Überstunden: “To do or not to do?”

Über die Hälfte der Deutschen leistet jede Woche Überstunden und nur ca. 38 % erhalten einen Ausgleich. Überstunden sind Schei ... aber gehören mittlerweile zum Alltag. Gerade in der Ferienzeit, wenn Kollegen im Urlaub oder krank sind, fehlt immer Jemand an allen Ecken und Kanten. Dann heißt es für viele: Überstunden schieben. Doch was ist erlaubt? Wie berechne ich Überstunden? Leider, haben wir keinen Zauberstab, um die Überstunden wegzuzaubern, aber wir haben ein paar praktische Informationen.

Was sind Überstunden?
Wenn Sie mehr Stunden pro Woche arbeiten, als tariflich oder vertraglich festgehalten, dann spricht man von Überstunden. Doch aufgepasst, denn laut dem Arbeitsgesetz gilt auch Arbeitszeit, die über acht Stunden pro Tag hinausgeht, als Überstunden. Wenn diese Zeit jedoch innerhalb der Wochenarbeitszeit ausgeglichen werden kann, spricht man hier von Mehrarbeit.

Was ist die Grenze für Überstunden?
Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollten Überstunden vermeiden und das Arbeitszeitgesetz hat strenge Regelungen hierfür:

      • Pro Tag dürfen Mitarbeiter maximal 10 Stunden arbeiten.
      • Pro Woche dürfen Mitarbeiter maximal 48 Stunden arbeiten.
      • Mindestens 11 Stunden Ruhezeit zwischen dem Arbeitsende und dem Arbeitsbeginn am nächsten Tag.
      • Bei verkürzten Ruhezeiten müssen Arbeitgeber innerhalb von 4 Wochen eine Ruhezeit von minimal 12 Stunden ermöglichen.
      • Vorbild: Bei 40 Arbeitsstunden in der Woche sind maximal 8 Überstunden pro Woche erlaubt. Verlangt ein Arbeitgeber mehr, verstößt er gegen das Arbeitszeitgesetz.

Nein sagen zu Überstunden?
Ein Arbeitnehmer ist eigentlich nur dazu verpflichtet, die Arbeitszeit zu erbringen, die im Arbeitsvertrag geregelt ist. Eine gesetzliche Verpflichtung Überstunden zu leisten, gibt es nicht. In vielen Arbeitsverträgen ist eine Überstundenklausel enthalten, die festhält, in welchem Umfang Mehrarbeit zu leisten ist. Schauen Sie einfach mal in ihren Vertrag und sollte es eine Formulierung geben, die zum Beispiel, pauschal das Ableisten von Mehrarbeit verlangt, ist dies nicht rechtens. Ein Arbeitnehmer kann nicht abschätzen, wie viele Überstunden bevorstehen könnten. Chefs dürfen nicht mal so Überstunden anordnen, denn ohne gesonderte Vereinbarung besteht grundsätzlich keine Verpflichtung.

Tipp: Sie arbeiten bis zu 30 Wochenstunden (Teilzeit), dann darf der Chef keine Überstunden verlangen.

Gibt es Ausnahmeregelungen?
Leider wahr, aber es gibt Ausnahmeregelungen und der Arbeitgeber kann dann Überstunden anordnen, sowohl für Vollzeit- als auch Teilzeitbeschäftigte:

      • In Notsituationen darf der Chef Mehrarbeit anordnen, aber nur wenn die Existenz des Betriebs gefährdet sein könnte. Denken Sie dabei an unvorhergesehenen Events, wie ein Feuer.
      • Bei erhöhtem Arbeitsbedarf sind Überstunden zulässig. Die tägliche Arbeitszeit darf 12 Stunden, die wöchentliche 60 Stunden nicht überschreiten, jeweils inkl. Überstunden.
      • Weitere Ausnahmen sind, die schriftlich im Vertrag oder der Dienstvereinbarung festgehalten werden.
      • Sonderregelungen gelten für werdende und stillende Mütter, leitende Angestellte und Jugendlichen die 15, aber noch nicht 18 Jahre alt sind.

