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Urlaubsanspruch bei Kündigung: Berechnung und Abgeltung

  • Verfasst von: Diana Tran
  • Letzte Aktualisierung: 13 April 2026
Urlaubsanspruch bei Kündigung - HR-Managerin berechnet Resturlaub und Urlaubsabgeltung bei Mitarbeiterkündigung am Schreibtisch

Eine Kündigung wirft immer dieselben drei Fragen auf: Wie viele Urlaubstage stehen dem Mitarbeitenden noch zu? Was passiert mit Urlaub, der nicht mehr genommen werden kann? Und wann muss der Arbeitgeber auszahlen? Alle drei Fragen haben klare rechtliche Antworten - die sich je nach Zeitpunkt der Kündigung im Jahr deutlich unterscheiden.

    • Kündigung im ersten Halbjahr: anteiliger Urlaubsanspruch - 1/12 des Jahresurlaubs pro vollem Beschäftigungsmonat (§ 5 Abs. 1b BUrlG)
    • Kündigung im zweiten Halbjahr: voller Jahresurlaubsanspruch entsteht bereits - unabhängig davon, wie viele Monate noch verbleiben (§ 5 Abs. 1c BUrlG)
    • Nicht genommener Urlaub muss ausgezahlt werden, wenn er in der Kündigungsfrist nicht mehr genommen werden kann (§ 7 Abs. 4 BUrlG)
    • Arbeitgeber darf zu viel gewährten Urlaub nicht zurückfordern - weder durch Gehaltsabzug noch durch Verlängerung der Arbeitszeit
    • Kündigung in der Probezeit: dieselben Regeln gelten - anteilig nach Beschäftigungsmonaten
    • Freistellung: wenn der Arbeitgeber freistellt und dabei Resturlaub anrechnet, muss das ausdrücklich und schriftlich kommuniziert werden

Gesetzliche Grundlagen

Rechtsgrundlage Inhalt Bedeutung bei Kündigung
§ 3 BUrlG Mindesturlaub 20 Arbeitstage (5-Tage-Woche) Untergrenze - TV kann mehr vorsehen
§ 5 Abs. 1b BUrlG Teilurlaub bei Kündigung im ersten Halbjahr: 1/12 pro Monat Kernregel erstes Halbjahr
§ 5 Abs. 1c BUrlG Voller Urlaub bei Kündigung nach 30. Juni Halbjahresregel zweites Halbjahr
§ 5 Abs. 2 BUrlG Bruchteil ab einem halben Tag wird aufgerundet Keine halben Urlaubstage
§ 7 Abs. 3 BUrlG Resturlaub muss im Kündigungsjahr genommen werden Kein automatischer Übertrag
§ 7 Abs. 4 BUrlG Urlaubsabgeltung wenn Urlaub nicht mehr genommen werden kann Auszahlungspflicht
§ 6 Abs. 2 BUrlG Pflicht zur Urlaubsbescheinigung beim Ausscheiden Notwendig für neuen Arbeitgeber

Die Halbjahresregel - der wichtigste Unterschied

Der Zeitpunkt der Kündigung im Kalenderjahr entscheidet fundamental über den Urlaubsanspruch:

Kündigung im ersten Halbjahr (bis 30. Juni)

Es gilt der anteilige Anspruch: 1/12 des Jahresurlaubs pro vollem Beschäftigungsmonat.

Formel: Jahresurlaub ÷ 12 × Anzahl voller Beschäftigungsmonate

Rechenbeispiel: Kündigung zum 31. Mai

Position Berechnung Ergebnis
Jahresurlaub laut Vertrag 30 Tage Basis
Volle Beschäftigungsmonate Januar bis Mai = 5 Monate 5
Anteiliger Anspruch 30 ÷ 12 × 5 12,5 Tage
Aufrundung nach § 5 Abs. 2 12,5 → aufrunden 13 Tage
Bereits genommen 8 Tage -8
Resturlaub 13 - 8 5 Tage


Kündigung im zweiten Halbjahr (ab 1. Juli)

Nach § 5 Abs. 1c BUrlG entsteht der volle Jahresurlaubsanspruch, wenn das Arbeitsverhältnis nach dem 30. Juni endet - unabhängig davon, wie viele Monate noch verbleiben.

