Fluktuation
Fluktuation ist der Wechsel des Personals in einem Betrieb, die Fluktuationsrate der Anteil der Beschäftigten, die in einem Zeitraum gegangen sind.
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Was ist Fluktuation?
Fluktuation ist der Wechsel des Personals in einem Betrieb: Beschäftigte scheiden aus, ihre Stellen werden neu besetzt. Gemessen wird sie mit der Fluktuationsrate, die auch Fluktuationsquote heißt. Sie gibt an, wie viel Prozent der durchschnittlichen Belegschaft in einem Zeitraum gegangen sind, meist in einem Kalenderjahr.
Das Wort kommt vom lateinischen fluctuare, hin und her schwanken. Das Gabler Wirtschaftslexikon zählt im engen Sinn nur Abgänge, die von den Beschäftigten ausgehen, also Eigenkündigungen, und dazu die natürliche Fluktuation durch Ruhestand und Tod. In vielen Betrieben zählt jeder Abgang. Beides ist verbreitet. Entscheidend ist, dass du jedes Jahr auf dieselbe Art zählst, sonst vergleichst du zwei verschiedene Kennzahlen.
In der Medizin bedeutet Fluktuation etwas anderes, nämlich das tastbare Schwappen von Flüssigkeit im Gewebe. Hier geht es nur um Personal.
Arten der Fluktuation
Art | Was dazu zählt | Was du beeinflussen kannst |
|---|---|---|
Natürliche Fluktuation | Ruhestand, Tod | kaum, aber du siehst sie Jahre vorher kommen |
Arbeitnehmerseitige Fluktuation | Eigenkündigung, Aufhebungsvertrag auf Wunsch der Beschäftigten | Arbeitszeiten, Dienstplan, Lohn, Führung |
Arbeitgeberseitige Abgänge | Kündigung durch den Betrieb, Ende einer Befristung | Personalauswahl und Planung der Befristungen |
Interne Fluktuation | Wechsel in eine andere Abteilung oder Filiale | zählt für die Abteilung, nicht für den Betrieb |
Frühfluktuation | Abgang in den ersten Monaten, oft in der Probezeit | Auswahl und Einarbeitung |
Fluktuationsrate berechnen
Die Grundformel teilt die Abgänge durch den durchschnittlichen Personalbestand und rechnet das Ergebnis in Prozent um:
Fluktuationsrate = Abgänge im Zeitraum ÷ durchschnittlicher Personalbestand × 100
Den durchschnittlichen Personalbestand bildest du aus dem Bestand am Anfang und am Ende des Jahres, geteilt durch zwei. Genauer wird es mit dem Mittel der zwölf Monatsendbestände, weil dann auch Spitzen im Sommer oder vor Weihnachten mitzählen. Zähle Köpfe, keine Vollzeitstellen: Eine Aushilfe mit acht Stunden pro Woche, die kündigt, ist genauso ein Abgang wie eine Vollzeitkraft.
BDA-Formel und Schlüter-Formel
Neben der Grundformel sind zwei Varianten verbreitet. Sie unterscheiden sich darin, welche Abgänge im Zähler stehen und welche Belegschaft im Nenner.
Formel | Zähler | Nenner | Passt, wenn |
|---|---|---|---|
BDA-Formel | Abgänge, die von den Beschäftigten ausgehen | durchschnittlicher Personalbestand | du wissen willst, wie gut du Leute hältst |
Schlüter-Formel | alle Abgänge | Personalbestand am Anfang des Zeitraums plus alle Zugänge | dein Betrieb wächst oder jedes Jahr viele Saisonkräfte einstellt |
Die Schlüter-Formel liefert in Betrieben mit vielen Ein- und Austritten niedrigere Werte als die Grundformel, weil jede Neueinstellung den Nenner vergrößert. Für einen Vergleich mit einer veröffentlichten Zahl musst du wissen, mit welcher Formel sie gerechnet wurde.
