Kinderkrankentage

Kinderkrankentage sind Arbeitstage, an denen gesetzlich versicherte Eltern ihr krankes Kind unter 12 betreuen und Kinderkrankengeld bekommen; 2026 sind es 15 je Kind und Elternteil (§ 45 SGB V).

Geschrieben von: Beke SchoustraAktualisiert am:

Was sind Kinderkrankentage?

Kinderkrankentage sind die Arbeitstage, an denen gesetzlich versicherte Eltern zu Hause bleiben, weil ihr Kind krank ist und betreut werden muss. Für diese Tage zahlt die Krankenkasse Kinderkrankengeld, und der Arbeitgeber muss die Person unbezahlt freistellen (§ 45 SGB V). Ein Kinderkrankentag ist weder Urlaub noch eine eigene Krankmeldung, denn die Mutter oder der Vater ist arbeitsfähig und kann nur nicht kommen.

Anspruch besteht, wenn alle vier Bedingungen erfüllt sind:

  • Das Kind ist jünger als 12 Jahre, oder es hat eine Behinderung und ist auf Hilfe angewiesen.

  • Elternteil und Kind sind gesetzlich krankenversichert.

  • Niemand sonst im Haushalt kann das Kind betreuen.

  • Eine Ärztin oder ein Arzt bescheinigt, dass das Kind betreut werden muss.

Wie viele Kinderkrankentage gibt es 2026?

2026 gilt die erhöhte Zahl aus § 45 Abs. 2a SGB V. Jedes gesetzlich versicherte Elternteil hat 15 Arbeitstage je Kind, Alleinerziehende haben 30. Bei mehreren Kindern ist im Jahr bei 35 Tagen Schluss, für Alleinerziehende bei 70.

Kalenderjahr

Pro Kind und Elternteil

Höchstens im Jahr

2026, Elternteil

15 Arbeitstage

35 Arbeitstage

2026, alleinerziehend

30 Arbeitstage

70 Arbeitstage

ab 2027 ohne neues Gesetz, Elternteil

10 Arbeitstage

25 Arbeitstage

ab 2027 ohne neues Gesetz, alleinerziehend

20 Arbeitstage

50 Arbeitstage

Ein Koch mit drei Kindern unter 12 käme rechnerisch auf 45 Tage. 2026 bekommt er höchstens 35, und seine Partnerin hat bei ihrem Arbeitgeber eigene 35 Tage. Die Tage lassen sich einzeln nehmen, zum Beispiel an zwei Tagen einer Woche.

Muss ein Elternteil mit ins Krankenhaus, weil das Kind stationär behandelt wird und die Mitaufnahme medizinisch nötig ist, gibt es Kinderkrankengeld für die ganze Dauer der Mitaufnahme (§ 45 Abs. 1a SGB V). Diese Tage zählen nicht gegen die Zahlen in der Tabelle.

Was ab 2027 gilt

Die 15 Tage stehen nur für das Kalenderjahr 2026 im Gesetz. Ändert der Bundestag § 45 SGB V bis Jahresende nicht, gelten ab dem 1. Januar 2027 wieder 10 Tage je Kind und Elternteil und 20 für Alleinerziehende, höchstens 25 und 50 im Jahr (§ 45 Abs. 2 SGB V). Der Bundesgesundheitsminister hat sich im September 2026 gegen eine Verlängerung ausgesprochen, Teile der SPD wollen die 15 Tage behalten. Anfang November 2026 ist nichts beschlossen.

Wer zahlt, wenn das Kind krank ist?

Zuerst bist du als Arbeitgeber gefragt. Nach § 616 BGB behalten Beschäftigte ihren Lohn, wenn sie für eine verhältnismäßig kurze Zeit ohne eigenes Verschulden aus einem persönlichen Grund verhindert sind, und ein krankes Kind kann so ein Grund sein. Wie viele Tage das sind, legt das Gesetz nicht fest. Viele Arbeits- und Tarifverträge schließen § 616 BGB aus oder begrenzen ihn, wie beim Sonderurlaub.

