Minijobber Urlaubsanspruch 2026: Berechnung, Abgeltung & Beispiele

Geschrieben von: Beke SchoustraLesezeit: 4 minVeröffentlicht am: 19. Dezember 2022

Minijobber haben denselben gesetzlichen Urlaubsanspruch wie Vollzeitkräfte - anteilig nach Arbeitstagen. Das klingt einfach, wird in der Praxis aber häufig falsch berechnet: Wer Schichten statt Arbeitstage zählt, wer flexible Wochenarbeitstage pauschal ansetzt oder wer Feiertage als Urlaubstage verrechnet, riskiert Nachzahlungen. Dieser Artikel liefert die richtigen Formeln - für feste und für wechselnde Arbeitsmuster.

Gesetzlicher Urlaubsanspruch im Minijob

Rechtsgrundlage

Inhalt

Bedeutung im Minijob

§ 3 BUrlG

Mindesturlaub 20 Arbeitstage (5-Tage-Woche)

Gilt vollständig - keine Ausnahme für Minijobber

§ 3 Abs. 1 BUrlG

Urlaub nach Arbeitstagen, nicht Stunden

Maßgeblich ist die Anzahl Wochenarbeitstage

§ 11 BUrlG

Urlaubsentgelt = Durchschnittsverdienst letzte 13 Wochen

Berechnungsgrundlage für Urlaubslohn

§ 7 Abs. 4 BUrlG

Urlaubsabgeltung bei Beendigung des AV

Auszahlungspflicht bei nicht nehmbarem Resturlaub

§ 17 MiLoG

Aufzeichnungspflicht für Minijobber in bestimmten Branchen

Zeiterfassung ist Pflicht - Grundlage der Urlaubsberechnung

Tarifverträge (NGG, TVöD)

Branchenspezifisch höhere Urlaubsansprüche möglich

Immer prüfen - Tarifrecht geht Gesetz vor wenn günstiger


Berechnung bei festen Wochenarbeitstagen

Arbeitet ein Minijobber an denselben Wochentagen, ist die Berechnung einfach proportional:

Formel: (Jahresurlaub Vollzeit ÷ 5) × Wochenarbeitstage

Arbeitstage pro Woche

Urlaubstage pro Jahr

Beispiel

1 Tag

4 Tage

Samstagsaushilfe im Einzelhandel

2 Tage

8 Tage

Mo/Fr Servicekraft Gastronomie

3 Tage

12 Tage

Mo/Mi/Fr Pflegehelferin

4 Tage

16 Tage

Mo-Do Frühstücksservice Hotel

5 Tage

20 Tage

Vollzeit-Minijob

6 Tage

24 Werktage

6-Tage-Woche nach Werktagsprinzip

Wichtig: Ein Arbeitstag gilt bereits dann als geleistet, wenn nur wenige Stunden gearbeitet werden. Die Stundenzahl spielt für den Urlaubsanspruch keine Rolle - nur die Anzahl der Tage.

Berechnung bei wechselnden Arbeitstagen

Bei flexiblen Schichtmodellen - typisch in Gastronomie, Hotellerie, Pflege und Einzelhandel - bestimmt der Durchschnitt der letzten 13 Wochen den Anspruch.

Schritt 1 - Durchschnittliche Arbeitstage ermitteln:

Gesamtzahl geleisteter Arbeitstage der letzten 13 Wochen ÷ 13

Schritt 2 - Urlaubsformel anwenden:

20 ÷ 5 × durchschnittliche Arbeitstage pro Woche = Urlaubsanspruch pro Jahr

Rechenbeispiel: Flexible Servicekraft Gastronomie

Wochen

Arbeitstage/Woche

Gesamt

8 Wochen

2 Tage

16 Tage

3 Wochen

3 Tage

9 Tage

2 Wochen

1 Tag

2 Tage

Summe

27 Tage

Durchschnitt: 27 ÷ 13 = 2,08 Tage/Woche Urlaubsanspruch: 20 ÷ 5 × 2,08 = 8,3 → 9 Urlaubstage (aufgerundet nach § 5 Abs. 2 BUrlG)

Sonderfälle bei der 13-Wochen-Berechnung

Situation

Behandlung

Krankheit ohne Entgeltfortzahlung

Wochen bleiben unberücksichtigt - Durchschnitt aus restlichen Wochen

Saisonale Mehrbeschäftigung (Sommer)

Erhöht den Durchschnitt → mehr Urlaubstage

Mehrere Minijobs

Jeder Arbeitsvertrag hat eigenen Urlaubsanspruch

Wechsel von fester zu flexibler Woche

Durchschnittsberechnung beginnt neu ab dem Wechsel

Feiertag fällt auf Arbeitstag

Kein Urlaubsabzug - Feiertage zählen nicht als Urlaubstage


Urlaubsentgelt: Was Minijobber im Urlaub verdienen

Das Urlaubsentgelt ist der Lohn, den der Minijobber während des Urlaubs erhält. Es entspricht dem Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen vor Urlaubsbeginn (§ 11 BUrlG).