Beispiel: ein Restaurant mit 24 Beschäftigten
Ein Restaurant startet ins Jahr mit 24 Beschäftigten: Servicekräfte, Küche, Spüle und einige Minijobber. Im Lauf des Jahres kommen elf Leute dazu, neun gehen. Am 31. Dezember arbeiten dort 26 Menschen, das Mittel der Monatsendbestände liegt bei 25.
Von den neun Abgängen sind sechs Eigenkündigungen. Zwei Saisonverträge für die Terrasse laufen wie geplant im Oktober aus, und einer Aushilfe kündigt der Betrieb in der Probezeit.
Formel | Rechnung | Fluktuationsrate |
|---|---|---|
Grundformel, alle Abgänge | 9 ÷ 25 × 100 | 36 % |
BDA-Formel, nur Eigenkündigungen | 6 ÷ 25 × 100 | 24 % |
Schlüter-Formel | 9 ÷ (24 + 11) × 100 | 25,7 % |
Dasselbe Jahr, drei Ergebnisse zwischen 24 und 36 %. Für die Frage, ob dein Team bleibt, ist die BDA-Zahl die ehrlichere: Die zwei Saisonverträge waren nie als Dauerstelle gedacht, und die Kündigung in der Probezeit war deine Entscheidung. Weise geplante Abgänge wie auslaufende Saisonverträge deshalb getrennt aus.
Drei der sechs Eigenkündigungen kamen von Leuten, die erst in diesem Jahr angefangen hatten und keine sechs Monate geblieben sind. Bezogen auf elf Neueinstellungen ist das eine Frühfluktuation von 27 %. Diese Zahl sagt mehr über deine Einarbeitung als jede Jahresquote.
Was als Abgang zählt
Minijobber und Aushilfen zählen als Köpfe mit, wie alle anderen.
Befristete Saisonkräfte, deren Vertrag wie geplant endet, weist du getrennt aus.
Wer in Elternzeit geht, scheidet nicht aus: Das Arbeitsverhältnis ruht nur.
Ein Wechsel in eine andere Filiale ist für den Betrieb kein Abgang, für die Filiale schon.
Auszubildende, die nach dem Abschluss nicht übernommen werden, notierst du als eigene Gruppe.
Wann ist eine Fluktuation hoch?
Einen festen Wert, ab dem eine Fluktuationsrate als zu hoch gilt, gibt es nicht. Ratgeber nennen ganz unterschiedliche Grenzen, und sie rechnen mit unterschiedlichen Formeln. In der Gastronomie und im Handel, mit vielen Minijobs, Studierenden und Saisonkräften, liegt die Quote ohnehin höher als in einem Büro mit festen Arbeitszeiten.
Aussagekräftiger ist der Vergleich mit dir selbst. Eine Fluktuation ist hoch, wenn sie gegenüber dem Vorjahr steigt, wenn sie sich auf eine Abteilung oder eine Schichtleitung konzentriert, wenn viele in den ersten Monaten gehen oder wenn ausgerechnet die erfahrenen Leute kündigen, die neue einarbeiten.
Ursachen im Schichtbetrieb
Nach dem Gabler Wirtschaftslexikon liegen die Gründe bei Kündigungen im ersten Jahr oft in der Personalauswahl und der Einarbeitung. Wer länger da ist, geht eher wegen Arbeitsinhalt, Arbeitszeit, Lohn, fehlender Entwicklung oder der Zusammenarbeit mit Kollegen und Führung. Dazu kommen persönliche Gründe wie ein Umzug.
Im Schichtbetrieb hängt vieles davon am Dienstplan. Ein Plan, der erst am Freitag für die nächste Woche kommt, Dienste, die kurzfristig verschoben werden, und Wochenenden, die immer dieselben treffen, treiben Leute aus dem Betrieb, auch wenn der Lohn stimmt. Fehlen Leute, übernimmt der Rest ihre Schichten. Aus der Unterbesetzung wird dann Überlastung, und die nächste Kündigung folgt.
