Vaterschaftsurlaub
In Deutschland gibt es keinen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub. Was stattdessen gilt, was aus der Familienstartzeit wurde und wie du Elternzeit einplanst.
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Einen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub gibt es in Deutschland nicht. Anders als in vielen anderen EU-Ländern hat der Vater oder der zweite Elternteil keinen eigenen Anspruch auf eine bezahlte Freistellung rund um die Geburt. Hier liest du, was stattdessen gilt und was du als Arbeitgeber beachten musst.
Gibt es Vaterschaftsurlaub in Deutschland?
Nein. Die vorherige Bundesregierung hatte eine sogenannte Familienstartzeit geplant: zwei Wochen bezahlte Freistellung für den zweiten Elternteil direkt nach der Geburt. Ein Gesetzentwurf lag 2023 vor, beschlossen wurde er nie. Im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung ist die Familienstartzeit nicht mehr vorgesehen.
Die EU-Vereinbarkeitsrichtlinie (2019/1158) sieht zehn Arbeitstage Vaterschaftsurlaub vor. In Deutschland ist sie in diesem Punkt nicht umgesetzt. Was ein Vater rund um die Geburt bekommt, hängt deshalb von Sonderurlaub, Elternzeit und regulärem Urlaub ab. Mehr dazu auch unter Geburtsurlaub.
Was stattdessen gilt
Sonderurlaub zur Geburt
Nach § 616 BGB behält ein Beschäftigter seinen Lohn, wenn er für eine verhältnismäßig kurze Zeit aus einem persönlichen Grund verhindert ist. Die Geburt des eigenen Kindes gilt als solcher Grund, üblich ist ein Arbeitstag. Im TVöD ist es ein Arbeitstag bei der Niederkunft der Ehefrau oder Lebenspartnerin (§ 29 TVöD). Viele Tarifverträge und Arbeitsverträge regeln das genauer. Der Anspruch aus § 616 BGB kann im Arbeitsvertrag allerdings ausgeschlossen werden. Mehr dazu unter Sonderurlaub bei Geburt.
Elternzeit
Jeder Elternteil hat Anspruch auf bis zu drei Jahre Elternzeit pro Kind, die bis zum achten Geburtstag genommen werden kann (§ 15 BEEG). Ein Vater kann die Elternzeit direkt ab der Geburt beginnen. Für Elternzeit bis zum dritten Geburtstag muss er sie spätestens sieben Wochen vor Beginn in Textform bei dir anmelden, eine E-Mail reicht (§ 16 BEEG). Will er direkt nach der Geburt starten, sollte die Anmeldung also sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin vorliegen.
Während der Elternzeit zahlst du kein Gehalt. Der Vater kann stattdessen Elterngeld bei der Elterngeldstelle beantragen. Nehmen beide Eltern Elterngeld, gibt es zwei zusätzliche Partnermonate.
Regulärer Urlaub
Natürlich kann ein Vater auch regulären Erholungsurlaub rund um die Geburt nehmen. Er beantragt ihn wie jeden anderen Urlaub. Ablehnen kannst du den Wunschtermin nur aus dringenden betrieblichen Gründen (§ 7 Abs. 1 BUrlG).
Rechte während der Elternzeit
Kündigungsschutz
Ab der Anmeldung der Elternzeit und während der gesamten Elternzeit darfst du nicht kündigen (§ 18 BEEG). Bei Elternzeit bis zum dritten Geburtstag beginnt dieser Schutz frühestens acht Wochen vor dem Start der Elternzeit. Ausnahmen muss die zuständige Landesbehörde zulassen. Kündigt der Beschäftigte selbst zum Ende der Elternzeit, gilt eine Frist von drei Monaten (§ 19 BEEG).
Teilzeit in der Elternzeit
In der Elternzeit darf der Vater bis zu 32 Stunden pro Woche arbeiten (§ 15 Abs. 4 BEEG). Einen Anspruch auf Teilzeit in Elternzeit bei dir hat er, wenn dein Betrieb mehr als 15 Beschäftigte hat und er seit mehr als sechs Monaten bei dir arbeitet (§ 15 Abs. 7 BEEG).
Urlaubsanspruch und Resturlaub
Für jeden vollen Kalendermonat Elternzeit darfst du den Urlaubsanspruch um ein Zwölftel kürzen (§ 17 Abs. 1 BEEG). Resturlaub aus der Zeit vor der Elternzeit gewährst du im laufenden oder im nächsten Urlaubsjahr. Endet das Arbeitsverhältnis während der Elternzeit oder wird es danach nicht fortgesetzt, zahlst du nicht genommenen Urlaub als Urlaubsabgeltung aus (§ 17 Abs. 3 BEEG).