Rechenbeispiel: Kündigung zum 31. Oktober

Position Ergebnis
Jahresurlaub laut Vertrag 30 Tage
Anspruch (voller Jahresurlaub) 30 Tage
Bereits genommen 22 Tage
Resturlaub 8 Tage

Wichtig: Die Halbjahresregel gilt unabhängig davon, ob die "pro rata temporis"-Klausel im Arbeitsvertrag vereinbart wurde. § 5 Abs. 1c BUrlG ist zwingend - vertragliche Abweichungen zuungunsten des Arbeitnehmers sind unwirksam.

Was passiert mit dem Resturlaub?

--> Option 1: Urlaub nehmen in der Kündigungsfrist

Die bevorzugte Option für beide Seiten. Der Mitarbeitende nimmt die verbleibenden Urlaubstage während der Kündigungsfrist. Wochenenden zählen dabei nicht.

Beispiel: Kündigung zum 31. August, 12 Resturlaubstage. Der letzte Arbeitstag ist der 14. August (12 Werktage rückwärts vom 31. August, Wochenenden herausgerechnet).

--> Option 2: Freistellung mit Urlaubsanrechnung

Der Arbeitgeber stellt den Mitarbeitenden frei und rechnet dabei den Resturlaub an. Das ist zulässig - aber nur wenn ausdrücklich kommuniziert wird, dass die Freistellung zur Erfüllung des Urlaubsanspruchs dient. Eine pauschale Freistellung ohne diesen Hinweis tilgt den Urlaubsanspruch nicht.

--> Option 3: Urlaubsabgeltung (Auszahlung)

Kann der Urlaub in der Kündigungsfrist nicht mehr genommen werden, muss er ausgezahlt werden (§ 7 Abs. 4 BUrlG).

Formel Urlaubsabgeltung:

Bruttomonatsgehalt ÷ 21,75 × Anzahl Resturlaubstage

Beispiel: 3.200 € Bruttogehalt, 7 Resturlaubstage 3.200 ÷ 21,75 × 7 = 1.029,89 € brutto

Welche Sonderfälle gibt es?

Kündigung zum 15. eines Monats

Der angefangene Monat zählt als voller Monat, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens zur Hälfte des Monats bestanden hat (§ 5 Abs. 2 BUrlG). Kündigung zum 15. Juni: Januar bis Juni = 6 volle Monate werden angerechnet.

Kündigung in der Probezeit

Dieselben Regeln gelten. Es gibt keine Ausnahme für Probezeit-Kündigungen. Wer 3 Monate in der Probezeit beschäftigt war und dann kündigt, hat Anspruch auf 3/12 des Jahresurlaubs. Der Arbeitgeber muss auszahlen, wenn der Urlaub nicht mehr genommen werden kann.

Zu viel gewährter Urlaub

Hat ein Mitarbeitender mehr Urlaub genommen als ihm anteilig zustand und kündigt danach, kann der Arbeitgeber den zu viel gewährten Urlaub nicht zurückfordern - weder durch Gehaltsabzug noch durch andere Mittel. Das ergibt sich aus dem Verbot des Einbehalts von Arbeitsentgelt und dem Charakter des Urlaubs als Erholungszeit.

Krankheit während der Kündigungsfrist

Wer während der Kündigungsfrist erkrankt und Urlaub beantragt hatte, behält den Urlaubsanspruch. Krankheitstage zählen nicht als Urlaubstage (§ 9 BUrlG). Die Urlaubstage müssen neu festgesetzt oder abgegolten werden.

Eigenkündigung vs. Arbeitgeberkündigung

Der Urlaubsanspruch berechnet sich nach denselben Regeln - unabhängig davon, wer kündigt. Die einzige Ausnahme: Bei fristloser Kündigung durch den Arbeitnehmer aus eigenem Verschulden kann in bestimmten Konstellationen die Abgeltung reduziert werden - das ist aber arbeitsgerichtlich umstritten und einzelfallabhängig.

