Urlaubsanspruch im Mutterschutz und Elternzeit rechtssicher regeln

Geschrieben von: Beke SchoustraLesezeit: 4 minVeröffentlicht am: 22. Februar 2023

Eine Mitarbeiterin geht in den Mutterschutz. Danach direkt in Elternzeit für 12 Monate. Beim Wiedereinstieg fragt sie nach ihrem Resturlaub. Die Frage, die dann im HR-Büro entsteht: Wie viel Urlaub hat sie in dieser Zeit angesammelt? Wie viel kann der Arbeitgeber kürzen? Und wann muss der Urlaub spätestens genommen werden? Alle drei Fragen haben klare rechtliche Antworten - die sich für Mutterschutz und Elternzeit deutlich unterscheiden.

Das sind die gesetzliche Grundlagen

Rechtsgrundlage

Inhalt

Bedeutung

§ 24 MuSchG

Mutterschutzzeiten dürfen nicht zur Kürzung des Urlaubs herangezogen werden

Voller Urlaubsanspruch während Mutterschutz

§ 17 Abs. 1 BEEG

Arbeitgeber darf Urlaub um 1/12 pro vollem Elternzeitmonat kürzen

Kürzungsrecht Elternzeit

§ 17 Abs. 2 BEEG

Resturlaub muss nach der Elternzeit gewährt werden

Übertragungspflicht

§ 17 Abs. 4 BEEG

Keine Kürzung bei Teilzeit während der Elternzeit

Schutz bei Elternteilzeit

§ 7 Abs. 3 BUrlG

Resturlaub kann auf das Folgejahr übertragen werden

Basis für verlängerte Übertragung nach Elternzeit

BAG, 9 AZR 145/11

Kürzungserklärung muss vor Ende der Elternzeit erfolgen

Fristwahrung für Arbeitgeber


Teil 1: Urlaubsanspruch im Mutterschutz

Grundregel: Kein Einfluss auf den Urlaubsanspruch

Die Mutterschutzzeit - 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt (bei Früh- und Mehrlingsgeburten 12 Wochen nach der Geburt) - gilt als normale Beschäftigungszeit. Die Mitarbeiterin sammelt in dieser Zeit ihren Urlaubsanspruch weiter an, als wäre sie regulär im Betrieb tätig.

Was das konkret bedeutet:

  • Jahresurlaub von 30 Tagen bei 5-Tage-Woche: alle 30 Tage entstehen, auch wenn die Mitarbeiterin während des gesamten Jahres im Mutterschutz ist

  • Keine anteilige Kürzung nach Beschäftigungsmonaten

  • Keine Möglichkeit für den Arbeitgeber, den Urlaub zu reduzieren

Was passiert mit Urlaub, der vor dem Mutterschutz nicht genommen wurde?

Hatte die Mitarbeiterin vor Beginn des Mutterschutzes noch Resturlaub, verfällt dieser nicht. Er wird auf die Zeit nach dem Mutterschutz oder nach der Elternzeit übertragen.

Kann Urlaub während des Mutterschutzes genommen werden?

Nein. Während der Mutterschutzfristen (Beschäftigungsverbot) kann kein Urlaub angeordnet oder genommen werden. Urlaub, der in diesen Zeitraum fällt, wird nicht verbraucht - er bleibt erhalten.

Teil 2: Urlaubsanspruch in der Elternzeit

Das Kürzungsrecht des Arbeitgebers (§ 17 BEEG)

Anders als beim Mutterschutz darf der Arbeitgeber den Urlaub während der Elternzeit kürzen - aber nur unter bestimmten Bedingungen:

Kürzungsformel:

Jahresurlaub ÷ 12 × Anzahl voller Elternzeitmonate = Kürzungsbetrag

Rechenbeispiel: 12 Monate Elternzeit, 30 Tage Jahresurlaub

Position

Berechnung

Ergebnis

Jahresurlaub

30 Tage

Basis

Elternzeitmonate

12 Monate

Kürzung

30 ÷ 12 × 12

30 Tage

Verbleibender Urlaubsanspruch

30 - 30

0 Tage

Bei einem vollen Elternzeitjahr kann der Arbeitgeber den gesamten Jahresurlaub dieses Jahres kürzen. Der Urlaub aus dem Vorjahr oder aus der Zeit vor der Elternzeit bleibt davon unberührt.

Rechenbeispiel: 6 Monate Elternzeit

Position

Berechnung

Ergebnis

Jahresurlaub

30 Tage

Basis

Elternzeitmonate

6 Monate

Kürzung

30 ÷ 12 × 6

15 Tage

Verbleibender Urlaubsanspruch aus dem Elternzeit-Jahr

30 - 15

15 Tage


Wann muss die Kürzungserklärung erfolgen?

Das ist die häufigste Fehlerquelle. Der Arbeitgeber muss die Kürzungserklärung vor Ende der Elternzeit gegenüber dem Arbeitnehmer abgeben - andernfalls ist das Kürzungsrecht verwirkt (BAG 9 AZR 145/11).