Was Fluktuation kostet
Jeder Abgang hinterlässt zuerst eine Vakanz: Bis die neue Person anfängt, verteilt sich ihre Arbeit auf das Team oder Schichten bleiben dünn besetzt. Dann kommt die Suche selbst, also Anzeigen, Gespräche und Probearbeiten, deren Kosten du als Cost per Hire zusammenfasst. Und nach der Unterschrift läuft wochenlang jemand Erfahrenes mit, bis die neue Kraft eine Schicht allein trägt.
Im Beispielrestaurant heißt das: neun Abgänge, neun Mal Suche, neun Mal Einarbeitung, und das in einem Jahr. Rechne die Stunden einmal mit, die deine Schichtleitung dafür braucht.
Fluktuation senken
Was hilft, setzt bei den Gründen an, und die kennst du nur, wenn du fragst. Frag bei jeder Kündigung nach dem Grund und schreib ihn auf, auch wenn die Antwort knapp ist. Nach einem Jahr siehst du, ob es der Dienstplan war, der Lohn oder eine bestimmte Schicht.
Im Schichtbetrieb wirken vor allem diese Hebel:
Veröffentliche den Dienstplan früh und ändere ihn danach so selten wie möglich.
Plan mit der Verfügbarkeit, die dein Team selbst angibt, statt sie abzufragen, wenn es schon brennt.
Verteil Wochenenden und Spätdienste reihum, sichtbar für alle.
Gib neuen Leuten einen festen Einarbeitungsplan und eine feste Ansprechperson für die ersten Wochen.
Führ vor dem Ende der Probezeit ein Gespräch, in dem die neue Kraft sagt, was nicht passt.
Neben Dienstplan und Personalakte erfasst Shiftbase auch, wie dein Team die Schichten erlebt. Schaltest du die Funktion ein, bewerten die Mitarbeitenden nach dem Ausstempeln in der App ihre Schicht als gut, neutral oder schlecht und können Stichworte wie Dienstplanänderungen, Unterbesetzung oder Arbeitsbelastung wählen. Im Bericht siehst du die Bewertungen nach Abteilung und Team. So fällt dir auf, wo die Stimmung kippt, bevor jemand kündigt.
Häufig gestellte Fragen
Fluktuation ist, einfach erklärt, das Kommen und Gehen von Personal in einem Betrieb. Beschäftigte kündigen, gehen in Rente oder ihr Vertrag endet, und ihre Stellen werden neu besetzt. Die Fluktuationsrate zeigt, wie viel Prozent der Belegschaft in einem Jahr gegangen sind.
Die Fluktuationsrate berechnest du, indem du die Abgänge eines Jahres durch den durchschnittlichen Personalbestand teilst und mit 100 multiplizierst. Bei 9 Abgängen und durchschnittlich 25 Beschäftigten liegt sie bei 36 %. Die BDA-Formel zählt nur Eigenkündigungen, die Schlüter-Formel teilt durch den Anfangsbestand plus alle Zugänge.
Fluktuationsrate und Fluktuationsquote bezeichnen dieselbe Kennzahl: den Anteil der Abgänge an der durchschnittlichen Belegschaft in Prozent. Was sich zwischen zwei Zahlen unterscheidet, ist die Formel, mit der gerechnet wurde.
Nach der Schlüter-Formel teilst du alle Abgänge durch den Personalbestand am Anfang des Zeitraums plus alle Zugänge und multiplizierst mit 100. Mit 24 Beschäftigten am Jahresanfang, 11 Zugängen und 9 Abgängen ergibt das 25,7 %.
Natürliche Fluktuation sind Abgänge, die nicht von einer Kündigung ausgehen, vor allem der Ruhestand und der Tod von Beschäftigten. Sie lässt sich kaum beeinflussen, aber gut planen, weil ein Renteneintritt meist Jahre vorher absehbar ist.