Gilt § 616 BGB nicht, stellst du die Person unbezahlt frei, und die Krankenkasse zahlt Kinderkrankengeld. Es beträgt in der Regel 90 % des ausgefallenen Nettoentgelts und 100 %, wenn in den zwölf Monaten davor beitragspflichtige Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld geflossen sind. Gedeckelt ist es bei 70 % der Beitragsbemessungsgrenze (§ 45 Abs. 2 SGB V). Doppelt bezahlt wird nichts, denn Leistungen der Krankenkasse für dieselbe Zeit werden auf den Lohn angerechnet.

Für Auszubildende gilt eine eigene Regel. Sie bekommen bei einem kranken Kind bis zu sechs Wochen ihre Vergütung weiter, und das lässt sich vertraglich nicht ausschließen. Kinderkrankengeld kommt bei ihnen deshalb in der Regel nicht in Betracht.

Was du als Arbeitgeber erledigst

  1. Die Person freistellen. Diesen Anspruch kannst du im Arbeitsvertrag weder ausschließen noch beschränken (§ 45 Abs. 3 SGB V), und du darfst nicht verlangen, dass vorher Überstunden oder Zeitguthaben abgebaut werden.

  2. Den Nachweis ansehen. Die Kinderarztpraxis stellt eine Bescheinigung aus, die zugleich der Antrag auf Kinderkrankengeld ist. Kennt die Praxis das Kind, geht das auch telefonisch, für höchstens fünf Kalendertage. Lass dir eine Kopie geben, damit die Freistellung dokumentiert ist.

  3. Die Krankenkasse informieren. Sobald du von der Freistellung weißt, schickst du der Krankenkasse der Beschäftigten eine Entgeltbescheinigung über den Datenaustausch Entgeltersatzleistungen (DTA EEL, Abgabegrund 02). Die AOK rät dazu auch dann, wenn du den Lohn für die Tage voll weiterzahlst.

  4. Die Schichten neu besetzen. Ein krankes Kind fällt selten auf einen Tag, und Eltern wissen morgens oft noch nicht, ob es zwei oder drei Tage werden.

Sonderfälle

Privat versichert oder im Minijob

Privat versicherte Eltern bekommen kein Kinderkrankengeld, auch Minijobber nicht. Den Anspruch auf unbezahlte Freistellung haben sie trotzdem (§ 45 Abs. 5 SGB V). Ob die private Versicherung etwas zahlt, hängt vom Tarif ab.

Tage auf den anderen Elternteil übertragen

Einen gesetzlichen Anspruch, Kinderkrankentage auf den anderen Elternteil zu übertragen, gibt es nicht. Laut Bundesgesundheitsministerium geht es trotzdem, wenn der Arbeitgeber des Elternteils zustimmt, dessen Tage schon aufgebraucht sind.

Kind mit Behinderung oder schwerstkrankes Kind

Bei einem Kind mit Behinderung, das auf Hilfe angewiesen ist, gilt die Altersgrenze von 12 Jahren nicht. Ist ein Kind unheilbar erkrankt und hat nur noch Wochen oder wenige Monate zu leben, hat ein Elternteil Anspruch auf Kinderkrankengeld ohne feste Tagesgrenze (§ 45 Abs. 4 SGB V).

Selbst krank oder Kind krank

Ist die Mutter oder der Vater selbst arbeitsunfähig, gilt die eigene Krankmeldung mit Entgeltfortzahlung, auch wenn das Kind zur selben Zeit krank ist. Kinderkrankengeld gibt es nur für Tage, an denen die Person arbeiten könnte und wegen des Kindes zu Hause bleibt.

Wenn die Tage aufgebraucht sind

Sind die Kinderkrankentage eines Jahres aufgebraucht, zahlt die Krankenkasse nichts mehr. Bleibt das Kind krank, bleiben Urlaub, der Abbau von Überstunden oder unbezahlter Urlaub, den ihr miteinander vereinbart. Nicht genommene Tage verfallen am Jahresende und lassen sich nicht ins nächste Jahr mitnehmen.

