Feiertagszuschlag berechnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Beispielen

Feiertagszuschlag berechnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Beispielen
Geschrieben von: Beke SchoustraLesezeit: 5 minVeröffentlicht am: 23. November 2022

Feiertagsarbeit bedeutet für viele Unternehmen eine erhöhte organisatorische und finanzielle Belastung. Gleichzeitig erwarten Arbeitnehmer eine faire Vergütung für eingeschränkte Freizeit und besondere Arbeitszeiten. Eine fehlerhafte Berechnung von Feiertagszuschlägen kann schnell zu Nachzahlungen, Unzufriedenheit im Team oder rechtlichen Risiken führen.

Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie der Feiertagszuschlag korrekt berechnet wird: inklusive Sonderfällen, steuerfreier Abrechnung und branchenspezifischer Besonderheiten.

Alle Grundlagen zu Feiertagszuschlägen (gesetzliche Grundlagen, Anspruchsvoraussetzungen, Ersatzruhetag und Bundesland-Unterschiede) findest du im Feiertagszuschlag Lexikon.

Feiertagszuschlag berechnen: Die Grundformel

Die Basisformel für jeden Feiertagszuschlag lautet:

Grundstundenlohn × Zuschlagssatz (%) × Feiertagsstunden = Zuschlagsbetrag

Der Feiertagszuschlag wird zum Grundlohn addiert, nicht als Ersatz, sondern zusätzlich. Nur so greift die Steuerfreiheit nach § 3b EStG.

Schritt 1: Grundstundenlohn ermitteln

Bei Stundenlohnempfängern ist der Grundstundenlohn direkt aus dem Arbeitsvertrag abzulesen.

Bei Monatslohnempfängern gilt folgende Ableitung:

Monatslohn ÷ monatliche Regelarbeitsstunden = Grundstundenlohn

Beispiel: 3.250 € Monatsgehalt ÷ 173,33 Stunden (40-Stunden-Woche × 13 ÷ 3) = 18,75 € Grundstundenlohn

Wichtig: Für die Steuerfreiheit nach § 3b EStG darf der Grundlohn 50 € pro Stunde nicht überschreiten. Liegt er höher, wird die Bemessungsgrundlage auf 50 € gekappt.

Schritt 2: Zuschlagssatz festlegen

Der Zuschlagssatz ergibt sich aus dem Tarifvertrag, der Betriebsvereinbarung oder dem Individualarbeitsvertrag. Es gibt keinen gesetzlichen Einheitssatz. Einen Überblick über die übrigen Schichtzulagen, von Nacht- bis Sonntagsarbeit, gibt unser Lexikonbeitrag.

Üblich sind Sätze zwischen 25 % und 150 % des Grundlohns. Im öffentlichen Dienst sind es nach § 8 Abs. 1 TVöD 135 % ohne und 35 % mit Freizeitausgleich (Stand: Oktober 2026).

Schritt 3: Feiertagsstunden erfassen

Nur tatsächlich geleistete Stunden am gesetzlichen Feiertag fließen in die Berechnung ein. Pausenzeiten werden abgezogen. Die Zeiterfassung muss minutengenau und manipulationssicher sein, denn das ist die Voraussetzung für die steuerfreie Abrechnung.

Schritt 4: Zuschlag berechnen und aufgliedern

Grundlohn und Zuschlag müssen in der Lohnabrechnung getrennt ausgewiesen werden. Werden sie vermischt, entfällt die Steuerfreiheit.

Rechenbeispiele

Beispiel 1: Einfacher Feiertagszuschlag

Ein Mitarbeitender in der Gastronomie arbeitet 6 Stunden am Tag der Arbeit (1. Mai).

