Arbeitsrecht 2027: Was sich ab Januar ändert
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Für 2027 steht vor allem fest, was Lohn und Abgaben betrifft. Ab dem 1. Januar gelten 14,60 € Mindestlohn, eine Minijob-Grenze von 633 € und für gewerbliche Minijobs ein Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung von 17,5 % statt 13 %. Außerdem endet die Befreiung von elektronischen Entgeltunterlagen: Stundenaufzeichnungen und Nachweise, die zur Lohnabrechnung gehören, liegen ab dann als Datei vor.
Vieles, was du über 2027 liest, ist dagegen noch kein Gesetz: die höhere Pauschsteuer für Minijobs, steuerfreie Sonntagszuschläge bis 75 € Grundlohn, längere Befristungen ohne Sachgrund und das Ende der telefonischen Krankschreibung. Diese Pläne stammen aus dem Programm für Aufschwung und Beschäftigung, auf das sich die Koalition am 2. Juli 2026 geeinigt hat. Dieser Überblick hat den Stand vom 7. November 2026.
Änderungen im Arbeitsrecht 2027 auf einen Blick
Änderung | Ab | Stand am 7. November 2026 |
|---|---|---|
Mindestlohn 14,60 € je Stunde | 1. Januar 2027 | gilt, Verordnung |
Minijob-Grenze 633 € im Monat | 1. Januar 2027 | gilt, folgt dem Mindestlohn |
Midijob ab 633,01 € bis 2.000 € | 1. Januar 2027 | gilt |
Krankenversicherung für gewerbliche Minijobs 17,5 % statt 13 % | 1. Januar 2027 | Gesetz verkündet |
Keine Befreiung mehr von elektronischen Entgeltunterlagen | 1. Januar 2027 | gilt |
Mindestausbildungsvergütung 764 € im ersten Jahr | Ausbildungsbeginn 2027 | gilt, bekannt gemacht |
Kinderkrankentage wieder 10 je Kind | 2027 | gilt, wenn die Regel für 2026 nicht verlängert wird |
Beitragsbemessungsgrenzen: Rente 8.850 €, Krankenversicherung 6.375 € im Monat | 1. Januar 2027 | vom Kabinett beschlossen, Bundesrat muss zustimmen |
Pauschsteuer im Minijob 5 % statt 2 % | 1. Januar 2027 geplant | Regierungsentwurf |
Sonn- und Feiertagszuschläge steuerfrei bis 75 € Grundlohn | 1. Januar 2027 geplant | Regierungsentwurf |
Grundfreibetrag 12.564 €, Arbeitnehmer-Pauschbetrag 1.430 € | 2027 geplant | Regierungsentwurf |
Befristung ohne Schriftform | 1. Januar 2027 geplant | nur Koalitionsbeschluss |
Befristung ohne Sachgrund bis 48 Monate | offen | nur Koalitionsbeschluss |
Krankschreibung ab dem ersten Tag, keine telefonische Krankschreibung | offen | nur Koalitionsbeschluss |
Arbeitszeitgesetz | offen | Referentenentwurf vom Juni 2026 |
Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie | offen | Gesetzentwurf in Vorbereitung |
Was ab 1. Januar 2027 sicher gilt
Mindestlohn 14,60 €
Der gesetzliche Mindestlohn steigt am 1. Januar 2027 von 13,90 € auf 14,60 € brutto je Zeitstunde (§ 1 MiLoV5). Was die 70 Cent in der Lohnkostenquote eines Restaurants ausmachen und welche festen Monatsbeträge im Handel nicht mehr reichen, rechnet der Beitrag zum Mindestlohn 2027 in Gastronomie und Handel an Beispielen durch.
Minijob: höhere Grenze, teurere Krankenversicherung
Die Minijob-Grenze folgt dem Mindestlohn und liegt 2027 bei 633 € im Monat (§ 8 Abs. 1a SGB IV). Der Midijob beginnt damit bei 633,01 €, seine Obergrenze bleibt bei 2.000 € (§ 20 Abs. 2 SGB IV).
Teurer wird der gewerbliche Minijob trotzdem, und zwar unabhängig vom Lohn. Den Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung, den du als Arbeitgeber trägst, hebt das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz von 13 % auf den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 % plus den durchschnittlichen Zusatzbeitrag (Minijob-Zentrale). Den Zusatzbeitrag für 2027 hat das Bundesgesundheitsministerium am 30. Oktober 2026 auf 2,9 % festgelegt, zusammen sind das 17,5 %. Rentenversicherung und Pauschsteuer zahlst du beim Minijob wie bisher zusätzlich.