Was zählt zum Urlaubsentgelt:

  • Stundenlohn / Tageslohn

  • Regelmäßige Zuschläge (Nacht, Sonntag, Feiertag) - wenn sie "mit Wahrscheinlichkeit wiederkehrend" sind (BAG-Rechtsprechung)

  • Tarifliche Zulagen

Was nicht zählt:

  • Trinkgeld (nicht vom Arbeitgeber gezahlt)

  • Einmalzahlungen und Sonderboni

  • Unregelmäßige, nicht vorhersehbare Zahlungen

Berechnungsbeispiel Pflege

Position

Wert

Gesamtverdienst letzte 13 Wochen

1.950 €

Geleistete Arbeitstage

45 Tage

Durchschnittsverdienst/Tag

1.950 ÷ 45 = 43,33 €

Urlaubstage

5 Tage

Urlaubsentgelt

43,33 × 5 = 216,65 € brutto


Urlaubsabgeltung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Endet das Minijob-Arbeitsverhältnis und kann der Resturlaub nicht mehr genommen werden, muss der Arbeitgeber ihn auszahlen (§ 7 Abs. 4 BUrlG).

Berechnung: Durchschnittlicher Tagesverdienst × Anzahl Resturlaubstage

Beispiel Gastronomie:

  • Resturlaub: 3 Tage

  • Tagesverdienst: 35 €

  • Abgeltung: 105 € brutto

Tarifvertragliche Besonderheiten

Branche

Tarifvertrag

Urlaubsregelung

Gastronomie

NGG

Häufig +1-3 Tage über gesetzlichem Minimum, teils abhängig von Betriebszugehörigkeit

Pflege

TVöD-P / AVR

29-30 Urlaubstage je nach Entgeltgruppe

Einzelhandel

HDE-Tarifverträge

Regional unterschiedlich, teils +1-2 Tage

Hotellerie

DEHOGA-TV

Saisonabhängige Freistellungsmodelle

Öffentlicher Dienst

TVöD

29-30 Tage je nach Beschäftigungsjahr


Häufige Fehler von Arbeitgebern

Fehler

Konsequenz

Lösung

Schichten statt Arbeitstage gezählt

Falscher Anspruch - Nachzahlung

Tage zählen, nicht Schichten

Feiertage als Urlaubstage verrechnet

Unzulässig - Nachzahlung

Feiertage zählen nicht als Urlaub (§ 3 BUrlG)

Flexible Wochenarbeitstage pauschal angesetzt

Fehlberechnung

13-Wochen-Durchschnitt verwenden

Urlaubsentgelt ohne Zuschläge berechnet

Zu niedrige Auszahlung

Regelmäßige Zuschläge einberechnen

Resturlaub bei Kündigung verfallen lassen

Nachzahlungsanspruch

Auszahlung (Abgeltung) nach § 7 Abs. 4 BUrlG

Keinen Urlaub gewährt weil "nur Minijob"

Rechtswidrig - voller Anspruch

§ 3 BUrlG gilt für alle Arbeitnehmer


Fazit: Rechtssichere & effiziente Urlaubsplanung im Minijob

Der Urlaubsanspruch im Minijob ist gesetzlich klar geregelt - aber in der Praxis fehleranfällig. Die häufigsten Fehler entstehen bei wechselnden Schichten (13-Wochen-Regel falsch angewendet), beim Urlaubsentgelt (Zuschläge vergessen) und bei der Abgeltung bei Kündigung (einfach verfallen lassen). Alle drei sind Nachzahlungsrisiken.

Die Grundlage für korrekte Urlaubsberechnung ist lückenlose Zeiterfassung - denn ohne dokumentierte Arbeitstage ist keine der Formeln anwendbar.


Shiftbase berechnet den Urlaubsanspruch von Minijobbern automatisch - auf Basis der erfassten Arbeitstage, mit korrekter 13-Wochen-Durchschnittsberechnung bei wechselnden Schichten und automatischer Urlaubsabgeltung beim Austritt. Jetzt 14 Tage kostenlos testen.

Häufig gestellte Fragen

Ja - anteilig nach Arbeitstagen. § 3 BUrlG macht keine Ausnahme für geringfügig Beschäftigte. Wer 3 Tage pro Woche arbeitet, hat 12 Urlaubstage pro Jahr. Wer 5 Tage arbeitet, hat 20. Die Stundenzahl und der Verdienst spielen keine Rolle. 

Über den Durchschnitt der letzten 13 Wochen: Gesamtzahl der geleisteten Arbeitstage ÷ 13 ergibt die durchschnittliche Wochenarbeitstage. Dann: 20 ÷ 5 × Durchschnitt = Jahresurlaubsanspruch. Krankheitswochen ohne Entgeltfortzahlung bleiben dabei unberücksichtigt.

Nicht genommener Resturlaub muss ausgezahlt werden (§ 7 Abs. 4 BUrlG). Grundlage ist der durchschnittliche Tagesverdienst der letzten 13 Wochen multipliziert mit den offenen Urlaubstagen. Ein einfaches Verfallenlassen ist unzulässig.

Beke Schoustra
Beke SchoustraAccount Executive DACH

Beke schreibt für Shiftbase über Dienstplanung, Zeiterfassung und alles, was die Personalplanung leichter macht. Sie übersetzt den Alltag von Teamleitern in praktische Tipps, die sofort weiterhelfen.

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