Eine hohe Fluktuationsrate ist eine, die gegenüber dem Vorjahr steigt, sich auf eine Abteilung konzentriert oder vor allem neue und erfahrene Leute betrifft. Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht, weil Betriebe mit unterschiedlichen Formeln rechnen und Gastronomie und Handel mit vielen Aushilfen strukturell höher liegen.
Frühfluktuation bedeutet, dass neue Beschäftigte den Betrieb in den ersten Monaten wieder verlassen, oft noch in der Probezeit. Du misst sie als Anteil dieser frühen Abgänge an allen Neueinstellungen. Eine hohe Frühfluktuation spricht für Probleme bei der Auswahl oder der Einarbeitung.
Andere Wörter für Fluktuation sind Personalwechsel, Mitarbeiterfluktuation und Personalfluktuation. Auf Englisch heißt die Kennzahl employee turnover oder turnover rate.
Alle Begriffe ansehen
- 48-Stunden-WocheDie 48-Stunden-Woche ist die Obergrenze für die durchschnittliche Wochenarbeitszeit nach § 3 ArbZG. In einzelnen Wochen sind bis zu 60 Stunden möglich, wenn der Schnitt im Ausgleichszeitraum stimmt.
- Direktionsrecht (§ 106 GewO)Das Direktionsrecht nach § 106 GewO erlaubt dem Arbeitgeber, Zeit, Ort und Inhalt der Arbeit festzulegen, soweit Vertrag, Tarif, Betriebsvereinbarung und Gesetz Raum lassen und die Weisung billigem Ermessen entspricht.
- ElternzeitElternzeit ist eine unbezahlte Freistellung bis zum dritten Geburtstag, die Mütter und Väter sieben Wochen vorher beim Arbeitgeber anmelden. Mit Rechner für Beginn, Ende und Antragsfrist.
- ErsatzruhetagDer Ersatzruhetag ist der freie Werktag nach Sonntags- oder Feiertagsarbeit (§ 11 Abs. 3 ArbZG): innerhalb von zwei Wochen nach einem Sonntag, acht Wochen nach einem Feiertag, ein ganzer Kalendertag.
- FluktuationFluktuation ist der Wechsel des Personals in einem Betrieb, die Fluktuationsrate der Anteil der Beschäftigten, die in einem Zeitraum gegangen sind.
- ProbearbeitenProbearbeiten ist ein kurzes, unverbindliches Kennenlernen im Betrieb vor dem Arbeitsvertrag: unbezahlt, solange die Person nur mitläuft, und ein Arbeitsverhältnis mit Mindestlohn, sobald sie richtig mitarbeitet.
- RuhezeitZwischen zwei Arbeitstagen müssen mindestens 11 Stunden Ruhezeit liegen. Wann sie kürzer sein darf, was sie unterbricht und Beispiele aus dem Schichtplan.
- Trinkgeld versteuernTrinkgeld ist für Angestellte steuerfrei, wenn Gäste es freiwillig geben, auch per Karte und aus der Trinkgeldkasse. Steuerpflichtig sind feste Bedienungszuschläge und Trinkgeld an den Inhaber.
- Urlaubsanspruch in der ElternzeitIn der Elternzeit entsteht Urlaub weiter. Der Arbeitgeber darf ihn pro vollem Kalendermonat um ein Zwölftel kürzen, wenn er das erklärt, aber nicht bei Teilzeit beim selben Arbeitgeber. Resturlaub verfällt nicht.
- VerdienstbescheinigungDie Verdienstbescheinigung ist der Vordruck, auf dem du einem Amt den Verdienst bestätigst. Welcher Zeitraum zählt und wohin Zuschläge gehören.
- Weiterbeschäftigung nach RenteneintrittWeiterbeschäftigung nach Renteneintritt: wie der Vertrag weiterläuft, was für Renten- und Arbeitslosenversicherung gilt und wann die Aktivrente greift.
- WerkstudentWerkstudenten sind Studierende, die in der Vorlesungszeit höchstens 20 Stunden pro Woche arbeiten und dafür nur in die Rentenversicherung einzahlen.
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