Die Alterssicherungskommission hat im Juni 2026 empfohlen, Minijobs bis auf Ausnahmen für Schüler abzuschaffen. Ein Gesetz dazu gibt es nicht, 2027 bleibt es beim Minijob mit einer Grenze von 633 €.
Entgeltunterlagen: keine Befreiung mehr für Papier
Bestimmte Unterlagen gehören schon seit 2022 in elektronischer Form zu den Entgeltunterlagen, darunter die Aufzeichnungen der Arbeitszeit nach § 17 MiLoG, die Erklärung eines Minijobbers über weitere Beschäftigungen und die Kopie der Niederschrift nach dem Nachweisgesetz (§ 8 Abs. 2 der Beitragsverfahrensverordnung). Bis zum 31. Dezember 2026 konntest du dich auf Antrag beim Prüfdienst der Rentenversicherung davon befreien lassen (§ 8 Abs. 3 BVV). Diese Möglichkeit endet jetzt.
In der Gastronomie trifft das jede Stundenaufzeichnung. Das Gaststättengewerbe steht in § 2a SchwarzArbG, deshalb zeichnest du dort Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit für alle Beschäftigten auf, im Einzelhandel für die Minijobber (§ 17 Abs. 1 MiLoG). Ab Januar liegen diese Aufzeichnungen als Datei bei den Lohnunterlagen, nicht als Zettel im Ordner. Welche Dokumente sonst noch dazugehören, listet der Beitrag zur digitalen Personalakte 2027 auf.
Mindestausbildungsvergütung 764 €
Wer 2027 eine Ausbildung beginnt, bekommt im ersten Jahr mindestens 764 € im Monat, im zweiten 902 €, im dritten 1.031 € und im vierten 1.070 € (Bekanntmachung vom 30. September 2026). Die Beträge hängen am Jahr des Ausbildungsbeginns (§ 17 Abs. 2 BBiG). Eine Auszubildende, die im August 2026 angefangen hat, rechnet ihr zweites Jahr deshalb mit den Sätzen ihres Startjahrgangs.
Kinderkrankentage wieder 10 je Kind
Die 15 Tage Kinderkrankengeld je Kind und Elternteil stehen nur für 2026 im Gesetz (§ 45 Abs. 2a SGB V). Ohne Verlängerung gilt 2027 wieder die Grundregel: 10 Arbeitstage je Kind, 20 für Alleinerziehende, im Jahr höchstens 25 beziehungsweise 50. Eine Mutter mit zwei Kindern hat 2027 also für höchstens 20 Kinderkrankentage Anspruch auf Kinderkrankengeld, 2026 waren es 30.
Noch nicht beschlossen: die Pläne für 2027
Im Bundestag liegt der Entwurf des Einkommensteuerreformgesetzes 2027 (Drucksache 21/8235 vom 28. September 2026). Er soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten, braucht dafür aber noch den Beschluss des Bundestags und die Zustimmung des Bundesrats. Für Arbeitgeber stehen drei Punkte darin:
Pauschsteuer im Minijob: 5 % statt 2 % des Verdienstes, wenn du den Minijob pauschal versteuerst (§ 40a Abs. 2 EStG).
Sonn- und Feiertagszuschläge: steuerfrei auf einen Grundlohn bis 75 € pro Stunde statt bis 50 €. Für Nachtzuschläge bleibt es bei 50 € (§ 3b Abs. 2 EStG). Tarifliche Sonn- und Feiertagszuschläge sollen bis zur selben Grenze auch beitragsfrei werden. Heute endet die Beitragsfreiheit bei einem Stundenlohn von 25 € (§ 1 SvEV).
Lohnsteuer: Grundfreibetrag 12.564 €, Arbeitnehmer-Pauschbetrag 1.430 €. Das rechnet das Lohnprogramm ab Januar mit, sobald das Gesetz verkündet ist.
Andere Punkte aus dem Programm vom 2. Juli 2026 sind bisher nur Absprachen der Koalition. Einen Gesetzentwurf dazu haben wir bis zum 7. November im Bundestag nicht gefunden:
Schriftform bei Befristungen: Sie soll zum 1. Januar 2027 wegfallen. Bis ein Gesetz das ändert, ist eine Befristung ohne Schriftform unwirksam (§ 14 Abs. 4 TzBfG), und der Vertrag gilt als auf unbestimmte Zeit geschlossen (§ 16 TzBfG). Diese Entfristung passiert ohne dein Zutun.