Tipp: Wenden Sie sich bei Unklarheiten an den Betriebsrat oder die Arbeiterkammer.

Bezahlung oder Zeitausgleich?
Das Überstunden berechnen fällt den meisten Arbeitnehmern relativ schwer und ob Überstunden bezahlt werden oder nicht, hängt vom Vertrag ab. Leider, gibt es auch keinen Rechtsanspruch auf Überstundenvergütung. Die Grundregel lautet: Überstunden werden bezahlt und nur wenn Sie etwas anderes vereinbart haben, bekommen Sie einen Zeitausgleich. Sie sollten mindestens einen Zuschlag von 50% bekommen für jede geleistete Überstunde. Fehlt eine Überstundenregelung, können Sie sich auf §612 Absatz 1 des BGB berufen. In diesem Absatz heisst es u.a.:”... Eine Vergütung gilt als stillschweigend vereinbart, wenn die Dienstleistung den Umständen nach nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist." Schreiben Sie alle Überstunden auf.

Tipp: Es ist verboten, um die Überstundenvergütung pauschal auszuschliessen! Solche Klauseln sind in der Regel verboten und Sie könnten Ihren Chef verklagen.

 

Zu viele Überstunden – Tipps für den Chef und Mitarbeiter.
Laut einer Studie leisten Deutsche mehr dann 1,7 Milliarden Überstunden im Jahr! Zu viele Überstunden können Einfluss haben auf das Wohlbefinden der Arbeitnehmer. Zu wenig Pausen, steigende Belastung und sinkende Produktivität sind Gift für jede Firma. Hier ein paar Tipps, um den Überstunden den Kampf anzusagen:

      • Überprüfen Sie ihre Arbeitsweise: Unliebsame Aufgaben direkt früh erledigen und nicht aufschieben. Dann ist das “Schlimmste” hinter Ihnen. To-Do Liste helfen.
      • Ablenkungen vermeiden und die Produktivität erhöhen. Denken Sie dabei an Time Mangement für Struktur und feste Zeiten. Die Organisation von Mails gehört dazu und hilft enorm.
      • Non plus Ultra gibt es nicht! Perfektionismus ist der Freund von Überstunden. Denken Sie immer daran: Kritik ist nicht Schlecht und aus Fehlern lernen wir – Versuchen sie nicht zeitintensiv und zwanghaft Fehler zu vermeiden.
      • Lernen Sie, um auch mal “Nein”zu sagen. Wer immer “Ja” sagt, landet schnell in der Überstunden-Falle und das dauerhaft. Setzten Sie Prioritäten und wenn Zeit ist, können Sie Kollegen helfen oder Extra Aufträge annehmen.
      • Tools: Es gibt verschiedene Softwares zur Online Zeiterfassung. Hier werden alle Stunden automatisch berechnet. Diese Tools sind übersichtlich und beenden die ständige Diskussion über die Überstunden.
      • Keine Überstunden! Das traut sich fast keiner, aber es ist wichtig, um Ihre Grenzen festzulegen. Das kann bei der Bewerbung beginnen. Reden Sie mit Ihrem Vorgesetzen über eine Aufgabenverteilung oder Home – Office. Kommunikation ist der Schlüssel.

 

Mit vertraglichen Vereinbahrungen weiß ein Arbeitnehmer genau, was ihn erwartet. Sollten die Überstunden überhandnehmen, könnte es auch Zeit für einen neuen Job sein. Ziehen Sie an der Notbremse und denken Sie an sich, an Ihre Familie, an Ihre Freunde – Eine gute Work-Life-Balance ist die Basis eines zufriedenen Lebens.

>Nicole
Nicole
Geboren und aufgewachsen in Deutschland, reise ich seit 20 Jahren durch die "Weltgeschichte". Ich habe Hotelfachfrau gelernt und war jahrelang im Tourismus und Kundenservice unterwegs. Das kombiniere ich mich meiner jahrelangen Erfahrung im Marketing. Ich bin offen für alles und ich sage, was ich denke. Mein Motto ist:"Du lebst nur einmal. Probieren geht über studieren."