Der Betriebsurlaub spielt eine wichtige Rolle in der Arbeitswelt und stellt sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer ein relevantes Thema dar. In diesem Artikel beleuchten wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen, organisatorischen Aspekte und Herausforderungen des Betriebsurlaubs.
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Betriebsurlaub bedeutet, dass ein Unternehmen für einen bestimmten Zeitraum schließt und Mitarbeitende dafür Urlaub nehmen.
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Arbeitgeber dürfen Betriebsurlaub anordnen, aber nur unter klaren rechtlichen Voraussetzungen.
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Ein Teil des Jahresurlaubs muss den Mitarbeitenden zur freien Verfügung bleiben.
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Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats sind zwingend zu beachten.
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In Branchen wie Gastronomie und Einzelhandel ist eine frühzeitige und transparente Planung entscheidend.
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Was ist Betriebsurlaub?
Betriebsurlaub bezeichnet einen vom Arbeitgeber festgelegten Zeitraum, in dem der Betrieb ganz oder teilweise geschlossen ist und Mitarbeitende ihren gesetzlichen oder vertraglichen Urlaubsanspruch nutzen müssen.
Wichtig: Betriebsurlaub ist keine Sonderform des Urlaubs, sondern regulärer Erholungsurlaub, der zeitlich vorgegeben wird.
Warum Betriebsurlaub für Arbeitgeber ein sensibles Thema ist
Wenn Betriebe zeitweise schließen – etwa wegen Renovierungen, Inventuren oder saisonaler Flauten – ist Betriebsurlaub oft die naheliegendste Lösung. Gleichzeitig bewegen sich Arbeitgeber dabei in einem rechtlich sensiblen Bereich. Gerade in personalintensiven Branchen wie der Gastronomie oder dem Einzelhandel treffen Urlaubsplanung, Arbeitsrecht und Personaleinsatzplanung direkt aufeinander. Fehler bei der Umsetzung können schnell zu Konflikten oder rechtlichen Risiken führen.
Wie lautet das Betriebsurlaub-Gesetz?
Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) enthält keine explizite Regelung zum Betriebsurlaub. Die Zulässigkeit ergibt sich aus:
- § 7 BUrlG (Urlaubsgewährung)
- der Rechtsprechung
- ggf. Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen
Darf Betriebsurlaub einseitig angeordnet werden?
Grundsätzlich ja, aber nicht unbegrenzt.
Arbeitgeber müssen:
- die Interessen der Mitarbeitenden berücksichtigen
- den Urlaub rechtzeitig ankündigen
- ausreichend Resturlaub zur freien Verfügung lassen
Gerichte gehen davon aus, dass nicht der gesamte Jahresurlaub durch Betriebsurlaub verplant werden darf.
Wie viel Urlaub darf für Betriebsurlaub genutzt werden?
Als Faustregel gilt:
- Maximal etwa 60 % des Jahresurlaubs dürfen für Betriebsurlaub vorgesehen werden
- Mindestens 40 % müssen frei planbar bleiben
Abweichungen sind nur in Ausnahmefällen zulässig (z. B. sehr kurze Saisonbetriebe).
Was gilt bei neuen Mitarbeitenden?
Mitarbeitende ohne ausreichenden Urlaubsanspruch dürfen nicht benachteiligt werden. In der Praxis bedeutet das:
- anteilige Lösungen
- ggf. unbezahlte Freistellung nur mit Zustimmung
- klare vertragliche Regelungen
Mitbestimmung des Betriebsrats
Existiert ein Betriebsrat, ist dieser zwingend zu beteiligen (§ 87 BetrVG). Ohne Zustimmung ist ein angeordneter Betriebsurlaub in der Regel unwirksam.
Betriebsurlaub aus Sicht von Arbeitgebern
--> Typische Gründe für Betriebsurlaub
- Betriebsferien
- Saisonale Schließzeiten
- Renovierungen oder Umbauten
- Geringe Auftragslage
- Inventuren (Einzelhandel)
--> Häufige Fehler in der Praxis
- Zu kurzfristige Ankündigung
- Kein Resturlaub zur freien Verfügung
- Fehlende Kommunikation
- Ignorieren der Mitbestimmung
- Unklare Regelungen im Arbeitsvertrag
--> Arbeitgeber-Checkliste
- frühzeitige Planung
- transparente Kommunikation
- rechtliche Prüfung
- Dokumentation
- Abstimmung mit Betriebsrat
Betriebsurlaub in der Gastronomie und im Einzelhandel
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In der Gastronomie ist Betriebsurlaub häufig:
- saisonbedingt (z. B. nach Feiertagsgeschäft)
- mit Personalengpässen verbunden
- emotional sensibel, da Mitarbeitende oft flexibel bleiben möchten
Empfehlung:
- Betriebsurlaub früh im Jahr festlegen
- individuelle Gespräche führen
- digitale Urlaubsplanung nutzen
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Typische Szenarien:
- Inventur
- Umbau oder Filialschließung
- Jahreswechsel
Besonders wichtig:
- klare Fristen
- faire Verteilung
- transparente Begründung
Betriebsurlaub planen und umsetzen – Schritt für Schritt
- Zeitraum definieren
- Urlaubsansprüche prüfen
- Mitarbeitende frühzeitig informieren
- Betriebsrat einbinden (falls vorhanden)
- Urlaub dokumentieren
- Vertretungs- & Übergaberegelungen festlegen
Fazit
Betriebsurlaub ist ein wirksames Instrument für Arbeitgeber, um Schließzeiten effizient zu überbrücken. Voraussetzung ist jedoch eine faire, transparente und rechtssichere Umsetzung. Wer früh plant, klar kommuniziert und digitale Tools einsetzt, minimiert Risiken und stärkt gleichzeitig das Vertrauen im Team.
Häufig gestellte Fragen
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Maximal 60 % des Jahresurlaubs dürfen für Betriebsferien genutzt werden. Mindestens 40 % müssen den Mitarbeitenden zur freien Verfügung bleiben. (§ 7 Abs. 1 BUrlG)
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Empfohlen wird eine Ankündigungsfrist von 6 Monaten, damit Mitarbeitende rechtzeitig planen können. Eine schriftliche Mitteilung ist ratsam.
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Ja, gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 5 BetrVG ist der Betriebsrat bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs mitbestimmungspflichtig.
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Die Urlaubstage werden nach Vorlage eines Attests nicht angerechnet – sie bleiben bestehen.
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Unbedingt. Eine vertragliche Grundlage zur Anordnung von Betriebsferien sorgt für Rechtssicherheit und klare Erwartungen auf beiden Seiten.