Befristung ohne Sachgrund: Wer bis Ende 2030 eingestellt wird, soll bis zu 48 Monate befristet beschäftigt werden können, mit bis zu sechs Verlängerungen. Heute sind es höchstens zwei Jahre (§ 14 Abs. 2 TzBfG).
Krankschreibung: Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung soll ab dem ersten Krankheitstag Pflicht werden, die telefonische Krankschreibung entfallen. Heute gilt für die Krankmeldung: sofort Bescheid geben, die ärztliche Feststellung erst, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage dauert, früher nur auf dein Verlangen (§ 5 Abs. 1 EFZG).
Hochverdiener: Bei einem Jahreseinkommen über dem 1,75-Fachen der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung soll ab 2027 eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegen Abfindung möglich werden. In Restaurant und Laden betrifft das kaum jemanden.
Nicht im Programm steht die Reform des Arbeitszeitgesetzes. Das Arbeitsministerium hat im Juni 2026 einen Referentenentwurf vorgelegt, beschlossen ist die Arbeitszeitreform aber nicht.
Auch die EU-Entgelttransparenzrichtlinie ist in Deutschland noch nicht umgesetzt. Im Juli 2026 hat die Bundesregierung geantwortet, das zuständige Ministerium bereite einen Gesetzentwurf vor, einen Termin nannte sie nicht (Drucksache 21/7026).
Was 2027 ein Restaurant mehr kostet
Ein Restaurant beschäftigt sechs Minijobber in Service und Küche, jeder verdient 600 € im Monat. Bei 14,60 € sind das gut 41 Stunden, also unter der neuen Grenze. Am Lohn ändert sich im Beispiel nichts, es geht nur um die Abgaben, die du obendrauf zahlst.
Abgabe pro Minijob (600 €) | 2026 | 2027, sicher | 2027 mit Pauschsteuer 5 % |
|---|---|---|---|
Krankenversicherung | 78,00 € | 105,00 € | 105,00 € |
Pauschsteuer | 12,00 € | 12,00 € | 30,00 € |
Mehrkosten für sechs Minijobs im Monat | 162,00 € | 270,00 € | |
Mehrkosten im Jahr | 1.944 € | 3.240 € |
Die höhere Krankenversicherung kommt sicher und kostet das Restaurant knapp 2.000 € im Jahr. Wird die Pauschsteuer von 5 % beschlossen, sind es zusammen 3.240 €. Dazu kommt, was der Mindestlohn bei allen kostet, die bisher nah an 14,60 € verdient haben.
Beim Sonntagszuschlag ist der Effekt kleiner, als die 75 € vermuten lassen. Steuerfrei ist der Zuschlag schon heute bei jedem Grundlohn bis 50 €, und so viel zahlt in der Gastronomie kaum jemand. Spürbar wäre nur die Beitragsfreiheit für tarifliche Zuschläge. Ein Küchenchef mit 28 € Stundenlohn arbeitet an einem Sonntag 8 Stunden, der Tarifvertrag sieht 50 % Zuschlag vor, das sind 112 €. Beitragsfrei sind davon heute 100 €, weil nur bis 25 € Stundenlohn gerechnet wird. Für die übrigen 12 € fallen Sozialversicherungsbeiträge an. Mit der geplanten Regel wären die ganzen 112 € beitragsfrei, ohne Tarifvertrag bliebe es bei der Grenze von 25 €.
Im Einzelhandel betrifft 2027 vor allem Aushilfen und Saisonkräfte. Wer für die Inventur oder das Frühjahr befristet einstellt, lässt den Vertrag weiter vor dem ersten Arbeitstag schriftlich unterschreiben, solange die Schriftform im Gesetz steht.
Was du vor dem Jahreswechsel erledigst
Löhne prüfen. Stundenlöhne unter 14,60 € anheben und feste Monatsbeträge durch die Stunden teilen.
Minijob-Kosten neu rechnen. Die Krankenversicherung mit 17,5 % ansetzen und die Pauschsteuer von 5 % als möglichen Posten einplanen.
Unterlagen elektronisch ablegen. Stundenaufzeichnungen, Erklärungen der Minijobber und Nachweise nach dem Nachweisgesetz als Datei bei den Lohnunterlagen.
