ihn pro vollem Kalendermonat um ein Zwölftel kürzen, wenn er das erklärt, aber nicht bei Teilzeit beim selben Arbeitgeber. Resturlaub verfällt nicht.
- VerdienstbescheinigungDie Verdienstbescheinigung ist der Vordruck, auf dem du einem Amt den Verdienst bestätigst. Welcher Zeitraum zählt und wohin Zuschläge gehören.
- Weiterbeschäftigung nach RenteneintrittWeiterbeschäftigung nach Renteneintritt: wie der Vertrag weiterläuft, was für Renten- und Arbeitslosenversicherung gilt und wann die Aktivrente greift.
- WerkstudentWerkstudenten sind Studierende, die in der Vorlesungszeit höchstens 20 Stunden pro Woche arbeiten und dafür nur in die Rentenversicherung einzahlen.
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