Parameter

Wert

Grundstundenlohn

18,75 €

Zuschlagssatz

100 %

Feiertagsstunden

6 h

Feiertagszuschlag

18,75 € × 1,0 × 6 = 112,50 €

Grundlohn für 6 h

18,75 € × 6 = 112,50 €

Gesamtvergütung

225,00 €

Steuerlich

Zuschlag (112,50 €) steuerfrei nach § 3b EStG

Beispiel 2: Feiertag + Nachtschicht (Kumulierung)

Eine Pflegekraft arbeitet am Pfingstmontag von 22 bis 6 Uhr, also 8 Stunden. Weil die Schicht vor Mitternacht beginnt, zählt die Arbeit am Dienstag bis 4 Uhr noch als Feiertagsarbeit (§ 3b Abs. 3 EStG); die Stunden von 4 bis 6 Uhr nicht mehr. Nachtarbeit ist die ganze Schicht, von 0 bis 4 Uhr mit dem erhöhten Satz von 40 %.

Zuschlagsart

Berechnung

Betrag

Steuerlich

Grundlohn

16 € × 8 h

128,00 €

steuerpflichtig

Feiertagszuschlag 100 %

16 € × 6 h (22 bis 4 Uhr)

96,00 €

steuerfrei (Grenze 125 %)

Nachtzuschlag 25 %

16 € × 2 h (22 bis 24 Uhr)

8,00 €

steuerfrei

Nachtzuschlag 40 %

16 € × 4 h (0 bis 4 Uhr)

25,60 €

steuerfrei

Nachtzuschlag 25 %

16 € × 2 h (4 bis 6 Uhr)

8,00 €

steuerfrei

Gesamtvergütung

265,60 €

Grundregel: Jeder Zuschlagstyp wird separat auf den Grundlohn berechnet, nie auf den bereits erhöhten Lohn.

Beispiel 3: Feiertag fällt auf Sonntag (Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober 2027)

Parameter

Wert

Grundstundenlohn

15,00 €

Feiertagszuschlag 125 %

+ 18,75 €/h

Sonntagszuschlag 50 %

nicht zusätzlich steuerfrei

Gesamtvergütung pro Stunde

33,75 €

Steuerlich

Steuerfrei bis 125 % des Grundlohns

Steuerfrei ist an diesem Tag nur der Feiertagszuschlag; ein zusätzlicher Sonntagszuschlag ist es nicht, auch wenn der Tarifvertrag ihn vorsieht (§ 3b Abs. 1 Nr. 2 EStG). Zahlt der Arbeitgeber beides, wird der Sonntagsanteil versteuert.

Steuerfreie Abrechnung nach § 3b EStG

Damit der Feiertagszuschlag steuerfrei bleibt, müssen vier Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Zahlung zusätzlich zum Grundlohn, nicht als Ersatz

  2. Einhaltung der gesetzlichen Höchstsätze

  3. Nachweislich geleistete Arbeit am gesetzlichen Feiertag

  4. Lückenlose, manipulationssichere Zeiterfassung

Steuerfreie Höchstsätze nach § 3b EStG

Zuschlagsart

Steuerfreie Höchstgrenze

Gesetzliche Feiertage und 31. Dezember ab 14 Uhr

125 % des Grundlohns

24. Dezember ab 14 Uhr, 25. und 26. Dezember, 1. Mai

150 %

Sonntag

50 %

Nacht (20 bis 6 Uhr)

25 %

Nacht von 0 bis 4 Uhr, wenn die Schicht vor 0 Uhr begonnen hat

40 %

Zuschläge oberhalb dieser Grenzen werden versteuert wie normaler Arbeitslohn. Beitragsfrei in der Sozialversicherung bleiben sie nur bis zu einem Grundlohn von 25 € pro Stunde (§ 1 Abs. 1 SvEV).