Ausbildungsverträge anpassen. Bei Beginn 2027 mindestens 764 € im ersten Jahr.
Befristungen schriftlich abschließen. Bis ein neues Gesetz gilt, bleibt es bei der Unterschrift auf dem Vertrag.
Arbeitszeiten und Verträge für 2027 in Shiftbase
In Shiftbase stempelt dein Team per App, im Browser oder am Tablet mit eigener PIN, und jede Stunde steht neben der geplanten Schicht. Du gibst die Woche frei und exportierst die Stunden als Datei, DATEV-kompatibel oder an Lohnprogramme wie SD Worx. Mit der Zeiterfassung in Shiftbase liegen die Arbeitszeiten, die ab Januar zu den Entgeltunterlagen gehören, schon als Datei vor. Abrechnung und Minijob-Abgaben übernimmt weiter dein Lohnprogramm.
In der digitalen Personalakte von Shiftbase stehen Vertrag, Stundenlohn und Dokumente bei der Person. Den neuen Stundenlohn trägst du für eine ganze Gruppe auf einmal ein, und der Dienstplan zeigt dir die Personalkosten mit den neuen Löhnen.
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Häufig gestellte Fragen
Für Arbeitgeber ändert sich 2027 vor allem bei Lohn und Abgaben. Am 1. Januar steigen der Mindestlohn auf 14,60 €, die Minijob-Grenze auf 633 € und der Krankenversicherungsbeitrag für gewerbliche Minijobs auf 17,5 %, außerdem endet die Befreiung von der elektronischen Führung der Entgeltunterlagen. Pläne wie längere Befristungen oder das Ende der telefonischen Krankschreibung sind Stand 7. November 2026 nicht beschlossen.
Die Pauschsteuer für Minijobs soll 2027 von 2 % auf 5 % steigen, beschlossen ist das Stand 7. November 2026 aber nicht. Die Anhebung steht im Regierungsentwurf des Einkommensteuerreformgesetzes 2027 (Drucksache 21/8235). Sicher steigt dagegen der Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung für gewerbliche Minijobs von 13 % auf 17,5 %.
Die telefonische Krankschreibung soll nach dem Koalitionsbeschluss vom 2. Juli 2026 abgeschafft werden, zusammen mit einer Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag. Ein Gesetz dazu gibt es Stand 7. November 2026 nicht. Bis dahin gilt § 5 Abs. 1 EFZG: ärztliche Feststellung nach mehr als drei Kalendertagen, auf Verlangen des Arbeitgebers früher.
Eine Befristung braucht auch 2027 die Schriftform, solange kein neues Gesetz gilt. Die Koalition will das Schriftformerfordernis zum 1. Januar 2027 aufheben, beschlossen ist das Stand 7. November 2026 nicht. Ohne Schriftform ist die Befristung unwirksam (§ 14 Abs. 4 TzBfG), lass befristete Verträge deshalb weiter vor Arbeitsbeginn unterschreiben.
Sonntags- und Feiertagszuschläge sollen ab 2027 bis zu einem Grundlohn von 75 € statt 50 € pro Stunde steuerfrei sein, so steht es im Regierungsentwurf des Einkommensteuerreformgesetzes 2027. Für Nachtzuschläge bleibt es bei 50 €. Beschlossen ist das Stand 7. November 2026 nicht, bis dahin bleibt der Sonntagszuschlag bis 50 % eines Grundlohns von höchstens 50 € steuerfrei.
Die Mindestausbildungsvergütung 2027 beträgt im ersten Ausbildungsjahr 764 € im Monat, im zweiten 902 €, im dritten 1.031 € und im vierten 1.070 €. Sie gilt für Ausbildungen, die 2027 beginnen, und ist am 30. September 2026 bekannt gemacht worden.
Eine allgemeine Pflicht zur elektronischen Zeiterfassung gibt es Stand 7. November 2026 nicht, die Reform des Arbeitszeitgesetzes ist nicht beschlossen. Elektronisch zu den Entgeltunterlagen gehören ab 2027 aber ohne Ausnahme die Aufzeichnungen nach § 17 MiLoG, also für Minijobber und in der Gastronomie für alle Beschäftigten. Mit einer digitalen Zeiterfassung liegen sie ohnehin als Datei vor.
Beke schreibt für Shiftbase über Dienstplanung, Zeiterfassung und alles, was die Personalplanung leichter macht. Sie übersetzt den Alltag von Teamleitern in praktische Tipps, die sofort weiterhelfen.
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