Rückkehr an den Arbeitsplatz
Während der Elternzeit ruht das Arbeitsverhältnis nur. Danach kehrt der Vater an seinen Arbeitsplatz zurück. Eine andere, gleichwertige Tätigkeit ist nur zulässig, wenn der Arbeitsvertrag das erlaubt.
Häufig gestellte Fragen
Einen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub gibt es in Deutschland nicht. Die geplante Familienstartzeit mit zwei Wochen bezahlter Freistellung nach der Geburt wurde nie beschlossen und steht nicht im aktuellen Koalitionsvertrag.
Zwei Wochen bezahlten Urlaub nach der Geburt bekommen Väter in Deutschland nicht automatisch. Gesetzlich gibt es meist einen Tag Sonderurlaub nach § 616 BGB. Wer länger zu Hause bleiben will, nimmt regulären Urlaub oder Elternzeit mit Elterngeld.
Bei der Geburt des eigenen Kindes bekommt ein Vater in der Regel einen Tag bezahlten Sonderurlaub nach § 616 BGB, im TVöD einen Arbeitstag nach § 29 TVöD. Tarif- oder Arbeitsverträge können mehr vorsehen oder den Anspruch aus § 616 BGB ausschließen.
Ein Vater meldet Elternzeit direkt nach der Geburt spätestens sieben Wochen vor ihrem Beginn in Textform beim Arbeitgeber an, eine E-Mail reicht (§ 16 BEEG, für Kinder, die ab dem 1. Mai 2025 geboren sind). Soll sie ab der Geburt laufen, gilt die Frist ab dem errechneten Geburtstermin.
Alle Begriffe ansehen
- 48-Stunden-WocheDie 48-Stunden-Woche ist die Obergrenze für die durchschnittliche Wochenarbeitszeit nach § 3 ArbZG. In einzelnen Wochen sind bis zu 60 Stunden möglich, wenn der Schnitt im Ausgleichszeitraum stimmt.
- Arbeitsstunden pro MonatIm Schnitt hat ein Monat 4,33 Wochen: Bei 40 Stunden pro Woche sind das 173,33 Arbeitsstunden im Monat, bei 35 Stunden 151,67. Für einen bestimmten Monat zählen die Arbeitstage.
- Direktionsrecht (§ 106 GewO)Das Direktionsrecht nach § 106 GewO erlaubt dem Arbeitgeber, Zeit, Ort und Inhalt der Arbeit festzulegen, soweit Vertrag, Tarif, Betriebsvereinbarung und Gesetz Raum lassen und die Weisung billigem Ermessen entspricht.
- ElternzeitElternzeit ist eine unbezahlte Freistellung bis zum dritten Geburtstag, die Mütter und Väter sieben Wochen vorher beim Arbeitgeber anmelden. Mit Rechner für Beginn, Ende und Antragsfrist.
- ErsatzruhetagDer Ersatzruhetag ist der freie Werktag nach Sonntags- oder Feiertagsarbeit (§ 11 Abs. 3 ArbZG): innerhalb von zwei Wochen nach einem Sonntag, acht Wochen nach einem Feiertag, ein ganzer Kalendertag.
- ProbearbeitenProbearbeiten ist ein kurzes, unverbindliches Kennenlernen im Betrieb vor dem Arbeitsvertrag: unbezahlt, solange die Person nur mitläuft, und ein Arbeitsverhältnis mit Mindestlohn, sobald sie richtig mitarbeitet.
- RuhezeitZwischen zwei Arbeitstagen müssen mindestens 11 Stunden Ruhezeit liegen. Wann sie kürzer sein darf, was sie unterbricht und Beispiele aus dem Schichtplan.
- Trinkgeld versteuernTrinkgeld ist für Angestellte steuerfrei, wenn Gäste es freiwillig geben, auch per Karte und aus der Trinkgeldkasse. Steuerpflichtig sind feste Bedienungszuschläge und Trinkgeld an den Inhaber.
- Urlaubsanspruch in der ElternzeitIn der Elternzeit entsteht Urlaub weiter. Der Arbeitgeber darf ihn pro vollem Kalendermonat um ein Zwölftel kürzen, wenn er das erklärt, aber nicht bei Teilzeit beim selben Arbeitgeber. Resturlaub verfällt nicht.
- VerdienstbescheinigungDie Verdienstbescheinigung ist der Vordruck, auf dem du einem Amt den Verdienst bestätigst. Welcher Zeitraum zählt und wohin Zuschläge gehören.
- Weiterbeschäftigung nach RenteneintrittWeiterbeschäftigung nach Renteneintritt: wie der Vertrag weiterläuft, was für Renten- und Arbeitslosenversicherung gilt und wann die Aktivrente greift.
- WerkstudentWerkstudenten sind Studierende, die in der Vorlesungszeit höchstens 20 Stunden pro Woche arbeiten und dafür nur in die Rentenversicherung einzahlen.
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