Häufige Fehler bei der Berechnung

Fehler

Konsequenz

Grundlohn und Zuschlag werden vermischt

Steuerfreiheit entfällt vollständig

Feiertag auf Sonntag: Feiertags- und Sonntagszuschlag beide steuerfrei abgerechnet

Lohnsteuer wird nachgefordert

Zeiterfassung unvollständig oder nachträglich korrigiert

Steuerfreier Anteil nicht nachweisbar

Veralteter Tarifvertrag als Grundlage

Falsche Zuschlagssätze, Nachzahlungsrisiko

Grundstundenlohn fehlerhaft abgeleitet

Alle Folgeberechnungen falsch

Sonntagsarbeit mit Feiertagsarbeit verwechselt

Falscher Zuschlagssatz angewendet

Checkliste: Feiertagszuschlag rechtssicher abrechnen

Vor dem Feiertag

  • Gültige Tarif- oder Vertragsregelungen prüfen und im System hinterlegen

  • Zuschlagssätze (Feiertag, Sonntag, Nacht) pro Standort konfigurieren

  • Feiertagsschichten im Dienstplan eindeutig kennzeichnen

  • Digitale Zeiterfassung für alle eingesetzten Mitarbeitenden sicherstellen

  • Ersatzruhetag vorausplanen (Frist: 8 Wochen nach Feiertag, § 11 Abs. 3 ArbZG)

Nach dem Feiertag

  • Erfasste Arbeitszeiten prüfen und freigeben

  • Grundlohn und Zuschlag getrennt in der Lohnabrechnung ausweisen

  • Steuerfreie Anteile gegen § 3b EStG Höchstsätze abgleichen

  • Daten vollständig und revisionssicher für die Lohnabrechnung exportieren

  • Ersatzruhetag im Dienstplan dokumentieren

Automatisierte Berechnung mit Shiftbase

Feiertagszuschläge gehören zu den fehleranfälligsten Bereichen der Personalabrechnung. Shiftbase übernimmt die relevanten Schritte automatisch:

  • Feiertage hinterlegen: Die gesetzlichen Feiertage stehen einmal im Konto.

  • Zuschlagskarte: Sie rechnet den Feiertags-, Sonntags- und Nachtzuschlag für jede Schicht automatisch aus.

  • Zeiterfassung per App: Beginn, Ende und Pausen jeder Schicht stehen fest.

  • Export an das Lohnbüro: Stunden und Zuschläge gehen geprüft raus, auch DATEV-kompatibel.

In der Lohnvorbereitung von Shiftbase gehen die berechneten Feiertagszuschläge zusammen mit den geprüften Stunden als Export an das Lohnbüro, das Grundlohn und Zuschlag in der Abrechnung getrennt ausweist.

In Shiftbase rechnet eine Zuschlagskarte den Feiertagszuschlag für jede Schicht aus, und Stunden und Zuschläge gehen geprüft an dein Lohnbüro. Jetzt 14 Tage kostenlos testen

Häufig gestellte Fragen

Ein Arbeitgeber muss Feiertagszuschläge nur zahlen, wenn der Tarifvertrag, der Arbeitsvertrag oder eine Betriebsvereinbarung sie vorsieht, oder wenn er sie über Jahre ohne Vorbehalt gezahlt hat. Einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht.

Eine gesetzliche Höhe für den Feiertagszuschlag gibt es auch 2026 nicht. Üblich sind 25 % bis 150 % des Grundlohns, im TVöD 135 % ohne Freizeitausgleich (Stand: Oktober 2026). Steuerfrei bleiben bis 125 %, am 24. Dezember ab 14 Uhr, am 25. und 26. Dezember und am 1. Mai bis 150 %.

Feiertagszuschläge sind nach § 3b EStG bis 125 % des Grundlohns steuerfrei, an besonderen Feiertagen bis 150 %, wenn sie zusätzlich zum Grundlohn für tatsächlich geleistete Feiertagsarbeit gezahlt werden. Als Grundlohn zählen höchstens 50 € pro Stunde.

Beke Schoustra
Beke SchoustraAccount Executive DACH

Beke schreibt für Shiftbase über Dienstplanung, Zeiterfassung und alles, was die Personalplanung leichter macht. Sie übersetzt den Alltag von Teamleitern in praktische Tipps, die sofort weiterhelfen.

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