Eine pauschale Regelung im Arbeitsvertrag ("Urlaubsanspruch wird während der Elternzeit entsprechend § 17 BEEG gekürzt") ist zulässig - sie ersetzt die individuelle Erklärung.

Keine Kürzung bei Elternteilzeit

Arbeitet ein Elternteil während der Elternzeit in Teilzeit (Elternteilzeit), darf der Urlaub für diese Monate nicht gekürzt werden. Das gilt unabhängig vom Umfang der Teilzeittätigkeit.

Was passiert mit dem Resturlaub nach der Elternzeit?

Nicht genommener Urlaub aus der Zeit vor oder während des Mutterschutzes/der Elternzeit muss nach der Rückkehr gewährt werden. Die Übertragungsfristen gelten hier verlängert:

Urlaubsherkunft

Übertragungsregel

Verfall

Urlaub aus dem Jahr vor der Elternzeit

Muss nach Rückkehr gewährt werden

Ende des Urlaubsjahres der Rückkehr oder des Folgejahres

Urlaub aus dem laufenden Elternzeitjahr (nicht gekürzt)

Muss nach Rückkehr gewährt werden

Ende des Urlaubsjahres der Rückkehr

Urlaub aus dem Mutterschutz-Jahr

Überträgt sich automatisch

Kein sofortiger Verfall - nach Rückkehr nehmen

Wichtig für Arbeitgeber: Der Hinweis auf drohenden Urlaubsverfall (EuGH-Hinweispflicht) gilt auch nach der Rückkehr aus der Elternzeit. Wer den Mitarbeitenden nicht informiert, riskiert, dass der Urlaub nicht verfällt.

Besondere Fallkonstellationen

Mutterschutz direkt gefolgt von Elternzeit

Der häufigste Fall. Wichtig: Die Monate des Mutterschutzes zählen nicht als Elternzeitmonate für die Kürzungsberechnung. Nur die tatsächlichen Elternzeitmonate fliessen in § 17 BEEG ein.

Beide Elternteile nehmen Elternzeit

Das Kürzungsrecht steht jedem Arbeitgeber separat zu - sowohl dem Arbeitgeber der Mutter als auch dem des Vaters. Jeder Arbeitgeber kann den Urlaub seines Mitarbeitenden für dessen Elternzeitmonate kürzen.

Teilzeit in der Elternzeit wechselt zu Vollzeit

Wenn jemand zunächst Elternteilzeit macht (keine Kürzung möglich) und dann in Vollzeit-Elternzeit wechselt, gilt das Kürzungsrecht nur für die Vollzeit-Elternzeitmonate.

Vorzeitige Rückkehr aus der Elternzeit

Kehrt ein Mitarbeitender früher als geplant zurück, berechnet sich die Kürzung nur nach den tatsächlich in Anspruch genommenen Elternzeitmonaten - nicht nach dem ursprünglich geplanten Zeitraum.

Fazit

Mutterschutz und Elternzeit folgen unterschiedlichen Regeln beim Urlaubsanspruch. Im Mutterschutz: voller Anspruch, keine Kürzung möglich. In der Elternzeit: Kürzungsrecht des Arbeitgebers, aber nur mit rechtzeitiger Erklärung und nicht bei Elternteilzeit.

Für Arbeitgeber gilt: Urlaubsstände vor der Elternzeit dokumentieren, Kürzungserklärung rechtzeitig abgeben, Resturlaub nach der Rückkehr aktiv einplanen und über offene Salden informieren. Wer das digital abbildet, vermeidet Berechnungsfehler und Nachforderungen nach dem Wiedereinstieg.


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Häufig gestellte Fragen

Ja, vollständig. Mutterschutzzeiten gelten als normale Beschäftigungszeit. Der Urlaub wird genauso angesammelt wie in Phasen regulärer Arbeit. Der Arbeitgeber kann den Urlaub für Mutterschutzmonate nicht kürzen (§ 24 MuSchG).

Ja - aber nur wenn er das Kürzungsrecht aktiv ausübt und die Erklärung vor Ende der Elternzeit abgibt (§ 17 BEEG + BAG 9 AZR 145/11). Die Kürzung beträgt 1/12 des Jahresurlaubs pro vollem Elternzeitmonat. Bei Elternteilzeit ist keine Kürzung möglich.

Er verfällt nicht. Urlaub aus der Zeit vor dem Mutterschutz oder aus Vorjahren wird auf die Zeit nach der Rückkehr übertragen. Er muss nach der Elternzeit innerhalb des laufenden oder des Folgejahres gewährt werden.

Beke Schoustra
Beke SchoustraAccount Executive DACH

Beke schreibt für Shiftbase über Dienstplanung, Zeiterfassung und alles, was die Personalplanung leichter macht. Sie übersetzt den Alltag von Teamleitern in praktische Tipps, die sofort weiterhelfen.

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