Kinderkrankentage im Dienstplan

In der Urlaubs- und Abwesenheitsplanung von Shiftbase legst du für Kinderkrankentage eine eigene Abwesenheitsart an, etwa „Kind krank“. So landen sie nicht bei den eigenen Krankheitstagen der Person. Beim Eintragen entscheidest du wie bei jeder Abwesenheit, ob die geplanten Schichten entfernt werden, bei der Person bleiben oder als offene Schicht ausgeschrieben werden.

Die Auswertung der Abwesenheiten zeigt für einen gewählten Zeitraum jede Abwesenheit mit Tagen und Stunden. Zusammen mit den Stunden aus der Zeiterfassung hast du die ausgefallenen Arbeitstage beisammen, die in die Entgeltbescheinigung an die Krankenkasse gehören.

Häufig gestellte Fragen

2026 gibt es 15 Kinderkrankentage je Kind und gesetzlich versichertem Elternteil, für Alleinerziehende 30. Bei mehreren Kindern sind es höchstens 35 Tage im Jahr, für Alleinerziehende 70 (§ 45 Abs. 2a SGB V).

Ohne Gesetzesänderung gibt es 2027 wieder 10 Kinderkrankentage je Kind und Elternteil, 20 für Alleinerziehende und höchstens 25 beziehungsweise 50 im Jahr. Die 15 Tage stehen nur für 2026 im Gesetz. Ob sie verlängert werden, ist Anfang November 2026 politisch offen.

Der Arbeitgeber zahlt bei Kinderkrankentagen das Gehalt weiter, wenn § 616 BGB gilt und nicht im Arbeits- oder Tarifvertrag ausgeschlossen ist, dann aber nur für eine kurze Zeit. Sonst ist die Freistellung unbezahlt, und die Krankenkasse zahlt Kinderkrankengeld. Wann § 616 BGB greift, steht beim Sonderurlaub.

Nein, liegen die Voraussetzungen vor, darf der Arbeitgeber Kinderkrankentage nicht ablehnen. Der Anspruch auf Freistellung lässt sich auch im Arbeitsvertrag weder ausschließen noch beschränken (§ 45 Abs. 3 SGB V). Der Arbeitgeber darf auch nicht verlangen, dass zuerst Überstunden abgebaut werden.

Das Kinderkrankengeld beträgt in der Regel 90 % des ausgefallenen Nettoentgelts, 100 %, wenn in den zwölf Monaten davor beitragspflichtige Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld gezahlt wurden. Es ist auf 70 % der Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt (§ 45 Abs. 2 SGB V). Aus dem Kinderkrankengeld zahlt die Krankenkasse auch Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung.

Einen gesetzlichen Anspruch, Kinderkrankentage auf den anderen Elternteil zu übertragen, gibt es nicht. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist es möglich, wenn der Arbeitgeber des Elternteils zustimmt, dessen Tage schon aufgebraucht sind.

Kinderkrankentage gibt es, bis das Kind 12 Jahre alt wird. Für ein Kind mit Behinderung, das auf Hilfe angewiesen ist, gilt keine Altersgrenze (§ 45 Abs. 1 SGB V).

Sind die Kinderkrankentage aufgebraucht, zahlt die Krankenkasse für das restliche Kalenderjahr kein Kinderkrankengeld mehr. Eltern bleiben dann Urlaub, der Abbau von Überstunden oder unbezahlter Urlaub nach Absprache mit dem Arbeitgeber. Im neuen Jahr beginnt der Anspruch von vorn.

Beke Schoustra
Beke SchoustraAccount Executive DACH

Beke schreibt für Shiftbase über Dienstplanung, Zeiterfassung und alles, was die Personalplanung leichter macht. Sie übersetzt den Alltag von Teamleitern in praktische Tipps, die sofort weiterhelfen.

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