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Fazit

Der Urlaubsanspruch bei Kündigung ist stärker geregelt als viele denken. Die entscheidende Weiche ist der 30. Juni: Wer davor kündigt, bekommt anteiligen Urlaub. Wer danach kündigt, hat den vollen Jahresanspruch bereits erworben. Nicht genommener Urlaub verfällt nicht - er wird abgegolten. Und zu viel gewährter Urlaub kann nicht zurückgefordert werden.

Für Arbeitgeber bedeutet das: Resturlaub bei jeder Kündigung sofort berechnen, Freistellungen schriftlich als Urlaubsanrechnung kommunizieren und die Urlaubsbescheinigung beim Ausscheiden ausstellen. Wer das digital dokumentiert, hat bei einem späteren Rechtsstreit alle Nachweise.

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Häufig gestellte Fragen

  •  Das hängt vom Zeitpunkt der Kündigung ab. Im ersten Halbjahr (bis 30. Juni): 1/12 des Jahresurlaubs pro vollem Beschäftigungsmonat. Im zweiten Halbjahr (ab 1. Juli): der volle Jahresurlaub - unabhängig davon, wie viele Monate noch verbleiben. Davon werden bereits genommene Urlaubstage abgezogen.

     

  • Ja - wenn der Urlaub in der Kündigungsfrist nicht mehr genommen werden kann, muss er ausgezahlt werden (§ 7 Abs. 4 BUrlG). Die Höhe richtet sich nach dem aktuellen Bruttotageslohn: Bruttomonatsgehalt ÷ 21,75 × Anzahl Resturlaubstage.

  • § 5 Abs. 1c BUrlG bestimmt: Wer nach dem 30. Juni gekündigt wird oder kündigt, hat Anspruch auf den vollen Jahresurlaub - auch wenn er nur 7 oder 8 Monate im Jahr beschäftigt war. Das verhindert eine Benachteiligung von Mitarbeitenden, die in der zweiten Jahreshälfte ausscheiden.

  • Dieselben Regeln wie bei regulärer Kündigung. Für jeden vollen Beschäftigungsmonat entsteht 1/12 des Jahresurlaubs. Kann der Urlaub nicht mehr genommen werden, muss er ausgezahlt werden. Es gibt keine Probezeit-Ausnahme im BUrlG.

  •  Manuelle Prozesse verursachen hohen Abstimmungsaufwand und Fehler. Mit Shiftbase werden Anträge, Genehmigungen und Übersichten automatisiert, was Zeit spart und den Verwaltungsaufwand reduziert. 

  • Mit einer digitalen Lösung wie Shiftbase lassen sich Urlaubsanträge zentral verwalten und mit wenigen Klicks genehmigen, wodurch Prozesse deutlich schneller und transparenter werden. 

  •  Ja, Tools wie Shiftbase bieten automatisierte Workflows, bei denen Urlaubsanträge je nach Regeln direkt genehmigt oder zur Freigabe weitergeleitet werden. 

     

     

     

     

     

     

Warum Shiftbase

Abwesenheits- und Urlaubsplaner

Verfasst von:

Diana Tran

Diana Tran ist Senior Content Strategist bei Shiftbase und verantwortet den deutschen Markt in der DACH-Region. Seit über drei Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Workforce Management, Personalplanung und den Herausforderungen moderner HR-Prozesse. Sie spezialisiert sich auf Themen wie Dienstplanung, Zeiterfassung, Abwesenheitsmanagement sowie arbeitsrechtliche Anforderungen im deutschsprachigen Raum. Ihre Inhalte richten sich an Unternehmen, die ihre Personalprozesse strukturieren, optimieren und rechtssicher gestalten möchten. Durch ihren praxisorientierten Ansatz übersetzt sie komplexe HR-Themen in verständliche und umsetzbare Lösungen für den Arbeitsalltag.

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